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Guter Zweck
Die erste Sternfahrt ohne Marius

„Und los geht’s!“, rief Marius Betz den mehr als 400 Bikern vor einigen Jahren zu, Vater Markus Betz hielt das Mikrofon. Im November 2017 starb Marius – doch Oberbillig soll weiterhin für den guten Zweck erbeben.
„Und los geht’s!“, rief Marius Betz den mehr als 400 Bikern vor einigen Jahren zu, Vater Markus Betz hielt das Mikrofon. Im November 2017 starb Marius – doch Oberbillig soll weiterhin für den guten Zweck erbeben. FOTO: Herbert Thormeyer
Oberbillig. Hunderte Motorradfahrer brechen am Sonntag, 9. September, zur achten Sternfahrt für die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) auf. Es ist die erste Tour nach dem Tod des eigentlichen Hauptakteurs.
Christian Kremer

Ich kümmere mich beim Trierischen Volksfreund seit 2010 um die Konzer Ausgabe. Vorher habe ich ein Volontariat in der Redaktion absolviert und in Trier Germanistik, Politik- und Medienwissenschaft studiert. Mir ist es besonders wichtig, im Dialog mit den Lesern zu sein. Wer Anregungen hat kann sich jederzeit an mich wenden.

Marius Betz ist tot. Der Oberbilliger ist nur 22 Jahre alt geworden. Die unheilbare Krankheit Muskeldystrophie Duchenne hat ihn am 16. November 2017 getötet, 20 Jahre nachdem die Diagnose kam. Zwei Jahrzehnte hat die Familie darum gekämpft, Marius ein möglichst schönes Leben zu bieten. „Er war der Mittelpunkt bei uns“, sagt Markus Betz.

Obwohl Marius nicht mehr da ist, lebt sein Vermächtnis nun weiter: Denn seine Eltern Markus und Dorothee Betz organisieren mit dem gleichnamigen Verein die DGM-Sternfahrt zugunsten der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke zum achten Mal.

Am Samstag und Sonntag, 8. und 9. September, steigt in Oberbillig ein Volksfest mit Musik, Showeinlagen und einer Motorradrundfahrt als Höhepunkt zugunsten der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM). Durch die bisherigen Sternfahrten hat der Verein 102 000 Euro für den guten Zweck eingespielt. Und laut Betz könnte es dieses Jahr noch mehr werden: „Wir werden gerade von Hilfsbereitschaft überrollt“, sagt der Oberbilliger.

Der Grund für die große Unterstützung ist offensichtlich der Tod von Marius, der viele Menschen berührt hat. Doch der Verlust hat Familie Betz schwer getroffen. Als der 51-jährige Familienvater über die Zeit nach dem Tod von Marius spricht, schießen ihm die Tränen in die Augen: „Teilweise war es schwierig“, sagt er. Er denke aber, dass seine Familie alles richtig gemacht habe. Vor allem, dass sie Marius trotz der schweren Krankheit ein Leben zu Hause ermöglicht habe. Das habe in erster Linie seine Frau ermöglicht: „Das, was sie geleistet hat, kann man sich gar nicht vorstellen.“ Nach dem Tod ihres Kindes brauchten Markus und Dorothee Betz eine zweimonatige Auszeit. Ihre Arbeitgeber, ein Elektronikfachmarkt in Luxemburg und eine Kita in Trier, haben sie dabei unterstützt – wie schon so oft vorher, erzählt Markus Betz. Anfang des Jahres hat das Paar dann neue Kraft geschöpft. „Wir müssen da raus aus dem Loch“, hätten sie einvernehmlich gesagt, erzählt Markus Betz. Er habe an Marius gedacht, der zu ihm immer gesagt habe: „Papa, du bist das fleißige Sternfahrt-Bienchen.“ Dann habe er mit der Planung für die Benefiz-Veranstaltung begonnen.

„Marius hat sich immer auf die Sternfahrt gefreut“, sagt Betz. „Er wollte immer, dass Oberbillig bebt.“ Das könnte auch passieren, wenn am Sonntag, 9. September, Hunderte Motorradfahrer gleichzeitig zu Ehren von Marius ihre Motoren aufheulen lassen. Das Motto der diesjährigen Tour ist: „You’ll never walk alone“ (zu Deutsch: Du wirst nie alleine gehen). Natürlich bezieht es sich auf Marius.

Laut Markus Betz war der gleichnamige Song das Lieblingslied seines Sohnes: „Das Lied wurde auch bei seiner Beerdigung gespielt“, erzählt der 51-Jährige. Marius war ein großer Fußballfan. Er habe auch den FC Liverpool gemocht, sagt sein Vater. Und Liverpool-Fans haben „You’ll never walk alone“ zur Fußballhymne gemacht. Die Lieblingsmannschaft von Marius war aber der 1. FC Kaiserslautern. Nach dem Tod eines Freundes sei er auch Fan von Schalke geworden.

Bei der DGM-Sternfahrt wird der Musiker Miloud Rabah „You’ll never walk alone“ auf der Bühne singen, bevor die Motorräder losfahren. „Das wird der emotionalste Moment“, sagt Betz. Ähnlich emotional wird wohl auch der Auftritt der Leiendecker Bloas, Marius’ absoluter Lieblingsband.

Die Trierer spielen zum siebten Mal bei der DGM-Sternfahrt. Früher hat Marius sie selbst angesagt. 2014 habe er das sogar mit seiner Atemmaske nach einer überstandenen Lungenentzündung gemacht, erinnert sich Betz. Heute muss der 51-Jährige diesen Job übernehmen.

Wie die anderen Musiker und Künstler verzichtet die Leiendecker Bloas auf ihre Gage. Sogar das Feuerwerk werde zugunsten der DGM gespendet, sagt Betz. Der 51-Jährige ist auch froh über die Unterstützung aller Oberbilliger Vereine, deren Mitglieder Standdienste und andere hilfreiche Aufgaben übernehmen.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist wieder Schirmherrin, aus terminlichen Gründen wird sie vor Ort durch den SPD-Landtagsabgeordneten Lothar Rommelfanger vertreten. Schon jetzt sind mehr als 50 Sponsoren dabei. Auch die Gemeinde unterstütze die Sternfahrt, sagt Betz. So dürfe das Feuerwerk am Samstagabend zum Beispiel von der Fähre abgeschossen werden.

Die Sternfahrten und andere Veranstaltungen zugunsten der DGM will Betz weiter organisieren. So spricht er schon jetzt mit Begeisterung davon, dass Steven Pitman, einer der besten Elvis-Imitatoren Europas, 2019 in Oberbillig für den guten Zweck auftreten wolle.

Ob Betz sein Amt als DGM-Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz weiterführt, weiß er aber noch nicht. Es sei schwer für ihn, andere zu sehen, die an Muskelkrankheiten litten wie Marius. Krankheiten, die oft tödlich enden. Die Erinnerung an seinen Sohn ist dann allgegenwärtig. Zu Marius’ Grab geht Markus Betz zweimal täglich.