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Interview
„Sinnvoll, Flüchtlinge in Konz unterzubringen“

Die Newscomer Ayad Lateef und Jamal Kanaan im Interview mit Joachim Weber.
Die Newscomer Ayad Lateef und Jamal Kanaan im Interview mit Joachim Weber. FOTO: Nathalie Hartl / TV
Konz. Das Thema Migration beschäftigt die Stadt Konz. Die beiden TV-Newscomer, die selbst geflüchtet sind, haben mit dem Konzer Bürgermeister Joachim Weber über Pläne und Herausforderungen gesprochen. Von Ayad Lateef und Jamal Kanaan

Zahlreiche Menschen sind nach Deutschland geströmt, um Bomben und Gewehren zu entkommen. Auch in Konz sind einige von ihnen gelandet (siehe Info). Hier haben sie sich entweder niedergelassen oder warten darauf, anerkannt zu werden. Die beiden TV-Newscomer Jamal Kanaan und Ayad Lateef haben den Bürgermeister der Stadt und Verbandsgemeinde Konz, Joachim Weber (CDU), interviewt.

Ist Konz mit der Zahl der Flüchtlinge überlastet?

Joachim Weber: Ich denke, dass wir noch Kapazitäten haben. Es ist sinnvoll, die Flüchtlinge in Konz unterzubringen: Von hier fahren Züge und Busse. Nicht alle kleineren Gemeinden sind so gut angebunden. Zudem kümmert sich die Caritas hier in Konz um die Flüchtlinge.

Wie ist denn die Wohnsituation der Menschen?

Weber: Wir haben ein Wohnheim. Außerdem haben wir für die Flüchtlinge Hotels angemietet und Containeranlagen gebaut. Wir können nicht für jede Flüchtlingsfamilie eine Wohnung anmieten. Das hängt unter anderem auch mit dem Status der Flüchtlinge zusammen: Ist jemand anerkannt oder nicht?

Ansonsten ist der Wohnungsmarkt in Konz insgesamt schon eher dünn. Es gibt kaum freie Wohnungen – nicht nur für Flüchtlinge, auch für Einheimische. Es gibt jedoch zwei Initiativen, mit denen der Wohnungsbau angestoßen werden soll.

Finden die Flüchtlinge in Konz Arbeit?

Weber: Von Anfang an haben wir versucht, die Leute zu beschäftigen, damit sie sich ein bisschen etwas dazuverdienen können – beispielsweise kleine Hilfsarbeiten beim städtischen Bauhof oder bei der Stadtreinigung. Wir haben aber keine freien Stellen für eine feste Beschäftigung. Im Sozialamt haben wir eine Vollzeitstelle eingerichtet, ein zweiter Flüchtling arbeitet auf Minijob-Basis im Rathaus.

Wie sieht es mit der Kriminalität aus? Machen die Flüchtlinge da Probleme?

Weber: Das kann ich nicht sagen. Es gibt Einzelfälle, beispielsweise der Messerangreifer, über den auch der TV berichtet hat (TV vom 22. Februar: „Selbsternannter Pharao muss in ein psychiatrisches Krankenhaus“). Aber das waren psychisch kranke Menschen.

Kommt die Integration in Konz voran?

Weber: Es gibt mehrere Vereine und Organisationen, die sich für die Integration engagieren. Sie kümmern sich intensiv um die Leute. Ein Beispiel: Der Konzer Sportverein lädt die Flüchtlingskinder zum Fußballtraining ein und hilft im Anschluss bei den Schulaufgaben. Die Caritas schult ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. Die Volkshochschule organisiert Sprachkurse. Es gibt viele Initiativen. Man darf nicht vergessen, dass Konz seit jeher eine Stadt ist, in der Menschen aus über hundert verschiedenen Ländern leben – auch unabhängig von der Flüchtlingskrise.

Wie ist die Stimmung gegenüber den Flüchtlingen in Konz?

Weber: Es gab zwei fremdenfeindliche Aktionen in Konz, bei denen die Identitäre Bewegung Banner mit fremdenfeindlichen Botschaften aufgehängt hat. Ansonsten habe ich keine aktive Fremdenfeindlichkeit beobachten können. Ich würde sagen, dass das Thema in Konz mit wenigen Emotionen behaftet ist. Die Berührungspunkte zwischen Einheimischen und Flüchtlingen gibt es vor allem dann, wenn die Leute sich aktiv in der Integration engagieren. Die anderen würde ich als „neutral“ einschätzen. Solche Sätze wie „Das ist ein Flüchtling, mit dem möchte ich nichts zu tun haben“, habe ich noch nicht gehört.

