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Natur
Profis setzen Mosel-Monumente in Szene

Flora und Fauna – beides gibt es in voller Pracht am Nitteler Felsen und somit auch in dem Film darüber zu sehen.
Flora und Fauna – beides gibt es in voller Pracht am Nitteler Felsen und somit auch in dem Film darüber zu sehen. FOTO: Johannes P. Orzechowski
Nittel/Piesport/Bernkastel-Kues . Ein Filmteam hat das bekannteste Naturdenkmal der Obermosel besucht und ein Video über den Nitteler Felsen produziert. Die Premiere war in Bernkastel-Kues. Bis 2021 folgen weitere Streifen. Der TV erklärt den Hintergrund.
Christian Kremer

Ich kümmere mich beim Trierischen Volksfreund seit 2010 um die Konzer Ausgabe. Vorher habe ich ein Volontariat in der Redaktion absolviert und in Trier Germanistik, Politik- und Medienwissenschaft studiert. Mir ist es besonders wichtig, im Dialog mit den Lesern zu sein. Wer Anregungen hat kann sich jederzeit an mich wenden.

Der Nitteler Felsen sieht aus der Luft beeindruckend aus. Gleich am Anfang des neuen Imagefilms über das bekannteste Naturdenkmal an der Obermosel sind die Drohnenaufnahmen zu sehen, die ein Filmteam aus der Uckermark im Sommer gemacht hat. Sie haben den 900 Meter langen und 20 Meter hohen Felsen mit ihren Kameras geradezu seziert.

Neben den Aufnahmen aus der Luft haben die Filmemacher Anja Freyhoff und Thomas Uhlmann etliche Nah- und Detailaufnahmen an der Obermosel gemacht. Zu sehen sind seltene Farne, Orchideen, Reptilien und Insekten – zum Beispiel der Falter Spanische Flagge. „Wir begeben uns auf die Pirsch, um alles einzufangen“, sagt Uhlmann. „Was wir kriegen, wird reingeschnitten.“ So haben die Filmer in den drei Tagen, die sie vor Ort waren, in Nittel zum Beispiel keine Fledermäuse vor die Linse bekommen, obwohl dort ein Biotop für die Tierchen ist.

Aus Sicht des Nitteler Naturerlebnisführers Johannes P. Orzechowski kann sich der Imagefilm trotzdem sehen lassen. „Das ist nicht nur ein Werbefilm, sondern etwas, in dem die Natur gut durchkommt.“ Orzechowski hat den Filmern erklärt, was den imposanten Felsen ausmacht. Er erklärt die Vielfalt der Flora und Fauna auch vor der Kamera im Video.

Die Filmprofis definieren ihre Aufgabe folgendermaßen: Das Monument anspruchsvoll in Szene setzen und in Zusammenhang mit der Mosel bringen. Es handle sich um „einen Imagefilm mit seriösem Anliegen“, erläutert Uhlmann. Auftraggeber ist das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) Mosel. Das DLR hat die Filmer aus der Uckermark beauftragt, bis 2021 insgesamt 16 Leuchtpunkte an der Mosel zwischen Perl und Koblenz samt der zuständigen Naturerlebnisführer in Szene zu setzen. Dafür gibt es auch Fördergeld aus dem Leader-Förderprogramm der EU.

Der Film über Nittel ist nach dem Streifen über das Erdener Treppchen und den Piesporter Moselbogen der dritte, der unter anderem auf der Internetseite www.lebendige-moselweinberge.de veröffentlicht worden ist. Ein Film über den Leuchtpunkt Trittenheimer Fährfels (VG Schweich) soll voraussichtlich im Frühjahr 2019 erstmals gezeigt werden.

Der Nitteler Film wurde diese Woche bei der Ernennung von 25 neuen Naturerlebnisführern beim DLR in Bernkastel-Kues uraufgeführt (siehe Info). Dort hat auch Orzechowski darüber referiert, wie wichtig die DLR-Initiative Lebendige Weinberge für Nittel ist. Im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund streicht er besonders heraus, dass er dort mit Kindergartenkindern zusammenarbeitet.

Die neuen Naturerlebnisbegleiter zusammen mit Staatssekretär Andy Becht (links), Landrat Gregor Eibes (zweiter von rechts), Moselweinkönigin Kathrin Hegner (Vordere Reihe rechts) sowie den Vertretern des DLR.
Die neuen Naturerlebnisbegleiter zusammen mit Staatssekretär Andy Becht (links), Landrat Gregor Eibes (zweiter von rechts), Moselweinkönigin Kathrin Hegner (Vordere Reihe rechts) sowie den Vertretern des DLR. FOTO: Christoph Strouvelle

Sie selbst hätten Tiere und Pflanzen am Nitteler Fels auf Fotos dokumentiert. Dadurch würden nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern an die Vielfalt der Natur herangeführt. Zudem erhalte Nittel durch die Auswahl zum Leuchtpunkt mehr öffentliche Aufmerksamkeit. So habe sich zum Beispiel für nächsten Mittwoch ein SWR-Team angekündigt, um mit ihm zusammen den Wetterbericht für die Nachrichten am Nitteler Fels zu drehen. Auch die Veranstaltungen vor Ort liefen gut zum Beispiel Themenwanderungen, Konzerte und Workshops zur Kräuterverarbeitung.

Fürs Wochenende ist eine besondere Kunstaktion geplant, erzählt der 59-jährige Physiker und vierfache Familienvater. Künstlerinnen aus Riga, Leipzig und Trier stellen am Nitteler Felsen von 11 bis 17 Uhr ihre Textil-Kunst aus. Das Besondere: Die Werke haben sie zum Teil auch vor Ort gemacht. Orzechowski betont aber auch das eigentliche Ziel: „Die Kulturlandschaft muss erhalten werden. Das ist viel Arbeit. Aber ich denke, wir kriegen das hin.“

Hubert Friedrich, Leiter des DLR Mosel, drückte es in Bernkastel-Kues folgendermaßen aus: „Unser Pfund ist die Landschaft, und wir müssen alles daran setzen, sie in Wert zu setzen.“

Alle Akteure hätten erkannt, dass das Projekt Lebendige Moselweinberge ein elementarer Bestandteil der regionalen Identität sei, sagte der Bernkastel-Wittlicher Landrat Gregor Eibes. War diese bisher auf den drei Säulen Wein, Tourismus und Natur aufgebaut, komme jetzt die Kulturlandschaft hinzu. Mit dem Thema Artenvielfalt habe man sich bisher zu wenig auseinandergesetzt, sagt Eibes. Umso wichtiger sei es, dass es nun insgesamt 146 Naturerlebnisbegleiter gibt.