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Bauen
Baugrube in Nittel stürzt ein, Suche nach Ursache läuft

Diese Baugrube  in Nittel ist eingestürzt. Jetzt steht die benachbarte Garage nicht mehr sicher. Laut dem Projektentwickler für das Mehrfamilienhaus, das dort entstehen soll, war eine Drainage auf dem Nachbargrundstück falsch gelegt.
Diese Baugrube  in Nittel ist eingestürzt. Jetzt steht die benachbarte Garage nicht mehr sicher. Laut dem Projektentwickler für das Mehrfamilienhaus, das dort entstehen soll, war eine Drainage auf dem Nachbargrundstück falsch gelegt. FOTO: TV / Christian Kremer
Nittel. Eine Familie muss ihr Wohnhaus an der Obermosel verlassen, weil es nicht mehr sicher ist. Grund dafür ist ein Vorfall auf dem benachbarten Grundstück, wo ein Investor zwei Häuser mit zwölf Wohnungen baut. Dieses Projekt hat schon mehrfach zu Diskussionen geführt.
Christian Kremer

Ich kümmere mich beim Trierischen Volksfreund seit 2010 um die Konzer Ausgabe. Vorher habe ich ein Volontariat in der Redaktion absolviert und in Trier Germanistik, Politik- und Medienwissenschaft studiert. Mir ist es besonders wichtig, im Dialog mit den Lesern zu sein. Wer Anregungen hat kann sich jederzeit an mich wenden.

Ein „lauter Knall“ reißt die Anwohner an den Straßen Auf dem Wiesengraben/Am Nussbaum in der Nacht von Donnerstag auf Freitag aus dem Schlaf. So schreibt es einer von ihnen an unsere Zeitung. „Im Dunkeln war noch nichts zu erkennen“, führt der Nitteler weiter aus. Am nächsten Morgen sei die Baugrube noch weiter eingebrochen. Eine Garage direkt oberhalb der Grube steht nun nicht mehr sicher. Die Familie, die eigentlich in dem zur Garage gehörigen Haus lebt, zieht vorübergehend in eine Ferienwohnung. Der Hauseigentümer sagt zum TV: „Ich kann nicht in Ruhe schlafen in dem Haus.“ Er wisse ja nicht, ob sein Haus sicher stehe.

Auf der Großbaustelle nebenan, wo ein Projektentwickler mit Niederlassungen in Luxemburg und Trier zwei Häuser mit Tiefgarage und insgesamt zwölf Wohnungen baut, stehen die Maschinen wegen des Vorfalls vorerst still. Die zuständige Bauaufsicht bei der Verbandsgemeindeverwaltung Konz hat einen Baustopp verhängt. Laut Verwaltungssprecher Michael Naunheim darf der Bauherr seit Freitag nur Arbeiten ausführen lassen, die zur Sicherung der Baugrube notwendig sind. Dazu habe die VG eine baurechtliche Anordnung erlassen. Die Straße vor der Grube ist zurzeit gesperrt, laut Naunheim voraussichtlich bis Ende der Woche. Bis dahin soll der Bauherr die notwendigen Sicherungsmaßnahmen treffen und sich das gutachterlich bestätigen lassen.

Der Grubeneinsturz war nicht der erste Anlass der Bauaufsicht, mit dem Investor Kontakt aufzunehmen: „Mitte November wurde der Bauherr von unserer Bauaufsicht bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Sicherungen der Baugrube und Böschungen ordnungsgemäß durchzuführen sind.“ Dafür gebe es eine entsprechende Din-Norm (siehe Extra).

Die Arbeiter hatten zu diesem Zeitpunkt laut Naunheim allerdings schon mit dem Bau von Spundwänden zur Sicherung der Baugrube begonnen. Grund für Beschwerden, die Anwohner gleich bei mehreren Behörden vorgetragen hatten, sah die Bauaufsicht bisher nicht. Ein Nitteler hatte sich schon Mitte November an den TV gewandt: „In Nittel, Ecke Wiesengraben/Am Nussbaum, befindet sich eine riesige Baugrube, wo gestern mangels Absicherung zwei Seiten teils gerutscht sind.“ Damals hieß es auf TV-Anfrage bei der Verbandsgemeindeverwaltung in Konz, dass die Vorwürfe haltlos und auf einen Nachbarschaftsstreit zurückzuführen seien.

Bei den Nachbarn stoßen die Mehrfamilienhäuser seit Beginn der Bauarbeiten auf Unmut. Das Gebäude, in dem laut der Internetseite des Projektentwicklers Luxuswohnungen zwischen 53 und 105 Quadratmetern unterkommen sollen, ist ihnen zu groß. Es gab auch schon ein Klageverfahren gegen das Projekt – ohne Erfolg. Denn die Baufirma hält sich an alle baurechtlichen Vorgaben. Auch die Baugrube betrachten einige Nitteler schon länger skeptisch. Eine Anwohnerin sagt zum TV: „Das ist schon länger ein Thema hier, wie wenig das abgesichert ist.“ Zudem sei der Bauabstand zur Straße nicht groß genug.

Der Investor ist selbst vor Ort, als sich der TV-Reporter ein Bild der Lage macht. Der Projektentwickler sagt, dass sein Unternehmen am Einsturz der Baugrube nicht schuld sei. „Leider Gottes wurde im Nachbarhaus die Drainage falsch angeschlossen“, führt er aus. „Das wurde als Naturentwässerung auf unser Grundstück geführt. Davon wussten wir nichts.“ So seien die Fundamente unterspült worden, sagt der Unternehmer. Die  Drainage müsse jetzt richtig angeschlossen werden. Er beruft sich bei dieser Angabe auf ein Gutachten, das er beauftragt habe und das am Montag erstellt worden sei. Die Verantwortung für den Schaden, den er an der Baugrube auf rund 25 000 Euro schätzt, trage die Fertighaus-Firma, die das Haus der Familie mit der gefährdeten Garage gebaut habe, sagt der Investor zum TV. Er betont, dass auf und neben der Baustelle jetzt wieder alles sicher sei. Sein Projekt werde durch den Vorfall voraussichtlich um drei Wochen verzögert. Der Bauherr verspricht: „Wir werden von den Nachbarn keinen Schadenersatz fordern.“

Die Verbandsgemeindeverwaltung in Konz äußert sich nicht zu der Ursache für den Einsturz. Das müssten die beteiligten Parteien privatrechtlich klären. Der betroffene Familienvater sagt im Gespräch mit dem Volksfreund, dass seine Familie seit zwei Jahren in dem Haus wohne. Über die Ursache für den Einsturz könne er noch nichts sagen. Davon, dass es an der Drainage auf seinem Grundstück liegen könne, habe er noch nichts gehört. Er erwäge aber ein eigenes Gutachten. Noch wisse er nicht genau, wie es weitergehe. Für den Aufenthalt in der Ferienwohnung muss die Familie voraussichtlich jedoch nichts zahlen: Der Investor habe schriftlich zugesagt, dass er die Kosten übernehme.