Was bedeutet Integration für Sie? Was umfasst das alles?

Weber: Ich habe bereits Beispiele genannt: Den Sportverein, die Caritas. Außerdem gibt es Organisationen, die durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“ unterstützt werden. Das Jugendnetzwerk in Konz hat viele Projekte gestartet.

Aber nicht jeder Flüchtling ist dazu bereit, aktiv an etwas teilzunehmen. Die Integration ist keine Einbahnstraße. Es muss passen – und es passt eben nicht immer. Das hat aber nichts mit der Thematik Flüchtlinge zu tun, das hat mit der Thematik Mensch zu tun. Nicht alle Menschen passen zusammen. Aber Möglichkeiten zur aktiven Integration haben wir in Konz.

Wie sieht der Blick in die Zukunft aus?

Weber: Integration wird ein Thema bleiben – ein schwieriges Thema. Sie ist mit viel Aufwand, Enthusiasmus und Engagement verbunden. Die guten Ansätze der bestehenden Projekte müssen noch mehr unterstützt werden, um zu gewährleisten, dass sie eine gewisse Nachhaltigkeit haben. Es bringt nichts, wenn eine Maßnahme nur sechs Wochen läuft und dann endet.

Herr Weber, seit Januar sind Sie Bürgermeister in Konz. Was möchten Sie in Bezug auf das Thema Flüchtlinge anders als Ihr Vorgänger, Karl-Heinz Frieden, machen?

Weber: Ich war zuvor bereits neun Jahre lang stellvertretender Bürgermeister – was bisher passiert ist, ist also eng vernetzt mit mir passiert. Ich bin nicht der, der alles nur weiter macht, weil es bisher so war. Aber was bisher im Bereich der Integration passiert ist, war ganz gut. Durch das Programm „Demokratie leben“ haben wir auch die finanziellen Mittel, um mehr tun zu können. Das Geld wäre aus dem laufenden Haushalt der Stadt nicht finanzierbar gewesen. Wir haben viele Ehrenamtliche und Freiwillige gefunden, die sich auf das Neue eingelassen haben, und das wollen wir fortsetzen.

Wie schätzen Sie als CDU-Politiker die deutsche Asylpolitik im Allgemeinen ein?

Weber: Die Asylpolitik war innerhalb von ganz kurzer Zeit eine große Herausforderung. Angela Merkel hat sich gegen Widerstände verschiedenster Art gewehrt. Sie war überzeugt von ihrem Weg und ist ihn stringent gegangen. Jetzt, wo der Flüchtlingsstrom etwas abgeebbt ist, kann sich noch mal etwas ändern. Gerade jetzt, in der neuen großen Koalition, kann Bewegung in die Asylpolitik kommen. Ich denke, Frau Merkel hat mit ihrer Position mit dafür gesorgt, dass es eine große Bereitschaft in Deutschland gab, diese Menschen aufzunehmen.

Interview: Jamal Kanaan und Ayad Lateef

Das Projekt Newscomer, an dem verschiedene Lokalzeitungen in ganz Deutschland mitwirken, gibt geflüchteten Journalisten die Möglichkeit, ihre Perspektiven auf die Region zu schildern. Ayad Lateef aus dem Irak und Jamal Kanaan aus Syrien leben beide in Konz und schreiben für den TV. Mehr auf www.volksfreund.de/thema/newscomer/

Die Newscomer Ayad Lateef und Jamal Kanaan im Interview mit Joachim Weber.
Die Newscomer Ayad Lateef und Jamal Kanaan im Interview mit Joachim Weber. FOTO: Nathalie Hartl / TV
Joachim Weber.
Joachim Weber. FOTO: Nathalie Hartl / TV
Die Newscomer Ayad Lateef und Jamal Kanaan.
Die Newscomer Ayad Lateef und Jamal Kanaan. FOTO: Nathalie Hartl / TV
Bürgermeister Joachim Weber beim Gespräch mit den Newscomern.
Bürgermeister Joachim Weber beim Gespräch mit den Newscomern. FOTO: Nathalie Hartl / TV
Die Newscomer Ayad Lateef und Jamal Kanaan vor dem Konzer Rathaus.
Die Newscomer Ayad Lateef und Jamal Kanaan vor dem Konzer Rathaus. FOTO: Nathalie Hartl / TV