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Gastronomie
Fachkräftemangel im Nitteler Hof: Wenn die Küche im Restaurant kalt bleibt

Müssen ihr Angebot stark einschränken: Anja und Marco Zandbergen finden für ihr Hotel Nitteler Hof keine qualifizierten Mitarbeiter. Deshalb haben sie ihr Restaurant geschlossen.
Müssen ihr Angebot stark einschränken: Anja und Marco Zandbergen finden für ihr Hotel Nitteler Hof keine qualifizierten Mitarbeiter. Deshalb haben sie ihr Restaurant geschlossen. FOTO: Jürgen Boie
Nittel. Weil Fachkräfte fehlen hat der Nitteler Hof seinen Restaurant-Betrieb eingestellt. Auch andere Gasthäuser im Grenzraum haben Probleme mit dem Personal. Von Jürgen Boie

Der Fachkräftemangel in der Gastronomie hat jetzt erstmalig in Nittel für eine Einschränkung des Angebots geführt. Das Hotel Nitteler Hof hat sein Restaurant für den À-la-carte-Betrieb geschlossen.

Anja und Marco Zandbergen, Betreiber des Hotels Nitteler Hof, haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.

„Wir haben es nicht mehr geschafft, für jeden Tag genug Fachkräfte für die Küche und den Service zu bekommen“, beschreiben sie ein Problem, das in der Gastronomie weit verbreitet ist. „Aber hier, an der Grenze zu Luxemburg, ist es noch schwerer für uns, gute Leute zu bekommen“, berichtet Geschäftsführer Marco Zandbergen. Denn das Gehaltsgefälle zu den Verdienstmöglichkeiten lasse sich auch durch übertarifliche Bezahlung nicht ausgleichen.

Auch wenn es im Nitteler Hof nun keinen täglichen Restaurant-Betrieb mehr gibt. „Was wir aber auf jeden Fall weiter machen, sind die Familienfeiern und andere Events, die man bei uns buchen kann“, bekräftigen die Zandbergens. Familien, die beispielsweise schon für die Kommunionsfeier im kommenden Jahr reserviert haben, müssten sich keine Gedanken machen.

Die Küche im Nitteler Hof bleibt also nicht komplett kalt. „Aber wir wandeln unser Hotel in ein Bed & Breakfast um“, kündigt Anja Zandbergen an. Aber auch sie, die die kaufmännische Seite betreut und täglich an der Rezeption arbeitet, berichtet, dass sie Probleme hat, Mitarbeiter für den Empfang zu finden. „Und das, obwohl wir deutlich über Tarif bezahlen“, sagt die gelernte Hotelfachfrau.

Wenig bis keine Probleme, gute Mitarbeiter zu engagieren, hat Marco Zandbergen dagegen im Bereich Catering. Dieses Standbein des Betriebs will er ausbauen, denn durch die Beendigung des täglichen Restaurant-Betriebs hat er Kapazitäten frei. „Im Catering beschäftige ich sechs Mitarbeiter“, sagt der Gastronom. Dazu kämen dann noch Aushilfen.

Der Nitteler Hof ist kein Einzelfall. Andere Betriebe in dem Obermosel-Ort kämpfen ebenfalls um jeden festen Mitarbeiter und um jede Aushilfe. Das Weingut Apel beispielsweise hat eine lange Liste mit Aushilfen, zudem zwei festangestellte Service-Mitarbeiter. Daneben springt die vielköpfige Familie ein. „Doch speziell für die Großveranstaltungen wie die „Tage der offenen Keller“ oder die Kirmes wird es immer schwieriger, Leute zu bekommen“, sagt Philip Apel. „An diesen Tagen wollen speziell die jungen Leute lieber selbst feiern.“

Das renommierte Nitteler Restaurant Culinarium hat nach Auskunft von Chefin Carina Curmann zurzeit eine Top-Mannschaft beisammen. „Aber wir müssen im nächsten Jahr zwei Mitarbeiter ersetzen“, sagt die deutsche Weinkönigin von 2000/2001. „Das wird schwer genug.“

Bei der Interessenvertretung für Hotel- und Gaststättenbetriebe, dem Dehoga, weiß man um die Probleme. Der rheinland-pfälzische Dehoge-Präsident Gereon Haumann: „Die Branche boomt. In den letzten zehn Jahren haben die Betriebe in Rheinland-Pfalz die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 40 Prozent gesteigert.“

Der Hotel und Gaststättenverband bemühe sich, Arbeitskräfte im Ausland anzuwerben. Das bestätigt auch Marco Zandbergen vom Nitteler Hof: „Der Verband hilft durchaus, aber die ländliche Region kann nicht mithalten, wenn es um die Standortattraktivität geht. Die Auszubildenden aus Spanien, die wir hatten, sind schnell nach Hamburg oder Berlin abgewandert.“ Laut Haumann müssten Betriebe noch mehr tun, um attraktiv für Arbeitskräfte zu sein: „Wir haben quasi Vollbeschäftigung, da muss man um jeden Mitarbeiter kämpfen.“ Der Dehoga biete beispielsweise Fortbildung im Dienstplan-Management an und setze sich für eine anständige Bezahlung der Mitarbeiter ein.

Haumann meint auch, dass es wichtig sei, ganzjährige Arbeitsplätze anzubieten. Und er plädiert für eine langfristige Planung. „Wer erst im April nach Mitarbeitern für den Sommer sucht, hat schon verloren.“

Für Anja und Marco Zandbergen sind das eher wohlfeile Tipps. Sie suchen das ganze Jahr Personal und springen immer ein, wenn kurzfristig ein Mitarbeiter ausfällt. „Wir haben keine andere Wahl, als den Betrieb auf den Umfang zurückzufahren, den wir bewältigen können.“