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Historie
Wo Fürsten nur im Wald arbeiten

Der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden stellt zusammen mit Autor Rudolf Molter die Neuauflage des Buchs "Die Straßennamen der Stadt Konz" vor.
Der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden stellt zusammen mit Autor Rudolf Molter die Neuauflage des Buchs "Die Straßennamen der Stadt Konz" vor. FOTO: Christian Kremer
Konz. Der Konzer Ehrenbürger Rudolf Molter hat ein Mammutwerk vollendet. Die Neuauflage seines Buchs über die Straßennamen in der Saar-Mosel-Stadt ist fertig – und es birgt so manche Überraschung.
Christian Kremer

Ich kümmere mich beim Trierischen Volksfreund seit 2010 um die Konzer Ausgabe. Vorher habe ich ein Volontariat in der Redaktion absolviert und in Trier Germanistik, Politik- und Medienwissenschaft studiert. Mir ist es besonders wichtig, im Dialog mit den Lesern zu sein. Wer Anregungen hat, kann sich jederzeit an mich wenden. Erreichbar bin ich per E-Mail an c.kremer@volksfreund.de

Wer sich in der Fürstenhofenstraße fürstlich fühlt, der irrt. Denn der Name der kleinen Straße im Konzer Stadtteil Niedermennig komme keineswegs von honorigen Anliegern, sagt Rudolf Molter. Der Niedermenniger Fürst sei nicht adelig, sondern vom Förster, mundartlich Fierschder, abzuleiten. Der Fürstenhof ist also kein Ort, an dem sich der mittelalterliche Adel versammelt hat. Er ist auf einen Forsthof zurückzuführen.

Die Geschichte der Niedermenniger Straße hat der Konzer Ehrenbürger Rudolf Molter schon in einem Aufsatz fürs Kreisjahrbuch 2017 aufgedröselt.  Den entscheidenden Hinweis hat er in einer mittelalterlichen Urkunde gefunden – im Rahmen einer größeren Recherche zu Konzer Straßennamen. Die Fürstenhofstraße ist für ihn immer noch sein Lieblingsbeispiel dafür, wie sehr Straßennamen die Stadtgeschichte widerspiegeln. Deswegen beschäftigt sich der Hobbyhistoriker seit mehreren Jahrzehnten damit.

1984 hat er die Erstauflage von „Die Straßennamen der Stadt Konz“ veröffentlicht. Seitdem hat Molter das Thema nicht mehr losgelassen. Nun erscheint die zweite Auflage des Werks (siehe Info). Fast 300 Straßen sind darin erfasst und alphabetisch nacheinander aufgelistet. Zu jeder Straße hat Molter sprach- und heimatgeschichtliche Details gesammelt.

An dem Buch hat Molter in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gearbeitet – im vergangenen Jahr besonders intensiv. Nun weiß er zum Beispiel, dass die meisten der Konzer Straßen (26,6 Prozent, 78 Straßen) nach alten Flurnamen benannt sind. 19,8 Prozent (58) sind auf Eigennamen zurückzuführen. Weitere Namensquellen sind Landschaften,  Geistliche Herrschaften oder Orden, Tiere, Berufe oder Städte. Dass bei einem verheerenden Luftangriff auf Konz am 11. Mai 1944  das damalige Rathaus in der Konstantinstraße zerstört wurde, verkompliziert seine Recherche. Mit dem Gebäude gingen etliche Akten und Dokumente verloren. Molter muss deshalb andere Quellen erschließen – zum Beispiel Akten und Urkunden aus dem Landeshauptarchiv in Koblenz. Der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden schätzt die Forschungen des Konzer Ehrenbürgers Molter sehr. Denn Molter bringt sich, seit er in Konz wohnt, bei der Namensgebung für Straßen ein – zuletzt bei den neuen Straßen im Wohngebiet Pferdsgarten in Könen. Wie viele Namen auf seine Vorschläge zurückzuführen sind, können weder die Konzer Verwaltung noch Molter selbst genau beziffern. Der Konzer Chronist weiß aber, dass immer noch einige Straßennamen fehlen.

Die Stadt müsste aus seiner Sicht zum Beispiel noch einen Halfenweg haben, benannt nach den gleichnamigen Kleinbauern an der Saar. Sie haben früher eine wichtige Rolle bei der Saarschifffahrt gespielt: Mit ihren Pferden haben sie die Schiffe flussaufwärts gezogen. Deswegen verdienen sie aus Sicht des Chronisten einen eigenen Straßennamen in Hamm, Filzen oder Könen. Unterrepräsentiert sieht Molter auch die Volksgruppen: Es gebe in Konz zwar eine Römerstraße, aber Kelten, Franken oder Merowinger bekämen diese Ehre nicht. Auch eine Matthiasstraße in Obermennig oder Krettnach oder eine Mettlacher Straße in Niedermennig fehlen aus Sicht des Hobbyhistorikers. So könnten die Stadtteile auf die früheren Klosterzugehörigkeiten verweisen.

Bei der Vorstellung seines Buchs witzelt Molter, dass er sich nun zur Ruhe setzen könne, wo er dieses Mammutwerk abgeschlossen habe. Im gleichen Atemzug kündigt er aber schon einen Aufsatz mit neuen Erkenntnissen an: Das Wappen der Verbandsgemeinde, ein fünfzweigiger Baum, habe ihn auf eine Spur zu einem französischen Konz (Cons) geführt. Mehr will er aber noch nicht verraten.