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Tiere
Die große Wühlerei der Wildschweine beginnt erst im Frühjahr

 So sieht eine Wiese am Morgen aus, wenn nachts eine Rotte Wildschweine aktiv war.
So sieht eine Wiese am Morgen aus, wenn nachts eine Rotte Wildschweine aktiv war. FOTO: Trierischer Volksfreund / privat
Schweich/Konz/Hermeskeil. In fast allen Teilen des Landkreises lösen die Schwarzkittel Ärger aus. Dabei werden  unterschiedliche Mittel als Gegenmaßnahmen eingesetzt. Von Albert Follmann
Albert Follmann

Im Kreis Trier-Saarburg haben Wildschweine in der Vergangenheit immer wieder größere Schäden verursacht. So sind Horden in Weinberge an der Mosel eingefallen, angelockt von  süßen Trauben. Zum Leidwesen der Winzer, die im Gegensatz zu Landwirten keinen Anspruch auf Schadenersatz haben, wenn die Schwarzkittel auf ihrem Grund und Boden wild gewütet haben.

Doch nicht nur im Frühjahr und Herbst, wenn der Gabentisch in Gärten, Wingerten und auf Feldern reichlich gedeckt ist, wagen sich Wildsäue aus dem Wald heraus. Auch im Winter suchen sie nach Nahrung. Mitte Dezember haben Tiere die Liegewiese des Ruwertalbads in Mertesdorf durchwühlt. Daraufhin wurde der Zaun ausgebessert und verstärkt. In Waldrach und Riveris streunten Wildschweine im vergangenen Jahr mitten durch die Orte.

Im Hochwald erregte ein Jäger Anfang 2018 Aufsehen. Er hatte sich einer ungewöhnlichen Methode bedient, um Wildschweine von Äckern, Wiesen und Feldern rund um Paschel (Verbandsgemeinde Saarburg-Kell) fernzuhalten. Der Jäger befestigte Beschallungsanlagen mit Lautsprechern an Hochsitzen. Die Anlagen spielten nachts und in den frühen Morgenstunden laute Geräusche ab – unter anderem Glockenläuten und Wolfsgeheul. Gegen diese nächtliche Ruhestörung protestierten Anwohner. Der Jäger rechtfertigte den Einsatz der Beschallung damit, dass er den Landwirten für die von Wildschweinen umgepflügten Felder finanzielle Entschädigungen zahlen müsse.

Helmut Lieser, Leiter des Forstamts Saarburg, sagt, dass in seinem Zuständigkeitsbereich in den Verbandsgemeinden Konz und Saarburg bisher keine größeren Schäden in Siedlungen gemeldet worden sind. Er erklärt das damit, dass es im Herbst viele Bucheckern und Eicheln gab, die immer noch im Wald herumliegen. Den Wildschweinen dienen sie als Nahrung. Allerdings handele es sich überwiegend um Kohlenhydrate. Diese müssten die Schweine irgendwann durch tierische Eiweiße ergänzen. Wenn es so weit sei, beginne die große Wühlerei. „Dann brechen die Wildschweine Wiesen auf, um nach Schnecken oder Würmern zu suchen“, sagt Lieser. Noch ist es jedoch nicht soweit.

 In früheren Jahren sah die Situation vor allem in der Stadt Konz anders aus. So hatten Wildschweine im September 2017 und Januar 2018 zum Beispiel den Waldfriedhof in Roscheid heimgesucht und durchwühlt. Danach wurden dort Tücher mit Duftstoffen gegen Wildschweine aufgehängt. Die Lage beruhigte sich. Im Januar 2017 haben Säue den Segelflugplatz in Könen komplett durchwühlt. Dort besserte der Aeroclub den Elektrozaun um das Gelände nach, so dass es nicht mehr zu Problemen kam.

 Laut dem Konzer Revierförster Martin Bee heißt die bisherige Ruhe nicht, dass es nicht mehr zu Wildschäden kommt. Das könne jederzeit im Frühjahr noch passieren – dann, wenn die schweinische Lust auf Eiweiße erwacht.

Der Hermeskeiler Förster Jörg Clemens sagt, dass Wildschweine im Stadtgebiet in Hermeskeil kein Problem seien, weil die Tiere dort gar nicht so nah an die Wohngebiete herankämen. „Es gibt für sie kaum Verstecke oder Rückzugsmöglichkeiten.“ Wie die Kreisverwaltung mitteilt, wurden im Jagdjahr 2017/2018 im Kreis Trier-Saarburg 6170 Stück Schwarzwild geschossen. Das sind wesentlich mehr als im Jagdjahr davor (4262 Stück). Im laufenden Jagdjahr zeichnet sich laut Kreissprecher Thomas Müller ein Rückgang der Abschusszahl ab, jedoch sei die Hauptjagdzeit noch im Gange.

Wie sich die Situation in Trier darstellt: Wohnzimmer für Wildschweine