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Karthäuser Bahnhof bleibt vorerst Schandfleck - Investor will Sanierung des Haltepunkts abwarten

FOTO: Friedemann vetter (Ve._), Friedemann Vetter ("TV-Upload vetter"
Konz. Seitdem ein Privatinvestor 2012 das denkmalgeschützte Empfangsgebäude am Bahnhof Kar thaus ersteigert hat, ist noch nichts passiert. Zurzeit verhandelt der Luxemburger mit der Bahn über den Ankauf eines Nebengebäudes. Eine TV-Recherche ergibt, dass er nicht loslegen will, bevor der Haltepunkt saniert ist. Christian Kremer

Konz. Es gibt wohl kaum ein Gebäude in der Stadt Konz, das in so miserablem Zustand ist und gleichzeitig so ein großes Potenzial hat wie der Bahnhof in Kar thaus. Polizeiwache, Jugendzentrum oder ein Generationentreffpunkt: Ideen gab es schon viele für das Gebäude.
Umgesetzt wurde aber keine, der Bahnhof verfällt immer weiter. Die Wände sind beschmiert, die Fenster kaputt. Das Bild setzt sich auf dem Bahnsteig fort. Die Treppen bröckeln, die Wände ebenfalls. Vor lauter Graffiti ist die Farbe der Wände in der Unterführung zum Teil nicht mehr zu erkennen. Die Bürger kritisieren den Zustand seit Jahren, verändert hat sich jedoch noch nichts. Bei der Suche nach Verantwortlichen für die Karthäuser Misere muss getrennt werden zwischen dem Gebäude und dem Bahnsteig.

Das Gebäude: Das denkmalgeschützte Bahnhofsempfangsgebäude im Gründerzeitstil, Baujahr 1903/04, gehört seit 2012 einem luxemburgischen Privatinvestor. Dieser hat den Komplex, der aus mehreren Gebäuden besteht, bei einer Auktion in Köln von der Main Asset Management GmbH gekauft (siehe Extra). Den Zuschlag hat der Luxemburger für das Mindestgebot von 15 000 Euro bekommen.
Der Investor arbeitet mit dem Trierer Architektenbüro Weltzel und Haardt zusammen. Zunächst war geplant, in dem 737 Quadratmeter großen Komplex ein Studentenwohnheim unterzubringen.
Diese Idee habe sich erledigt, sagt Architekt Lothar Weltzel. Ein Handwerkerzentrum oder Büroflächen im Erdgeschoss und Wohnungen im Obergeschoss standen auch schon zur Debatte. "Bisher haben wir noch kein Nutzungskonzept", sagt Architekt Lothar Weltzel auf TV-Anfrage. "Es macht wenig Sinn anzufangen, bevor die Bahn den benachbarten Haltepunkt saniert." Zudem führe der Investor noch Verhandlungen mit der Bahn, um noch ein Nebengebäude zu erwerben, in dem zurzeit noch Technik untergebracht ist. Bei der Deutschen Bahn heißt es auf TV-Anfrage dazu: "Der Antrag zum Kauf des Nebengebäudes liegt bei der Bahn vor." Die DB Imm, die Immobilienabteilung des Bahnkonzerns, sei mit dem Interessenten im Gespräch. "Es wird derzeit geprüft, ob ein Verkauf bahnseitig möglich ist", sagt eine Bahnsprecherin.
Der Bahnsteig: Anders als beim Gebäude sind die Pläne für die sechs Millionen Euro teuere Sanierung des Bahnsteigs schon konkreter. Die Beleuchtungsanlagen und die Bahnsteigausstattung werden erneuert. Auch der Bau eines Wetterschutzhauses ist vorgesehen. Die dreckige marode Unterführung und die jetzigen Überdachungen werden abgerissen. Eine Fußgängerbrücke wird neu gebaut.
Kritik gibt es trotzdem: Weil die Brücke nur über steile Treppen zugänglich ist, bezeichnet der Behindertenbeauftragte der Verbandsgemeinde Konz, Peter Musti, die Planung als "Verschlimmbesserung des heutigen Zustands" und als "Katastrophe". Er habe seine Stellungnahme abgegeben, aber noch keine Antwort von der Bahn bekommen.
Die Bahn verweist nur darauf, dass aktuell der barrierefreie Ausbau der Station nicht vorgesehen sei. "Im näheren Umkreis sind aber die Bahnhöfe Kreuz-Konz und Konz barrierefrei zugänglich", sagt eine Konzernsprecherin auf TV-Anfrage.
Wie sich Kritik an der mangelhaften Barrierefreiheit auf den Zeitplan für die Sanierung des Bahnsteigs auswirkt, ist noch nicht bekannt.Meinung

Es ist an der Zeit, dass sich etwas tut
Der Bahnhof Karthaus ist verwahrlost - und das schon seit vielen Jahren. Dass der Bahnkonzern die einst so schöne Station zuerst verfallen lässt und dann im Paket an Großinvestoren verkauft, ist ein Armutszeugnis. Der Konzern hat dadurch gezeigt, wie wenig Respekt er vor den Besitztümern hat, die mit Steuergeld finanziert worden sind. Dass das alte Gebäude weiter verkommt, ist umso trauriger, aber nicht die Schuld des luxemburgischen Investors alleine. Er wartet darauf, dass sich am Umfeld etwas tut, bevor er im großen Stil Geld in das Gebäude stecken will. Es wäre aber ein Aufbruchssignal an die Bürger von Karthaus, wenn sich am Bahnhof möglichst bald etwas ändert. c.kremer@volksfreund.deExtra

Seit Anfang der 2000er Jahre hat sich die Deutsche Bahn von für sie überflüssigen Bahnhofsgebäuden getrennt. Die teils 100 Jahre alten Empfangshallen wurden durch Wetterschutzhäuschen und Fahrkartenautomaten ersetzt. Die Gebäude wurden an Privatinvestoren verkauft - zum Teil in größeren Paketen. 2001 hat die Deutsche Bahn in einer ersten Welle 500 Bahnhofsgebäude an die Firma First Rail Estate verkauft. Nachdem dieses Unternehmen 2005 Insolvenz anmeldete, hat der britische Immobilieninvestor Patron Capital die Gebäude übernommen und weitere hinzugekauft - darunter auch den Karthäuser Bahnhof. Die Main Asset Management GmbH ist eine 100-prozentige Tochter von Patron Capital. Das Unternehmen wirbt auf seiner Internetseite damit, 1000 Bahnhöfe aus dem ehemaligen Bestand der Deutschen Bahn AG zu betreuen und, je nach Standort und Marktstrukturen, gemeinsam mit den Eigentümern individuelle Konzepte für "die Verringerung von Leerstandsquoten, zur Sanierung oder zur kompletten Neuentwicklung der Objekte" zu erstellen. In der Region Trier sind laut der Homepage noch die Bahnhöfe in Hetzerath und Salmrohr (Kreis Bernkastel-Wittlich) im Besitz der Investmentgesellschaft. cmk

FOTO: Friedemann vetter (Ve._), Friedemann Vetter ("TV-Upload vetter"
FOTO: Friedemann vetter (Ve._), Friedemann Vetter ("TV-Upload vetter"
In miserablem Zustand: Die Wände und Bahnsteige des Bahnhofs in Karthaus sind mit Graffiti voll gesprüht. TV-Fotos (4): Friedemann Vetter
In miserablem Zustand: Die Wände und Bahnsteige des Bahnhofs in Karthaus sind mit Graffiti voll gesprüht. TV-Fotos (4): Friedemann Vetter FOTO: Friedemann vetter (Ve._), Friedemann Vetter ("TV-Upload vetter"