| 16:29 Uhr

Kirche
Kirchenbasis übt weiter Kritik am Bistum

 Die geplanten Großpfarreien des Bistums Trier rufen viele Kritiker auf den Plan. Unser Foto zeigt eine Protestkundgebung der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ gegen die geplante Reform im Bistum Trier im Oktober 2018.
Die geplanten Großpfarreien des Bistums Trier rufen viele Kritiker auf den Plan. Unser Foto zeigt eine Protestkundgebung der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ gegen die geplante Reform im Bistum Trier im Oktober 2018. FOTO: dpa / Harald Tittel
Konz/Saarburg/Kell. Katholiken im Kreis Trier-Saarburg begrüßen das Hinauszögern der großen Pfarreienreform. Aus ihrer Sicht gibt es aber noch etliche offene Fragen. Eine Dekanatsvertreterin verweist auf eine weiterhin wichtige Rolle der Ehrenamtlichen.
Christian Kremer

Redakteur/Reporter

Das Bistum Trier wird sich in den nächsten Jahren stark verändern. Statt der 887 Pfarreien, die in 172 Pfarreiengemeinschaften eingegliedert sind, soll es künftig 35 Großpfarreien geben. 13 davon sollen zum 1. Januar 2020 geschaffen werden. Unter den Frühstartern ist von den zwölf geplanten XXL-Pfarreien in der Region Trier nur eine: die Großpfarrei Wittlich, die mit dem jetzigen Dekanat Wittlich identisch ist. Die anderen elf Großpfarreien zwischen Prüm und Saarburg sowie Bad Neuenahr und Hermeskeil, darunter die Großpfarreien Trier, Schweich, Saarburg und Hermeskeil, sollen laut den neuesten Plänen des Bischofs bis 2022 reformiert werden – also später als bisher geplant.

Diese Nachricht stößt in Trier und dem Kreis Trier-Saarburg auf Lob und Kritik zugleich. Angesichts dessen, dass die Zahl der Katholiken in der Region zurückgeht und es immer weniger Priester gibt, sind sich die meisten Gläubigen bewusst, dass etwas geändert werden muss. Allerdings gibt es aus Sicht der ehrenamtlich Engagierten noch offene Fragen zur Reform.


Kritik von der Basis
Einer der Kritiker ist Michael Ames, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats in Konz/St. Nikolaus. Die Gemeinde ist mit mehr als 5450 Katholiken fast doppelt so groß wie St. Laurentius in Saarburg (2700 Katholiken), die zweitgrößte Pfarrgemeinde in der künftigen Großpfarrei. Trotzdem ist Saarburg der künftige Sitz. Denn dort hat das bisherige Dekanat Konz-Saarburg ohnehin seine Büros, zudem liegt die Stadt zentral mitten im Gebiet der Großpfarrei, das sich von Pellingen bis Palzem und Oberbillig bis Zerf erstreckt.

Der Konzer Pfarrgemeinderat hat Bischof Stephan Ackermann laut Ames im Herbst einen kritischen Brief zugeschickt. Die größeren Strukturen zuerst in einigen Orten zu testen und dann erst das ganze Bistum zu reformieren, begrüßt Ames. Allerdings fehle nach dem Test von 2020 bis 2022 eine Auswertungsphase. Da müssten alle Pfarreien die Gelegenheit bekommen, sich zum Beispiel mit den Betroffenen in Wittlich auszutauschen.

Laut Ames ist zudem noch vollkommen unklar, wie die einzelnen Pfarreien in den neu zu gründenden Gremien repräsentiert werden sollen. Die Laien seien sich ohnehin unsicher, wie es mit den Kirchengremien weitergehen soll. Die Amtszeit der Pfarrgemeinde-, Pfarrverwaltungs- und Pfarreienräte endet am Jahresende, und eigentlich müsste 2019 neu gewählt werden. Doch vom Bistum fehlt eine Ansage, ob die Neuwahlen stattfinden oder die laufende Amtsperiode verlängert werden sollen.

Aus Sicht der Laien fehlen auch Vorgaben für die Finanzen. Ames sagt zum Beispiel, dass er oft darauf angesprochen werde, wie denn das Geld künftig fließe und wer künftig entscheide. Wenn zum Beispiel jemand in Konz Geld für die Kirchensanierung spende, werde dann von Menschen aus Nittel, Saarburg oder Zerf darüber entschieden, wo es ausgegeben werde? Insgesamt wünscht sich der Pfarrgemeinderatsvorsitzende mehr Kontakt der Kirchenverantwortlichen zur Basis: „Man scheut sich, rauszukommen und mit den Leuten zu sprechen.“

 

Beruhigende Worte Aus Sicht von Doris Weirich hat die Ankündigung des Bischofs „den Ehrenamtlichen den Druck genommen“. Die Geschäftsführerin des Dekanatsbüros Konz-Saarburg geht davon aus, dass die Reform in Saarburg/Konz und Kell am See zum 1. Januar 2022 in Kraft tritt und dass die Gremien in der bestehenden Form vorerst erhalten werden.

Die Befürchtungen der Laien versucht sie im Gespräch mit dem TV auszuräumen. Weirich betont, dass es weiterhin ein Wahlrecht für jeden Katholiken gebe. Somit würden alle Orte angemessen repräsentiert. „Wir brauchen die Ehrenamtlichen künftig noch dringender“, sagt Weirich sogar. „Die Laien werden eine ganz starke Stimme haben.“ Im Detail habe bei der Umsetzung der Reform jeder „Ort von Kirche“ das Recht, seine Repräsentanten in die Synodalversammlung zu schicken, in der über die Besetzung des Rats der Pfarrei entschieden werden soll. Der Rat der Pfarrei wiederum entscheide über die Besetzung der Verwaltungsgremien vor Ort. Orte von Kirche sind dabei nicht nur Kirchengemeinden: Das können laut Bistum auch Kitas, Frauengemeinschaften, Kirchenchöre oder Seniorenheime sein. Weirich verweist auf einen Newsletter des Bistums, der seit November 2018 auf www.bistum-trier.de einsehbar ist. Darin werde alles im Detail erläutert. Und nicht nur die Beteiligungsmöglichkeiten sollen bleiben: Künftig werden Teams in den Dörfern und Stadtteilen weiterhin die Finanzen vor Ort verwalten. Weirich verspricht: „Für kleinere Beschaffungen ist immer Geld da.“