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Ein Abend, der die Seele streichelt

FOTO: Dirk Tenbrock (DT) ("TV-Upload Tenbrock"
Kanzem. Der Grandseigneur der deutschen Moderatoren Günther Jauch und Mosel Musikfestival-Impressario Hermann Lewen haben zum weinseligen Konzert mit der Trombone Unit in den wunderbaren Garten des Weingutes Von Othegraven in Kanzem eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein war ein Riesenerfolg garantiert. Dirk Tenbrock

Kanzem. Das Glück ist mit denen, die sich eine der 120 Eintrittskarten für das "Vivat Bacchus"-Konzert sichern konnten, auch die Zusatzveranstaltung - aufgrund der großen Nachfrage beim Mosel Musikfestival - ist in Windeseile ausverkauft. Wann bekommt man schon einmal Gelegenheit einen wahren Fernsehstar und seine Weine im zauberhaften Ambiente des Gutes und seines beeindruckend schlicht-schönen Parks hautnah zu erleben? Jauch ist ein Zugpferd par excellence, ganz klar; klar ist aber auch, dass das von ihm vor sechs Jahren von seiner Tante Heidi Kegel übernommene Weingut Von Othegraven seine eigenen, unwiderstehlichen Reize hat.
Das fängt mit der riesigen, sattgrünen Rasenfläche an, auf der exotische Büsche und imposante alte Bäume stehen. Im Hintergrund, vor dem klassizistischen Gutshaus, reckt sich der längste zusammenhängende Weinberg Europas, der Kanzemer Altenberg, mit 66 Prozent Steigung gen Himmel. Alle historischen , vinologischen und botanischen Details hat Günther Jauch parat und teilt sie in seinen persönlichen Moderationen mit den Zuschauern.
Für den musikalischen Part hat der designierte Intendant des Mosel Musikfestivals, Tobias Scharfenberger, die Trombone Unit aus Hannover verpflichtet, neun junge Posaunisten, die gemeinsam studiert haben und nun in Orchestern deutschlandweit engagiert sind. Sie schlagen einen musikalischen Bogen zwischen Mittelalter und Moderne, barocke Klänge, Chansons von Debussy und beeindruckend schön gespielte schwedische Lieder, arrangiert vom schwedischen Band-Mitglied Lars Karlin.
Dazu werden sieben Weine der Jahrgänge 2013-2015 des Gutes serviert, der spritzige Aperitif ist der Haus-Sekt. Die Palette schmeckt den Besuchern vorzüglich, als Favoriten gelten die neuerdings wieder sehr gefragten restsüßen Weine, bei denen der spürbare Restzucker die stahligen und mineralischen Saar-Säuren abpuffert. Als herzhafte Grundlage dient ein Vesperteller von Caterer Jörg Linden aus Ayl. Damen im kleinen Schwarzen schweben in hochhackigen Schuhen elegant über den Rasen, die Herren kommen leger und ohne Schlips daher, Pullover und Jacken können aufgrund des tollen Spätsommers zu Hause bleiben. Hier hat sich die Vorverlegung des Termins auf 18 Uhr bewährt. Die Besucher lassen die Seele baumeln, alle sind entspannt und - wie Jauch anmerkt - im Schein der Kerzen vor dem erleuchteten Gutshaus "ein bisschen glücklich".
Das sei auch der Grund warum der RTL- und ARD-Moderator solche Events gern veranstaltet: "Ich möchte meine Freude teilen und diesen großartigen und historischen Schatz auch anderen Menschen zugänglich machen." Das glaubt man dem bodenständigen und ehrlich sympathischen Superstar aufs Wort.
Er bleibt bescheiden und souverän, selbst wenn eine Verehrerin ihm mitteilt, dass sie nur wegen ihm und nicht wegen der Musik oder der Weine gekommen sei. Dabei ist auch die Darbietung der Trombone Unit ein seltener Leckerbissen, virtuos und mit einer Portion Humor beherrschen die Männer ihr Repertoire und zeigen alle Möglichkeiten auf, die die Posaunen zu bieten haben. Bis nach Kanzem auf der anderen Saarseite ist die Musik zu hören, wenn es knallig oder strahlend wird; quasi ein Gratis-Genuss für die von Jauch sehr geschätzten Nachbarn.
Ein kontemplativer Abend, der für strahlende Gesichter und ausschließlich positive Kommentare bei Publikum und Veranstaltern sorgt.

Moderator und Winzer Günther Jauch genießt das Konzert in seinem Garten.
Moderator und Winzer Günther Jauch genießt das Konzert in seinem Garten. FOTO: Dirk Tenbrock (DT) ("TV-Upload Tenbrock"