| 18:21 Uhr

Statistik
Der Luxemburg-Effekt wirkt

 Auch Wincheringen gehört zu den Gewinnern. Ein Blick auf das Neubaugebiet Auf Mont. Im Vordergrund ist der Warsbergturm zu sehen.
Auch Wincheringen gehört zu den Gewinnern. Ein Blick auf das Neubaugebiet Auf Mont. Im Vordergrund ist der Warsbergturm zu sehen. FOTO: TV / Marion Maier
Konz/Saarburg/Kell/Hermeskeil. Die Verbandsgemeinden Konz und Saarburg-Kell wachsen. Vor allem die grenznahen Orte an der Obermosel verzeichnen hohe Einwohner-Zuwächse. Im Hochwald ist der Trend gegenläufig. Die Erklärung dafür ist naheliegend.
Christian Kremer

Redakteur/Reporter

Daumen hoch in der Nähe von Luxemburg und im Trierer Speckgürtel, Daumen runter in den abgelegeneren Regionen. So lassen sich die Einwohnerstatistiken aus den Verbandsgemeinden Hermeskeil, Konz und Saarburg-Kell zuspitzen. Der TV hat sich die Entwicklungen im Jahresvergleich angesehen.

Wechsel an der Spitze Die größte Verbandsgemeinde im Landkreis Trier-Saarburg ist nun nicht mehr Konz (33 061 Einwohner, Stand 31. Dezember 2018), sondern Saarburg Kell (33 381). Das liegt nicht am Bevölkerungswachstum, sondern an der Kommunalreform. Die ehemalige VG Saarburg (24 020) und die ehemalige VG Kell (9361) wurden zusammengelegt. Dahinter folgen die VG Schweich (28 076, Stand 31. Dezember 2017), Trier-Land (21 925/Ende 2017), Ruwer (18 396/Ende 2017)  sowie Hermeskeil (16 065/Ende 2018).

Städte Die Stadt Konz hat mit ihren Stadtteilen Könen, Tälchen, Oberemmel, Kommlingen und Filzen/Hamm  18 892 Einwohner (+59) und bleibt mit Abstand die größte Siedlung im Kreis Trier-Saarburg. Große Zuwächse gab es in den Stadtteilen Könen (+36) und im Zentrum (+33). Weniger Menschen leben hingegen in Oberemmel (-20). Zweitgrößte Stadt im Bereich Hochwald, Konz, Saarburg ist Saarburg mit 7423 Einwohnern (+61). Dann folgt Hermeskeil mit 6764 Bewohnern (-44).

Gewinnerorte Die Obermosel stellt in Sachen Wachstum alles in den Schatten. Je näher die Orte an der Grenze zu Luxemburg liegen, desto mehr Menschen wollen dort leben. Nittel (Konz/2618 Einwohner/+108/+4,3%) und Wincheringen (Saarburg/2298/+52/+2,32%) verzeichnen Spitzenwerte. Auch die anderen Orte an der Obermosel haben sich positiv entwickelt. Nur Wasserliesch verzeichnet ein Minus (Konz/2251/-15/-0,66%). Wachstum gibt es auch in Merzkirchen, Trassem  oder Freudenburg (Saarburg), in Zerf (Kell) oder Pellingen (Konz) haben zugelegt (siehe Tabelle). Beim relativen Wachstum gibt es eine Überraschung: Onsdorf (Konz) kommt auf 4,86 Prozent Bevölkerungszuwachs und kommt mit sieben Einwohnern mehr als im Vorjahr auf 144. Den größten relativen Verlust fährt Fisch (Saarburg) mit minus 3,99 Prozent ein. Der Ort verliert 17 Einwohner und hat noch 409.

Verlierer Dass die Nähe zu Luxemburg und der Stadt Trier eine wichtige Rolle spielen, beweist die Situation im Hochwald im Vergleich zur Obermosel. Rings um Hermeskeil verzeichnen von 13 Orten nur drei Zuwächse (Geisfeld: 535/+1, Rascheid: 530/+4 und Reinsfeld: 2464/+1). Besonders schlimm erwischt es Züsch (645/-21/-3,16%), Grimburg (511/-20/-3,77%) und Beuren (983/-18). Rings um Kell sieht es ähnlich dramatisch aus: Außer Zerf schrumpfen alle Dörfer. Spitzenreiter in der Negativstatistik ist Kell selbst (1950/-17/-0,87%).

Luxemburg-Effekt Joachim Maierhofer, Demografieexperte bei der Trier-Saarburger Kreisverwaltung, gibt auf TV-Anfrage seine Einschätzungen zu den Entwicklungen ab: Die Bevölkerungszuwächse resultieren aus seiner Sicht aus Wanderungen nicht aus einer besonders hohen Geburtenrate in den Orten. Dass immer mehr Menschen in Teile der Region wollen, liege an der Nähe zum attraktiven Arbeitsmarkt in Luxemburg. Die Zuwanderer seien deshalb meist hochqualifizierte Fachkräfte.  „Wenn ich kein Wohnbauland anbiete, wird keiner kommen“, erklärt Maierhofer. Deshalb sei günstiges erschlossenes Bauland eine Grundvoraussetzung für Wachstum in den Dörfern. Dass große Baugebiete Menschen anlocken, sei zum Beispiel an der Obermosel in Nittel und Wincheringen der Fall. Wegen der Verdienstmöglichkeiten im nahegelegenen Luxemburg würden dort auch hohe Quadratmeterpreise akzeptiert. Diese seien nicht nur für deutsche Grenzgänger, sondern auch für Luxemburger attraktiv. Denn Bauland in Luxemburg kostet immer noch ein Vielfaches mehr als zum Beispiel die rund 200 Euro, die zurzeit in Wincheringen oder Nittel für den Quadratmeter fällig sind.

Bus als Faktor Der Luxemburg-Effekt wirkt sich aber nicht nur direkt auf die Grenzorte aus, sondern auch auf Dörfer, die weiter entfernt liegen. Ein Beispiel dafür ist Merzkirchen. Dort hält die Buslinie 157, die von Saarburg nach Luxemburg fährt. Das reicht anscheinend, um die Menschen in den Ort zu locken. Laut Ortsbürgermeister Martin Lutz wurden zuletzt 32 Baugrundstücke innerhalb eines Jahres verkauft. „Wenn die Frau in Trier und der Mann in Luxemburg arbeitet, braucht man bei uns nur ein Auto“, sagt er, „für denjenigen, der nach Trier pendelt.“ Weil das Bauland nur knapp 100 statt 200 Euro pro Quadratmeter gekostet habe, seien sogar Menschen aus Konz oder Saarburg nach Merzkirchen gezogen.


Ausreißer im Hochwald Dass Zerf im Gegensatz zu anderen Hochwaldorten wächst (1509/+26/+1,75%), kann Maierhofer nicht auf Anhieb erklären. Zwar habe das Dorf eine gute Infrastruktur, aber die Entfernung nach  Luxemburg und Trier sei zu groß. Das Wachstum liege vermutlich am Verkauf von Baugrundstücken.

Nach Angaben des statistischen Landesamts schrumpfe Zerf auf lange Sicht jedoch mehr als andere Gemeinden dieser Größenklasse. In die demografische Glaskugel möchte Maierhofer im Gegensatz zum Landesamt jedoch nicht blicken (siehe Info).