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Gesundheit
Hebammenzentrale: Neue Hilfe für werdende Eltern kommt

Die Untersuchung von Schwangeren ist nur eine der wichtigen Aufgaben von Hebammen.
Die Untersuchung von Schwangeren ist nur eine der wichtigen Aufgaben von Hebammen. FOTO: picture alliance / Uli Deck/dpa / Uli Deck
Trier/Schweich/Konz. Kliniken, Behörden und Hebammen gehen vereint gegen den Hebammenmangel in der Region Trier vor. Das Land Rheinland-Pfalz will das Fördergeld für eine Beratungsstelle in Trier genehmigen. Eine Trierer Klinik beginnt bald mit der Ausbildung von fünf Geburtshelferinnen.
Christian Kremer

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Es gibt immer noch zu wenig Hebammen in der Region Trier. Darin sind sich Kommunen Hebammen, Kliniken und Eltern einig. Daran hat sich bisher seit dem vergangenen August, als die Trier-Saarburger Kreisverwaltung zusammen mit der Stadt Trier eine Fachtagung veranstaltete, nichts geändert. Doch jetzt könnte es schnell gehen: Noch im Oktober könnte eine Hebammenzentrale die Arbeit aufnehmen. Außerdem werden ab Oktober erstmals in Trier Hebammen ausgebildet.

Fachkräftemangel 2017 hatten laut einer Auswertung des für die Region zuständigen Hebammenverbands nur 36,3 Prozent der jungen Eltern im Kreis Trier-Saarburg eine Nachsorge-Hebamme, in der Stadt Trier waren es 45 Prozent. Das Mutterhaus könnte künftig genauere Zahlen liefern. Die Klinik ist in Trier und im Kreisgebiet die letzte mit Geburtsstationen. Deshalb werden in den Häusern in Trier-Mitte und Trier-Ehrang auch fast alle Geburten erfasst. Seit Januar erfasst das Mutterhaus im Auftrag der Kreisverwaltung, ob die Mütter eine Nachsorge-Hebamme haben. Eine Auswertung, die später auch der Hebammenzentrale zur Verfügung gestellt werden soll, liegt aber noch nicht vor.

Hebammenzentrale Die Einrichtung einer Zentrale liegt vor allem dem Hebammenverband um die Vorsitzende Ute Bösen am Herzen. Die Geburtshelferinnen plädieren schon lange dafür, um Eltern, die noch keine persönliche Hebamme haben, den Zugang zu Angeboten von der Geburtsvor- bis zur -Nachsorge, Beratung oder Kursen zu erleichtern. Die Hebammen verweisen dabei auf das gesetzlich festgeschriebene Recht auf die Unterstützung durch eine Hebamme. Unterstützung bekommen der Interessenverband von der Stadt Trier und vom Kreis Trier-Saarburg. Der Kreistag und der Stadtrat haben jeweils rund 10 500 Euro für die Hebammenzentrale freigegeben.

Das reicht jedoch nicht, um eine Hebamme mit einer halben Stelle und eine weitere mit einem Minijob einzustellen.Eine offizielle Förderzusage vom Land fehlt noch. Deswegen hängen die anderen Beteiligten (Kreis, Stadt, Hebammen und Pro Familia, der spätere Träger der Zentrale) zurzeit etwas in der Luft. Die Trierer Pro-Familia-Geschäftsführerin Claudia Heltemes sagt: „Wir warten auf den Förderbescheid. Sobald wir den bekommen, kann es losgehen.“ Ärgerlich sei das für die drei Frauen, die sich bisher beworben haben. Laut Ute Bösen, Vorsitzende des Hebammen-Kreisverbands für Trier, Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich und den Eifelkreis Bitburg-Prüm, fahren die Bewerberinnen ihre freiberufliche Tätigkeit auf Sparflamme, um bereit zu sein, wenn es losgeht. „Das ist keine erfreuliche Situation“, sagt Bösen.

Auf Anfrage beim rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium erklärt Pressesprecherin Sandra Keßler, dass das Vorhaben aus Sicht des Ministeriums förderungswürdig sei. Die Hebammenzentrale helfe Eltern und Angehörigen dabei, sich über ortsnah zur Verfügung stehende Hebammenkapazitäten im Landkreis zu informieren. Vorhandene Strukturen würden so zu einem allgemein besser zugänglichen Angebot gebündelt, heißt es auf TV-Anfrage. Das Land will so Versorgungsprobleme reduzieren, „die aus mangelnder Information und daraus sich ergebender schlechter Abstimmung von Nachfrage und Angebot resultieren“, sagt Keßler. Konkreter führt sie das auch auf Nachfrage nicht aus. Eine Landesförderung des Projektes von 25 000 Euro sei in Vorbereitung. „Der Bewilligungsbescheid müsste noch in diesem Monat vorliegen“, verspricht Keßler.

Ausbildung Die Ministeriumssprecherin verweist zudem darauf, dass die Ausbildungskapazitäten in Rheinland-Pfalz ausgebaut werden. 15 Hebammen-Ausbildungsplätze wurden schon im vergangenen Jahr beim Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier zusätzlich genehmigt. Dieses Jahr will die Trierer Klinik die ersten fünf Hebammen ausbilden. Los geht es ab dem 1. Oktober. Zunächst besuchen die Azubinen die Hebammenschule der Diakonissen in Speyer. Dort absolvieren sie nach Angaben von Kristina Kattler, Unternehmenssprecherin des Trierer Mutterhauses, am Anfang einen dreimonatigen theoretischen Ausbildungsteil. Im Trierer Mutterhaus lernen sie später die praktische Seite des Berufs kennen. Insgesamt dauert die Ausbildung – je nach Vorerfahrung – zwei oder drei Jahre.

Eigentlich wollte das Mutterhaus die Hebammen schon ab dem 1. August ausbilden („Hebamme gesucht? Künftig hilft eine Zentrale“, TV vom 3. Februar). Dass es später losgehe, sei dem Wechsel der Schulen geschuldet, sagt Kattler. Eigentlich wollten die Trierer mit dem Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein in Koblenz zusammenarbeiten, wo die Hebammen-Ausbildung am 1. August beginnt. Doch das Mutterhaus hat sich umentschieden: Die Entscheidung sei auf Speyer gefallen, da der dortige Zuschnitt der Ausbildung besser zu ihrem Klinikum passe, sagt Kattler. Die Ausbildung beginnt deshalb erst im Oktober.

Natalie Waldforst, Direktorin Bildungs- und Forschungsinstitut des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein, erklärt auf TV-Anfrage hingegen, dass die Verhandlungen wegen finanzieller Gründe gescheitert seien: „Wir erwarten, dass uns unsere Kosten, die durch die theoretische Ausbildung der Hebammenschülerinnen des Mutterhauses der Borromäerinnen entstehen, erstattet werden. Leider konnte in diesem Punkt keine Einigung erzielt werden.“