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Eine Rarität auf vier Rädern

Joseph Schmitt und Sabine Poster im Cockpit des MAF. Das Auto ist vermutlich das einzige noch existierende Exemplar. TV-Foto: Klaus D. Jaspers
Joseph Schmitt und Sabine Poster im Cockpit des MAF. Das Auto ist vermutlich das einzige noch existierende Exemplar. TV-Foto: Klaus D. Jaspers
Konz. Er ist fünf Jahre jünger als Joopi Heesters, trägt den weitestgehend unbekannten Namen MAF und singt nicht. Der Wagen beschäftigt seinen Eigner Joseph Schmitt aus Echternacherbrück in (fast) jeder freien Minute. MAF ist sein Auto, mit dem Schmitt wie 300 andere Automobilfans zum Oldtimer-Treffen beim Konzer Heimat- und Weinfest gekommen ist.

Konz. Joseph Schmitt ist gelernter Feinmechaniker. Und er nennt einen besonderen Schatz sein Eigen. Vor rund drei Jahren entschied er sich für den betagten MAF, obwohl er bereits eine Sammlung von automobilen Oldtimern besaß.
Von einem MAF hatte er wie auch die meisten anderen Oldtimer-Anhänger noch nichts Konkretes gehört, aber allein der Name war für Schmitt interessant genug, sich näher mit dem Ding zu beschäftigen. Der Name ist eine Abkürzung für "Markranstädter Automobilfabrik". Markranstädt ist ein rund zehn Kilometer von Leipzig entfernt liegender Ort. Und dort wurden etwa 14 Jahre lang Automobile gebaut.
Die sahen schon damals, kurz nach der Jahrhundertwende (1909 bis 1923) zwar sehr flott, aber nicht gerade mitreißend aus: Aus Sperr- und anderem Holz gefertigt, mattgrau angestrichen, konnten sie die wenigen zeitgenössischen Automobilisten nicht lange überzeugen.
Einige wenige Exemplare überdauerten zwei Weltkriege. Eines ist in einem Museum in Mülhausen (Frankreich) zu sehen, zwei besitzt die Stadt Markranstädt. Und noch ein weiteres Auto, von dem man etwas weiß, ist der Zweisitzer von Joseph Schmitt, der die überwiegend hölzernen Karosserie-Überreste in Kisten verpackte, die Metallteile einsammelte und alles nach Echternacherbrück holte, wo er sich ans Restaurieren machte. Wie viele Arbeitsstunden der Besitzer einiger Oldtimer in den MAF investierte, weiß er nicht. Schmitt: "Wenn man alle per Taschenrechner aufaddieren würde, reichte die Anzahl der Stellen vermutlich nicht aus." Seine Lebensgefährtin Sabine Poster bringt Verständnis für das zeitintensive Hobby auf. Schmitt hat seinen MAF gut in Schuss gehalten. Das mausgraue Gefährt mit leichten Anklängen von Stromlinien in der sperrhölzernen Karosse benötigt zwar oft, wie auch beim Konzer Oldtimertreffen, zwei Startversuche, natürlich mit der Handkurbel. Aber dann kann er losknattern und unter anderem Bürgermeister Karl-Heinz Frieden und dessen Frau auf eine Probefahrt mitnehmen. kdj