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Konzer wehren sich gegen den Bahnlärm (Video)

Adis Zulfikari steht zusammen mit seinen Kindern Lena, Malek und Nina auf dem Balkon seines Hauses. Im Hintergrund ist das Gleis zu sehen, das den Anwohnern zu schaffen macht, wenn Güterzüge darüberrollen.
Adis Zulfikari steht zusammen mit seinen Kindern Lena, Malek und Nina auf dem Balkon seines Hauses. Im Hintergrund ist das Gleis zu sehen, das den Anwohnern zu schaffen macht, wenn Güterzüge darüberrollen. FOTO: Christian Kremer
Konz. Bahnlärm gehört in Konz zum Alltag. Nun hofft eine Interessengemeinschaft in der Alten Straße darauf, dass die Bahn für Schallschutz in der Nachbarschaft sorgt. Bisher verlaufen ihre Bemühungen aber erfolglos. Christian Kremer

"Wir sind nicht gegen die Bahn", sagt Ralf Richardt. "Aber für Lärmschutz." Er wohnt in der Alten Straße in Konz. Der 54-Jährige hat sich mit seinen Nachbarn zur Interessengemeinschaft Alte Straße zusammengeschlossen.

Die zwölf Erwachsenen und drei Kinder leben direkt an zwei Gleisen. Eines kommt vom Trierer Hauptbahnhof, das andere von der Weststrecke in Trier. Die Gleise führen dann über die Obermosel-Strecke und bis nach Apach (Frankreich). Das Problem ist aus Sicht der Anwohner, dass der Güterverkehr in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Nachts seien zum Teil schwere Züge im Fünf-Minuten-Takt unterwegs, erzählt er. Weil direkt vor den Häusern eine Weiche und die Trasse auf Höhe des ersten Stockwerks liege, sei das besonders laut, beklagen die Anwohner im Gespräch mit dem TV.

Richardt misst in seinem Haus regelmäßig die dabei entstehenden Lärmpegel. 92 Dezibel kämen dabei rum - das entspricht der Lautstärke eines schweren Lastwagens, der direkt an einem vorbeifährt. Für Lärmschutz hat die Bahn in dem Bereich bisher nicht gesorgt, obwohl die Strecke ins freiwillige Lärmsanierungsprogramm der Bahn aufgenommen wurde. Nun schöpfen die Anwohner Hoffnung, dass doch noch etwas passiert. Wenn die Bahnbrücke saniert werde, könne die Bahn ja endlich etwas in Sachen Schallschutz tun, sagt Richardt. Er hat im Auftrag der IG alle Konzer Stadtratsfraktionen, den Landrat, den Bürgermeister und natürlich auch die Bahn angeschrieben.

Allerdings hört sich sein vorläufiges Fazit eher frustrierend an: "Wir fühlen uns von der Bahn und der Politik im Stich gelassen", sagt er. Laut der Deutschen Bahn laufen zu mehreren Bahnstrecken in Konz zurzeit schalltechnische Untersuchungen. Das zeigt ein Blick auf eine Lärmsanierungskarte auf deren Homepage (www.deutsche-bahn.com) unter dem Punkt Infrastruktur. In der Alten Straße sind aber vorerst keine konkreten Schritte geplant. Eine Bahnsprecherin erklärt auf TV-Anfrage, dass die Brücke ab Ende September 2018 saniert werde. "Im Bereich der Alten Straße Konz sind zurzeit keine weiteren Maßnahmen geplant", sagt die Konzernsprecherin. Allerdings verspricht sie: "Wir werden die betreffende Weiche besonders begutachten. Danach können wir sagen, ob beziehungsweise was wir tun können."

Allgemein verweist die Bahn auf ihr Lärmsanierungsprogramm, das 1999 in Kraft getreten ist (siehe Info). Um weniger Bahnlärm zu verursachen, werden seit 2001 auch die Güterwagen der Bahntochter DB Cargo mit sogenannten Flüsterbremsen ausgestattet. Dabei handelt es sich um Verbundstoffsohlen, die leiser sind als die herkömmlichen Räder der Güterwagen. Ende 2016 waren laut Bahn 32000 Güterwagen damit ausgestattet. Das entspricht laut Bahn 50 Prozent der in Deutschland eingesetzten Wagen. Ende 2017 sollen es rund 40000 Güterwagen sein. "Bis Ende 2020 werden alle relevanten Güterwagen der DB Cargo (insgesamt rund 64000) leise verkehren", verspricht die Bahnsprecherin.

Das beruhigt die Anwohner in Konz nicht. Sie beklagen sich, dass ja auch französische Züge durch die Stadt rollten, die nicht mit der modernen Technik ausgestattet seien. Diese Bedenken will die Bahnsprecherin zerstreuen. Der Bundestag habe ein Gesetz verabschiedet, das alte Güterwagen ab dem Fahrplanwechsel 2020/2021 in Deutschland verbietet. "Das Verbot von lauten Güterwagen gilt gleichermaßen für inländische wie auch für ausländische Wagenhalter", sagt die Bahnsprecherin. Das Unternehmen habe zum Fahrplanwechsel im Dezember 2012 durch die Einführung eines lärmabhängigen Trassenpreissystems Anreize zur Modernisierung der Güterzüge geschaffen. Konkret bedeutet das: Wer laute Waggons auf die Strecke schickt, muss mehr bezahlen.Info: Was die Bahn gegen Lärm tut

Seit Inkrafttreten des freiwilligen Lärmsanierungsprogramms der Bahn im Jahr 1999 sind laut Bahn insgesamt 1600 Kilometer bestehender Gleise saniert, 649 Kilometer Lärmschutzwände gebaut und fast 57?000 Wohnungen mit passivem Lärmschutz ausgestattet worden. Die Regeln für den Lärmschutz hat das Bundesverkehrsministerium zuletzt im Juli 2014 aktualisiert.

Laut der "Richtlinie für die Förderung von Lärmsanierungsmaßnahmen Schiene" können in Wohngebieten beispielsweise bei Überschreitung eines Dauerschallpegels von 67 dB(A) am Tag beziehungsweise 57 dB(A) in der Nacht Lärmschutzmaßnahmen gefördert werden. Für Anlieger der Strecken im Lärmschutzsanierungsprogramm heißt das, dass sie beim Einbau von passivem Schallschutz (zum Beispiel Schallschutzfenster) 75 Prozent der Kosten erstattet werden. Förderfähig sind nur Gebäude, die vor dem 1. April 1974 errichtet worden sind.
Meinung: Versprechen einhalten!


Es sieht nicht so aus, als würde die Bahn den Anwohnern in Konz kurzfristig beim Lärmschutz entgegenkommen. Die Nachbarschaftsinitiative muss wohl weiter dicke Bretter bohren, bis sie etwas erreicht. Der einzige Punkt, der den Konzern Hoffnung gibt, ist die laufende schalltechnische Untersuchung, die zur Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen führen könnte. Und immerhin kann die Initiative das Unternehmen auf die Aussage seiner Pressesprecherin festnageln: Die Bahn versichert ja immerhin, dass sie die Weiche vor den Häusern genau überprüfen möchte.
c.kremer@volksfreund.de