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Echte Freunde, im europäischen Geist vereint

FOTO: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"
Wellen/Grevenmacher. Napoleon und Fürst Metternich geben sich 200 Jahre nach dem Wiener Kongress in Grevenmacher die Hand. Die beiden sind sich hier zwar nie begegnet, aber sie treffen sich symbolisch an der Mosel beim Nachbarschaftsfest des luxemburgischen Grevenmacher mit der deutschen Gemeinde Wellen. Das erste Nopeschfest festigte die Freundschaft der beiden Moselorte noch mehr. Herbert Thormeyer

Echte Freunde kann niemand trennen, nicht einmal Napoleon. Das haben Grevenmacher und Wellen mit ihrem Nopeschfest bewiesen, bei dem der Franzosenkaiser auf Preußenfürst von Metternich traf. Die gemeinsame Geschichte wurde von Kulturschöffin Monique Hermes in einem Szenenspiel aufbereitet.Fast 300 Menschen von diesseits und jenseits der Mosel verfolgten die Geschichtsstunde. Richtig echt wirkten die acht Darsteller in historischen Kostümen der Grevenmacher Theatergruppe. Grevenmachers Bürgermeister Léon Gloden sieht in dem Fest bereits den zweiten Schritt für noch mehr Annäherung: "Die neue Moselbrücke ist ein ebenso wichtiges verbindendes Element."
Richtig getrennt, so Kulturschöffin Hermes, seien die Partner sowieso nur während des Krieges gewesen. Davor und danach lebten und arbeiteten die Familien an beiden Moselufern. Bis in die 1950er Jahre verband eine Lastenseilbahn die beiden Kalkwerke.
Drei Monate lang wurde die symbolische Wiedervereinigung im Schatten von St. Laurentius mit geschichtlich fundierter Information von Hermes und Aly Gary vorbereitet, der auch für Integration zuständig ist. Napoleon trat, dargestellt von Marc Weyer, sehr selbstbewusst auf, um dem Volk in der Fußgängerzone die Beschlüsse des Wiener Kongresses von vor 200 Jahren zu verkünden. Damals wurde die Mosel 1815 zum Grenzfluss.
"Napoleon auf dem Gipfel seiner Macht darzustellen, ist schon ein Spektakel", sagt Weyer. Er persönlich habe nichts Despotisches an sich. "Es ist super, einmal Metternich zu sein", sagt Matthias Kinn.
Musikalisch unterstützt wurde das Szenenspiel von den Musikvereinen beider Partner, dirigiert von Dirk Dostert und Volker Biewer, was der Vorführung einen besonderen Glanz verlieh.
"Die Wellener sind Nachbarn, keine Ausländer", betont Léon Gloden, der Bürgermeister von 4850 Einwohnern aus 63 Nationen ist. 43 Prozent beträgt die Ausländerquote in Grevenmacher.
"Wien ging vor 200 Jahren als der tanzende Kongress in die Geschichte ein", stellt der Wellener Ortschef Hans Dostert fest, und fügt hinzu: "Die hätten besser mal nachgedacht, was sie mit dieser Trennung anrichten, als zu tanzen."
Ganz praktische Auswirkungen soll die Freundschaft haben. Grevenmacher und Wellen wollen beispielsweise bessere Lösungen im Pendelverkehr über die Brücke und beim Parkplatzproblem erarbeiten. 15 000 Autos überqueren täglich die Mosel. "Meine Kinder wachsen in Europa auf", erklärt Ulrich Ortmann aus Wellen, der zum Fest nach Grevenmacher gekommen ist. Für den Feuerwehrmann ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit seinen Luxemburger Kameraden längst Alltag. Marie-Jeanne Braun aus Grevenmacher freut sich über die Geschichtsstunde: "Gut, dass wir uns erneut bewusst machen, dass wir alle Europäer sind."
Nach dem Nopeschfest waren die Grevenmacher Portugiesen am späten Nachmittag mit dem Feiern an der Reihe.

200 Jahre nach dem Wiener Kongress trwffen sich der Preußenfürst von Metternich (Matthias Kinn) und der Franzosenkönig Napoleon I. (Marc Weyer, rechts) doch noch in Grevenmacher. TV-Fotos (4): Herbert Thormeyer
200 Jahre nach dem Wiener Kongress trwffen sich der Preußenfürst von Metternich (Matthias Kinn) und der Franzosenkönig Napoleon I. (Marc Weyer, rechts) doch noch in Grevenmacher. TV-Fotos (4): Herbert Thormeyer FOTO: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"
Napoleon I. (Marc Weyer) erklärt den Grevenmachern die Trennung von Wellen. Kulturschöffin Monique Hermes hat die mehr als 600 Jahre gemeinsame Geschichte in Szene gesetzt (Bild unten links).
Napoleon I. (Marc Weyer) erklärt den Grevenmachern die Trennung von Wellen. Kulturschöffin Monique Hermes hat die mehr als 600 Jahre gemeinsame Geschichte in Szene gesetzt (Bild unten links). FOTO: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"
Es wird eng auf der Bühne: Die Musikvereine von Grevenmacher und Wellen untermalen die szenische Darstellung der gemeinsamen Geschichte musikalisch (unten rechts).
Es wird eng auf der Bühne: Die Musikvereine von Grevenmacher und Wellen untermalen die szenische Darstellung der gemeinsamen Geschichte musikalisch (unten rechts). FOTO: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"