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Baustelle Temmelser Kreisel: Besonders Pendler betroffen

Blick von der Bahnhofstraße auf die Temmelser Kreisel-Baustelle. Dort wird unter halbseitiger Sperrung gearbeitet. TV-Foto: Alexander Schumitz
Blick von der Bahnhofstraße auf die Temmelser Kreisel-Baustelle. Dort wird unter halbseitiger Sperrung gearbeitet. TV-Foto: Alexander Schumitz FOTO: (h_ko )
Temmels. Der erste Stresstest für den Verkehr rund um die Großbaustelle Bundesstraße B 419 in Temmels ist gelaufen. Ergebnis: Vor allem in den Stoßzeiten ist viel los, besonders am Abend gibt es Rückstaus bis zur Grenzbrücke nach Grevenmacher. Die Umsatzeinbußen der Geschäftstreibenden fallen moderat aus. Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan. Jürgen Boie

Seit einem Monat beherrschen Ampeln, Laster, Bagger und vor allem Staus im morgendlichen und abendlichen Pendlerverkehr das Straßenbild in Temmels. Dort, wo im Ort die Landesstraße 136 auf die Bundesstraße 419 trifft - sie verbindet die Verbandsgemeinden Saarburg und Konz mit Trier -, entsteht ein Kreisel.

Die Sicht der Pendler: TV-Leser Claas von Oesen aus Konz verliert abends auf der Heimfahrt aus Luxemburg bis zu 15 Minuten Zeit aufgrund der Ampelregelung im Feierabendverkehr. "Die Autos stauen sich von der Ortseinfahrt Temmels zurück bis zur Moselbrücke in Wellen", hat von Oesen beobachtet. Aus der Gegenrichtung kämen nicht allzu viele Fahrzeuge, so dass seiner Meinung nach eine optimierte Ampelschaltung für einen besseren Verkehrsfluss sorgen würde.

Das sagen die Straßenbauer und der Ortsbürgermeister: Sascha Hoffmann, verantwortlicher Bauleiter von der Köhler Straßenbau GmbH, die die Arbeiten im Auftrag von Bund, Land und Gemeinde ausführt, sagt dazu: "Wir haben es hier mit einer Drei-Phasen-Ampelanlage zu tun, da ja auch die Kunden des Supermarkts eine Chance haben müssen, sich in den Verkehr einzufädeln. Für die drei wesentlichen Verkehrssituationen morgens, tagsüber und abends gibt es unterschiedliche, dem Verkehrsaufkommen angepasste Ampelschaltungen." Bei einer Ortsbesichtigung nachmittags um 17.30 Uhr schaffen es etwa 50 Fahrzeuge, die Baustelle aus Wellen kommend Richtung Oberbillig fahrend innerhalb einer Ampelphase zu passieren. Morgens wird die Grünphase in die Gegenrichtung verlängert, um die Staus zu minimieren.

"Allerdings sind täglich fast 14 000 Fahrzeuge auf der B 419 in Temmels unterwegs. Bei einem so hohen Verkehrsaufkommen, das sich dann auch noch auf wenige Stunden morgens und abends konzentriert, sind Staus unvermeidlich", bedauert Hoffmann. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) spricht von 12 000 Fahrzeugen täglich. Peter Braun, Team-Leiter Straßenbau beim LBM, sagt: "Wir sehen natürlich auch die Problematik. Und auch die scheinbar sehr lange Bauzeit. Aber nur durch eine Vollsperrung der B 419 würde die Bauzeit deutlich verkürzt werden. Das will aber niemand."

Der Temmelser Ortsbürgermeister Herbert Schneider sieht das ähnlich: "Wir wollen, dass die Gewerbebetriebe in Temmels auch während der Bauzeit erreichbar sind. Eine Vollsperrung käme für uns nicht infrage."

Von der Seite der Verantwortlichen für den Bau läuft es bislang besser als befürchtet. "Wir sind im Zeitplan", sagt Bauleiter Hoffmann. Die Arbeiten haben im August begonnen und sollen mehr als ein Jahr andauern. Seit Dienstag läuft der dritte von neun Bauabschnitten. An der Einfahrt zum Supermarkt wird erst wieder gearbeitet, wenn die letzte Asphaltschicht aufgetragen wird. Zurzeit arbeitet die Firma auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo die Moselstraße in die B 419 mündet.

Das meint der Metzger: Peter Klassen von der gleichnamigen Metzgerei in Temmels bedauert die lange Bauzeit. "Ich bin ein grundsätzlicher Befürworter des Kreisels", sagt er. Klassen erträgt daher, dass während der Bauarbeiten 80 bis 100 Kunden weniger den Laden und den Imbiss besuchen. Aber auch er hätte es schlimmer erwartet. Seiner Meinung nach - und dieser Auffassung sind auch viele Nutzer der Internetseite www.diegrenzgaenger.lu - wäre es besser gewesen, den Kreisel damals anzulegen, als die Moselbrücke zwischen Wellen und Grevenmacher erneuert wurde. "In dieser Zeit hatten wir sowieso schon viel weniger Verkehr", erinnert sich der Fleischermeister. Doch damals konnte der Kreisel nicht gebaut werden, obwohl der LBM dies ebenfalls befürwortet hätte. Ein Anlieger wollte die für den Kreisel zusätzlich benötigten Flächen nicht verkaufen.

Blick in die Zukunft: Luxemburg-Pendler Claas von Oesen wird - so ist man bei der Ortsgemeinde Temmels und beim Landesbetrieb Mobilität überzeugt - nach den Bauarbeiten eine deutlich verbesserte Verkehrssituation in Temmels vorfinden. Metzger Peter Klassen befürchtet zwar, dass die Geduld von Oesens und seinen Leidensgenossen erst richtig strapaziert wird, wenn die eigentlichen Kreisel-Bauarbeiten in Angriff genommen werden. Das soll Mitte nächsten Jahres der Fall sein.

Doch Sascha Hoffmann und Peter Braun vom LBM sind zuversichtlich, dass auch diese Phase gut bewältigt wird.

Empfehlung an die Autofahrer: Eine Empfehlung für die Autofahrer hat Bauleiter Sascha Hoffmann noch: "Die Ampelanlage reagiert auf Bewegung. Wenn die Ampel auf Rot steht, sollte man unbedingt bis zur Haltelinie vorfahren, damit der Bewegungsmelder registriert, dass sich ein Fahrzeug vor der Ampel befindet." Beim Anfahren bei Grün sei es wichtig, aufzuschließen. Große Lücken zwischen den Fahrzeugen würden von dem Ampelsystem als "kein Verkehr" interpretiert.