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Konz-Könen
Könener sprechen über Unwetterfolgen

FOTO: Jürgen Boie
Konz-Könen. 80 Menschen, deren Häuser der Regen am 1. Juni beschädigt hat, haben sich in dem Konzer Stadtteil getroffen. Sie schätzen die Schäden an ihrem Besitz auf knapp eine Million Euro. Versichert sind jedoch die wenigsten.

Nach dem heftigen Unwetter mit Starkregen vom 1. Juni sind die Aufräumarbeiten in Konz-Könen weitgehend abgeschlossen. Jetzt geht es um die Bewältigung der Folgen. Und die Betroffenen fragen sich, ob sie vom Land Rheinland-Pfalz entschädigt werden. Auf Einladung von Bernhard Becker, 51-jähriger Inhaber eines Ingenieurbüros in Konz, trafen sich gut 80 vom Unwetter-Geschädigte im Könener Bürgerhaus. Das Ziel des Treffens: eine Petition an die Landesregierung vorzubereiten, um unbürokratisch Entschädigungen für die vom Starkregen verursachten Schäden zu beantragen. „Dazu sammeln wir jetzt Daten, um unsere Schäden zu beziffern. Außerdem geht es auch um Hilfe für die Bürger, die keine Elementarschadenversicherung haben“, erläutert Organisator Bernhard Becker.

Das Ergebnis der Schadensaufnahme: 68 Bürger haben sich in eine Liste eingetragen. Ihre selbst geschätzten Schäden addieren sich auf fast eine Millionen Euro. Von den 68 Bürgern haben 49 keine Versicherung, die die Schäden reguliert.

Becker beklagte, dass Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Interview mit dem Trierischen Volksfreund gesagt habe, dass sich die Bürger selbst um Versicherungsschutz kümmern müssten. „In Luxemburg würden kurzfristig erhebliche Beträge bereitgestellt“, meint Becker. Positiv wurde bemerkt, dass die Bäche und Rückhaltebecken schon im Folgetag nach der Katastrophe wieder freigebaggert worden seien. Als Becker der Freiwilligen Feuerwehr Könen für ihren großartigen Einsatz dankte, brandete spontan starker Beifall auf.

Ansonsten ging es auf der Versammlung im Könener Bürgerhaus ruhig zu. Man hörte interessiert dem Vortrag von Frank Hömme zu. Hömmes Ingenieurbüro für Wasserbau und Wasserwirtschaft in Pölich ist von der Verbandsgemeinde beauftragt, ein Hochwasserschutzkonzept zu erarbeiten. „Nach den Starkregenereignissen im Jahr 2016 hat das Land reagiert und die Gemeinden beauftragt, Schutzkonzepte zu erarbeiten und umzusetzen“, erklärte Hömme. Die Notwendigkeit, sich mit der Problematik ernsthaft zu beschäftigen, sei durch das Unwetter vom 1. Juni schmerzhaft verdeutlicht worden.

Hömme erwähnte auch, dass bei einem Workshop zu dem Thema in Könen nur ein Interessierter gekommen sei. Der Fachmann berichtete ebenfalls, dass sich das Land dafür einsetze, dass tatsächlich jeder Bürger eine Elementarschadenversicherung abschließen könne. „Die Verbraucherzentrale in Mainz hilft, wenn die eigene Versicherung den Abschluss einer Elementarschadenversicherung ablehnt“, sagte Hömme.

Außerdem könne man sich unter anderem auf der Internetseite www.vgkonz.hochwasserschutz-konzept.de informieren, welche Vorsorgemaßnahmen sinnvoll und möglich sind. Der Kauf von Sandsäcken auf Vorrat sei jedenfalls nicht unbedingt die perfekte Lösung. Bernhard Becker: „Die Feuerwehr hat mich informiert, dass Sandsäcke bei längerer Lagerung hart werden. Dann lässt die Schutzfunktion deutlich nach.“

Hömme bat dann noch die anwesenden Bürger, ihm Datenmaterial zur Verfügung zu stellen, um das Hochwasserschutzkonzept für Könen weiterzuentwickeln und zu optimieren. „Bitte schicken Sie mir Schadensbeschreibungen, Bilder und Videos per E-Mail an die Adresse info@vgkonz.hochwasserschutz-konzept.de.“

Zum Ende der Veranstaltung beschworen Organisator Becker, und die Ortsvorsteher Detlef Müller-Greis (Könen) und Dieter Klever (Tälchen) die Besucher nachdrücklich, sich für die Petition an die Landesregierung einzusetzen. „Gemeinsam sind die Aussichten vermutlich besser, als wenn jeder für sich kämpft“, rief Becker aus.

Detlef Müller-Greis berichtete noch, dass ein Spendenkonto eingerichtet werde. „Außerdem wird es eine Börse geben, um zum Beispiel gebrauchte Waschmaschinen oder Kühlschränke an Geschädigte zu vermitteln“, sagte der Könener Ortsvorsteher. Dieter Klever informierte die Anwesenden, dass er mit den Landtagsabgeordneten Lothar Rommelfanger (SPD) und Bernhard Henter (CDU) bereits gesprochen habe.

Sofern das Land das Schadensereignis als besonders außergewöhnlich einstufe, könnten erfahrungsgemäß Beträge von bis zu 2500 Euro gezahlt werden. Diese Auskunft sorgte für heftiges Gemurmel unter den Betroffenen. Becker meinte: „Einzelne haben Schäden von 100 000 Euro und mehr zu beklagen.“ Dass nicht mehr Menschen eine Elementarschadenversicherung hätten, begründet er damit, dass ein Starkregen wie der vom 1. Juni nach seiner Erinnerung noch nie vorgekommen sei. Die von einem Diskussionsteilnehmer ins Spiel gebrachte Pflicht, eine Elementarschadenversicherung abzuschließen, wurde als politische Forderung zur Kenntnis genommen.

(jbo)