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Workshop
Kanzem, ein offener Ort mit buntem Bahnhof

Initiatoren und die jungen Künstler sind stolz auf ihr Werk, das alle Reisenden willkommen heißt.
Initiatoren und die jungen Künstler sind stolz auf ihr Werk, das alle Reisenden willkommen heißt. FOTO: Herbert Thormeyer
Kanzem. Zehn Jugendliche haben in einem Workshop den Bahnhof ihres Dorfes mit farbenfroher Graffiti-Kunst gestaltet.

Offen, bunt und freundlich präsentiert sich Kanzem jetzt mit seinem Bahnhof. In einem Workshop mit dem Künstler Elmo van der Poel haben zehn Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren Graffiti in der Unterführung und im Wartehäuschen nach eigenen Entwürfen aufgebracht.

„Ein Bahnhof ist doch ein Aushängeschild eines Ortes und was zählt für den Besucher, ist der erste Eindruck“, findet Ortsbürgermeister Johann Peter Mertes. Und dieser erste Eindruck hätte nach fremdenfeindlichen Schmierereien bis hin zu Hakenkreuzen ein völlig falsches Bild von Kanzem gezeichnet. Denn hier leben mindesten 15 Nationen völlig friedlich miteinander.

Was also tun? Da gibt es das Bundesprogramm Demokratie leben des Familienministeriums, das Aktionen fördert, die gegen alle Formen von Extremismus und Fremdenhass kämpft. Mit dem Kulturverein wurde ein Aufruf an Jugendliche gestartet, an einem Workshop mit dem Künstler mit niederländischen Wurzeln teilzunehmen, der aber hier aufgewachsen ist.

Die Jugendlichen setzten ihre Vorstellungen von Willkommenskultur grafisch um. „Zwei Tage wurde gezeichnet. Dann wollten alle nur noch sprayen“, sagt van der Poel. Finn Kruchten zum Beispiel kannte Kunst bislang nur aus dem Schulunterricht. „Hier konnten wir was Großes machen. Deshalb haben wir uns so reingekniet“, erklärt der 14-Jährige. Gemeinsam mit Linus Grüner hat er die Idee entwickelt, das Symbol Londoner U-Bahn-Stationen zu übernehmen, nur halt mit der Aufschrift Kanzem.

„Zum Glück waren diese alten Symbole schon weg, als wir anfingen“, findet Alina Greif (13). Der 14-jährige Anton Mertes freut sich, hier was ausprobieren zu können: „Wir haben unsere Entwürfe groß auf die Wand übertragen und dann ausgemalt.“ Entstanden ist dabei ein großer Schriftzug: „Willkommen“. Die Postleitzahl wurde verewigt und das Wort Heimat sowohl in der indischen Sprache Sanskrit als auch in der internationalen Sprache Esperanto festgehalten.

Als Dankeschön gab es vom zweiten Vorsitzenden des Kulturvereins, Hans-Joachim Gernert, für jeden der jungen Künstler ein Zertifikat, das die erfolgreiche Teilnahme am Workshop ausweist. Auch Gemeindearbeiter Erich Greif wurde mit diesem Dokument für seine unterstützende Arbeit gedankt.

Dass in Konz im Zuge von Demokratie leben nicht nur diskutiert wird, freut ganz besonders den ersten Beigeordneten Guido Wacht: „260 Kommunen machen in Deutschland bereits mit, und ihr seid dabei.“ Kanzem sei jetzt ein Leuchtturm der Demokratie. Danach wurde die Neugestaltung des Kanzemer Bahnhofs zünftig gefeiert. Alle Reisenden sollen sich hier willkommen fühlen.

Auch das Wartehäuschen des Bahnhofs wurde innen neu gestaltet.
Auch das Wartehäuschen des Bahnhofs wurde innen neu gestaltet. FOTO: Herbert Thormeyer