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Musik
Landesjugendorchester spielt in Konz

Im Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz spielen große Talente.
Im Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz spielen große Talente. FOTO: Herbert Thormeyer
Konz. Das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz löst beim Konzert in Konz Begeisterungsstürme aus Von Herbert Thormeyer

Es ist relativ dunkel in der Sport- und Festhalle Konz. Die 81 jungen Musiker des Landesjugendorchesters (LJO) Rheinland-Pfalz sind für die rund 300 Zuhörer kaum zu erkennen. Dirigent Markus Huber betritt das Pult. Kurzer Applaus, dann ist es völlig ruhig. Aus der Stille heraus entwickelt sich ein großer Klang, leicht, geschmeidig, seidig.

Die Finlandia von Jean Sibelius (1865-1957) erklingt, das Nationalwerk des Nationalkomponisten Finnlands, bestimmt nicht das leichteste, was man für ein Orchester auswählen kann, dessen Musiker zwischen zwölf und 20 Jahre alt sind.

Noten braucht er nicht, der 31-jährige Pianist Joseph Moog, der vor einigen Jahren von Ludwigshafen nach Wincheringen zog. Das Klavierkonzert a-Moll von Edvard Grieg (1843-1907) klingt wie aus dem Handgelenk geschüttelt. Ebenso die Zugabe, die Nocturnes von Frédéric Chopin (1810-1849).

Brahms Sinfonie Nr. 2 füllt den zweiten Teil des Konzertabends mit großem Klang, einschließlich seinem Ungarischen Tanz als Zugabe.

„Hier spielt die musikalische Elite des Landes. Jeder Einzelne muss bei einer strengen Jury vorspielen, um angenommen zu werden“, erklärt Jens Bastian (30), Orchestermanager und selbst Fagottist.

Reihenweise finden sich unter den Musikern Preisträger des Wettbewerbs Jugend musiziert. Viele von ihnen streben einen Beruf an, der mit Musik zu tun hat – vom Musiklehrer bis zum Berufsmusiker.

Und die kommen nach Konz? „Ja, es ist wichtig, dass dieses Orchester auch in kleineren Städten spielt“, macht Bastian deutlich. „Dieses Orchester elektrisiert sein Publikum überall.“

Wenn Laienorchester an dem Repertoire für ein Konzert monatelang proben, schaffen das die „LSOler“ in gerade einmal eineinhalb Wochen. Diese Phasen muss man sich jedoch anders vorstellen als erwartet. „Das unglaublich hohe Niveau dieser Begabtesten wirkt wie ein Schwamm, der ständig neue musikalische Eindrücke saugt“, beschreibt Dirigent Markus Huber den Eifer der Musiker bildlich.

Drei Arbeitsphasen gibt es im Jahr. Das Konzert in Konz ist das Ergebnis der 135. dieser Arbeitseinheiten seit der Gründung des Orchesters im Jahr 1973.

Gerne macht der Orchesterleiter Experimente, wie die Auflösung der klassischen Sitzordnung: „Ich setze mich in die Mitte. Da sieht jeder mich und alle anderen“, erklärt er. Das Gefühl, ein homogenes Ganzes zu sein, soll damit verstärkt werden –  insbesondere, weil im vergangenen  Jahr mehr als 30 Neue dazugekommen sind. Andere verabschieden sich zum Studium. Immer wieder muss die klangliche Einheit neu erzeugt werden.

Auch Einzelproben kleiner Gruppen in verschiedenen Räumen gibt es. Dann kann sich keiner musikalisch „verstecken“.

Einer der Supertalente ist Niels Zeller aus Trier, 15-jähriger Kontrabassist. Er macht erst seit vier Jahren Musik, aber das mit professionellem Unterricht. „Im Landesjugendorchester zu spielen, das gibt einem einen großen Kick“, beschreibt er seinen Erfolg. Auch er will später im Beruf mit Musik zu tun haben.

Susanne Dewald ist 20 und damit eine der ältesten Musikerinnen. Sie spielt Geige seit sie 13 ist, besuchte die Dommusikschule, spielte beim Orchester vor zwei Jahren vor und wurde sofort aufgenommen. „Es fördert die Persönlichkeit, immer wieder Herausforderungen anzunehmen“, weiß die angehende Medizinstudentin.

„Solch einen Abend wie heute habe ich selten erlebt“, ist Hedwig Kaschnub aus Trier begeistert. Die 86-Jährige muss es wissen, denn sie besucht seit Jahrzehnten Konzerte.

Stehender Applaus ist auch an diesem Abend der Lohn für die jungen Musiker mit großer Zukunft.