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Erste Schwimmübungen für neue Oberbilliger Fähre

So soll die neue Sankta Maria aussehen. Grafik: Büro Buchloh
So soll die neue Sankta Maria aussehen. Grafik: Büro Buchloh FOTO: (h_ko )
Oberbillig/Stralsund. Der heutige Freitag bringt ein denkwürdiges Ereignis für die Obermosel mit sich: In Stralsund wird das neue Elektroschiff, das künftig über den Fluss pendelt, erstmals zu Wasser gelassen. Friedhelm Knopp

Anstrengende Schlusswochen erlebt die alte Fähre Sankta Maria, die seit fast 50 Jahren Oberbillig mit der luxemburgischen Nachbargemeinde Mertert-Wasserbillig verbindet. Durch Straßenbaustellen auf beiden Moselseiten sind derzeit die Verbindungen zwischen Deutschland und Luxemburg stark eingeengt, und Scharen der zigtausend staugeplagten Berufspendler nutzen täglich die Fähre, um die Engpässe zwischen Igel und Trier-Zewen sowie in Temmels zu umfahren. So einen Ansturm hatte das alte Dieselschiff zuvor nur in den Monaten des Brückenneubaus Wellen/Grevenmacher erlebt.

Doch die Nachfolgerin in der Stralsunder Formstaalwerft steht nach mehreren Monaten Bauzeit kurz vor der Fertigstellung. Das vom Schiffbaubüro Buchloh in Unkel/Rhein konzipierte Schiff ist die erste vollelektrisch betriebene Flussfähre der Welt. Diesel in den Tank, das war einmal. Stattdessen kommt die Neue abends an die Steckdose, um ihre zwei mächtigen Batterien aufzuladen. Die Kosten von 1,7 Millionen für den Neubau teilen sich je zur Hälfte die Gemeinden Oberbillig und Mertert. Hinzu kommt ein Zuschuss von 600 000 Euro aus der Interreg-Förderung.

Ursprünglich sollte der Elektroflitzer die alte Sankta Maria schon Anfang November 2017 ablösen. Geplant war am 3. November die Taufe des neuen Fahrzeugs auf den Namen "Sankta Maria II". Doch bis zur Namensgebung und Indienststellung des Schiffes wird es rund drei Wochen länger dauern. Der Oberbilliger Ortsbürgermeister Andreas Beiling geht nun von der Übergabe am 21. November aus. Die Schiffstaufe haben die Gemeinden Oberbillig und Mertert-Wasserbillig für den 25. November angesetzt. Doch bis dahin fließt noch einiges Wasser die Mosel hinunter.
Den historischen Augenblick der ersten Wasserung am heutigen Freitag wollten sich Beiling und einige Mitglieder des Ortsgemeinderats aber nicht entgehen lassen. Sie sind gestern eigens dazu nach Stralsund gereist. Die Vertreter aus Mertert mussten wegen der vorgezogenen Wahlen die Reise in den Norden absagen. In Stralsund wird heute aber kein klassischer Stapellauf geboten, sondern ein Kran hievt das Schiff ins nasse Element.

Wie es danach weitergeht, erklären auf Anfrage Formstaal-Projektleiter Ingo Schillinger und Pressesprecher Thomas Schwandt: Vom 20. bis 28. Oktober sind Testfahrten auf den Stralsunder Gewässern geplant. Verlaufen die positiv, folgt am 28. Oktober die Verladung auf einen Schubleichter. Das ist ein schwimmender antriebsloser Ladungsbehälter, der von einem Schiff geschoben werden muss. Der Transport über Kanäle und Flüsse von Stralsund an die Obermosel dauert dann rund zwei Wochen. Die Ankunft ist für den 12. November geplant. Auf der Mosel ist eine weitere Erprobungswoche erforderlich. Die behördliche Abnahme durch die Schiffs-Untersuchungskommission (SUK) Mainz folgt am 20. November, die Übergabe an die Gemeinde Oberbillig als Eignerin am 21. November.

Ortsbürgermeister Beiling sagt: "Noch sind technische Fragen offen. Zum Entladen des Schiffs am 12. oder 13. November sind zwei Schwerlastkräne erforderlich. Und dazu muss eine geeignete Stelle an der Mosel gefunden werden." Infrage kommen laut Beiling der Hafen Mertert oder Uferbereiche in Trier und andernorts. Oberbillig selbst scheide als Entladeort wahrscheinlich aus.Extra: Programm für die Einweihungsfeier

Das vorläufige Programm für den 25. November steht schon fest: Die Schiffstaufe auf den Namen "Sankta Maria II" erfolgt an der Anlegestelle Oberbillig. Anschließend geht es mit dem neuen Schiff auf die Wasserbilliger Seite, wo auf dem luxemburgischen Flaggschiff Prinzesse Marie-Astrid die offizielle Tauffeier stattfindet. Ortsbürgermeister Beiling teilt mit: "Zum ersten Termin hatte Ministerpräsidentin Malu Dreyer als Taufpatin zugesagt. Den neuen Termin kann sie nicht wahrnehmen. Daher sind wir noch auf der Suche nach einer anderen Taufpatin." Etwas profaner wird es am 26. Oktober bei der Vorstellung der neuen Ladestation am Oberbilliger Ufer zugehen. Gleich mitinstalliert hat der Stromanbieter RWE dann auf dem nahen Parkplatz eine Ladestation für Elektroautos und -fahrräder.