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Dorffest mit großer Ausstrahlung

Nittel. Die Nitteler Tage der offenen Keller locken Besucher aus ganz Deutschland an die Obermosel. Das hat gute Gründe. Jürgen Boie

Nittel Schon zum 27. Mal gehen die Nitteler Tage der offenen Keller über die Bühne. Die Traditionsveranstaltung hat sich dabei ihre Frische und Attraktivität bewahrt. Das beweisen die vielen Besucher, die zum Teil seit 20 Jahren und mehr immer wieder zu den Kellertagen nach Nittel kommen.
Ist es der Wein? Ist es die Landschaft? Ist es das Konzept der Veranstaltung? Lutz Hellwig ist jemand, der eine Antwort wissen könnte. Der Mann aus Sachsen-Anhalt kam mit seiner Frau 1995 zum ersten Mal zu den Nitteler Kellertagen, wie sie in der Kurzform genannt werden. "Damals stand im Winzerhof Greif noch der Traktor in der Scheune, drum herum ein paar Bierbänke und Plastikstühle - das war's!", erinnert sich Hellwig. In diesem Jahr hat er Freunde aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen mitgebracht: "Die Freunde sind auch schon ,Wiederholungstäter'."
Dass das Urige aus der Anfangszeit der Kellertage weitgehend verschwunden ist, bemerkt nicht nur die 14-köpfige Gruppe aus Deutschlands Osten. Ralf Schmitt aus Frankfurt kommt ebenfalls schon seit mindestens 15 Jahren zu den Kellertagen nach Nittel. Seine Großeltern sind noch waschechte Nitteler, er selbst wurde aber in der Mainmetropole geboren und lernte Nittel durch die Besuche bei Oma und Opa kennen.
Der Freundeskreis, mit dem er die Aussicht von der Panoramahütte oberhalb des Dorfes genießt, zählt 15 Frauen und Männer. Schmitts persönlicher Favorit ist das Weingut Befort. "Und zum Abschluss gönnen wir uns jedes Jahr noch eine Klappschmier bei Steffen Richter", erzählt der Frankfurter gut gelaunt. Sein einziger Vorschlag zur Verbesserung der Veranstaltung: "Die Weingüter könnten vielleicht in jedem Jahr eine neue Speise auf ihre Karte setzen."
Im Weingut Steffen Richter gibt es in der Tat seit Jahren nur Schinken-Käse-Toast mit und ohne Knoblauch. "Meine Küche ist viel zu klein, um zu kochen oder zu braten", sagt der Winzer, der so gewissermaßen noch die "früheren Kellertage" repräsentiert.
Richter produziert auf lediglich 0,8 Hektar Rebfläche verschiedene Weine, die alle in den Direktverkauf gehen. Für ihn sind die Kellertage die beste Möglichkeit, seinen Wein vorzustellen und neue Kunden zu gewinnen.
Dem Weingut Karl Sonntag gelingt der Spagat zwischen uriger Atmosphäre, echter Hausmannskost und modernen Bio-Weinen, finden Barbara Männle und ihre Freundinnen Sabine Fronemann und Barbara Baudendistel aus dem Schwarzwald. "So etwas wie Mehlknödel mit Specksoße und Apfelmus habe ich noch nie gegessen", sagt Fronemann, Verlagsangestellte aus Offenburg. Die drei Freundinnen genießen bei herrlichem Sonnenschein das besondere Ambiente im liebevoll gestalteten Innenhof.
Der Erfolg der Veranstaltung hängt aber, und da sind sich alle Besucher einig, wesentlich von der Qualität der Weine ab. In diesem Bereich hat sich in Nittel in den 27 Jahren, seit es die Tage der offenen Keller gibt, viel getan. Mit der Qualitätssteigerung im Weinbau einher ging die Professionalisierung in der Gastronomie. Dass Nittel damit richtig liegt, beweisen die Besucher. "Wir kommen nächstes Jahr wieder", versprechen Schmitt und Hellwig stellvertretend für ihre Gruppen.