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Musik
Klänge voller Liebe und Leben

Judeschka nennt sich die zierliche Frau mit der weichen Stimme. Als nicht angekündigte Überraschung beim Konzert von „Bruckner“ in der Synagoge Wawern erobert sie das Publikum im Sturm.
Judeschka nennt sich die zierliche Frau mit der weichen Stimme. Als nicht angekündigte Überraschung beim Konzert von „Bruckner“ in der Synagoge Wawern erobert sie das Publikum im Sturm. FOTO: Jügen Boie / Jürgen Boie
Wawern. Die Bruckner-Brüder und Hey Judeschka geben in der Synagoge Wawern ein überaus familiäres Konzert. Die Zuhörer erfahren eine ganze Menge über Beziehungen und Freundschaften und sind begeistert. Von Jürgen Boie

Das Konzert der beiden Bruckner-Brüder begann mit einer Überraschung: Schon vor dem offiziellen Beginn des Konzerts der beiden Brüder Jakob und Matti Bruckner schlängelte sich Hey Judeschka, eine dreiköpfige Formation aus Köln, durch den vollen Saal auf die Bühne der Synagoge Wawern.

Die – früher hätte man gesagt – Folksängerin und Gitarristin Judeschka, Robert Hegenbarth (Gitarre und Backgroundstimme) und Fabian Knab (Kontrabass) waren offiziell nicht angekündigt. Nur, wenn man einer der beiden Formationen auf Instagram folgt, wusste man von dieser Programmerweiterung.

Für die Zuhörer, sehr viele junge Leute aus Wawern, teilweise ganze Familien mit jüngeren Kindern, war Hey Judeschka ein großartiger Einstieg.

Mit insgesamt fünf Liedern, die von Menschen unterwegs, in Bewegung, auf der Suche handelten, zog Sängerin Judeschka das Publikum in ihren Bann. Ihre klare engelgleiche Stimme, dazu ein teilweise eher gefühlter als gehörter Gitarrensound, sphärische Klänge von Hegenbarths E-Gitarre – das hatte was!

Doch bevor man vollständig entglitt in Länder mit weitem Horizont und warmen Farben, sorgte Knab mit dem sanften Kontrabass doch für eine gewisse Erdung. Dieser wohlige Konzerteinstieg war (leider!) nach 30 Minuten bereits beendet.

Nach einer kurzen Umbaupause standen dann die Brüder Jakob und Matti Bruckner vor ihrem Publikum. Man hätte eigentlich quasi unplugged wie bei Hey Judeschka weitermachen können, doch das war nicht der Plan der Vertreter einer deutschsprachigen, hintergründigen, melodischen, aber doch tanzbaren Musik.

Die Bruckners hatten den Bassisten Jacob Foord und den Schlagzeuger Johannes Koch mitgebracht. Zu viert stand da eine respektable Band im komplett gefüllten Saal. Für die beengten Wawerner Verhältnisse also eine große Besetzung. Matti Bruckner spielte Gitarre, wie auch Jakob Bruckner als „Frontmann“. Der Sänger der Gruppe wechselte hin und wieder auch noch ans Keyboard, also eigentlich die klassische Band-Besetzung seit den 60er Jahren.

Die Texte von Jakob Bruckner waren anfangs nicht immer ganz einfach zu verstehen, doch das besserte sich im Lauf des Konzerts, als man die Technik immer besser an den kleinen Raum anpassen konnte. Aber als Zuhörer erfuhr man auch so von Freundschaften, Liebeserfahrungen, Fernbeziehungen und dem Leben in einer turbulenten Familie.

Sehr eindringlich wurde es, als die Bruckner-Brüder zwei Lieder komplett ohne Mikrofon und Instrumentenverstärker vortrugen. Dann kam auch die Gruppe Hey Judeschka für ein gemeinsames Lied zurück auf die Bühne – das Publikum war begeistert!

Jetzt räumte Bruckner richtig ab: Die Konzertbesucher standen auf, sangen mit, einige bewegten sich trotz der Enge zur Musik. Auch Veranstalter Christof Kramp selbst war hingerissen.

Die Freundinnen Nina Zebe (18) aus Wawern und Marie Brosette (19) aus Zerf waren ebenfalls sehr zufrieden mit dem Konzert. „Es ist eben einfach toll, in so einer Atmosphäre zu einem wirklich günstigen Preis so ein Konzert zu erleben“, meinte Nina.

Schon in der Pause hatte sie ein Post an Hey Judeschka abgesetzt und ihre Begeisterung weitergegeben.