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Kreis kippt Kunstpreisverleihung

FOTO: aussteller
Trier/Konz. Der Landkreis Trier-Saarburg hat die Vergabe seines Kunstpreises für dieses Jahr abgeblasen. Nur elf Nachwuchskünstler hatten sich beworben, das war der Jury zu wenig. Der Preis wird Anfang 2015 neu ausgeschrieben. Marion Maier, Marion Meier

Trier/Konz. Nur elf Bewerbungen für den Kunstpreis des Kreises Trier-Saarburg. Rudolf Müller, Kulturreferent der Kreisverwaltung, ist ratlos. "Diese geringe Resonanz können die Jury und ich uns nicht schlüssig erklären. So wenige Interessenten hat es noch nie gegeben."
Seit 1986 wird der Preis verliehen, zunächst alle zwei, dann alle drei Jahre. Er richtet sich an Künstler bis 40 Jahre in der Großregion Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz-Wallonie und ist mit 5000 Euro dotiert. Die Auszeichnung wird im Wechsel für Werke der drei Sparten Malerei, Plastik und - wie in diesem Jahr - Grafik sowie Fotografie ausgeschrieben. 34 Nachwuchskünstler haben sich 2011 beworben, 2008 waren es 21, 2003 sogar 60. Eine Auswahl der Werke wird an wechselnden Orten ausgestellt, diesmal sollte dies im Kloster Konz-Karthaus sein. Zur Jury gehören Sachverständige wie Adolf Kuborn aus Konz, Professor für Grafik und Design im Ruhestand.
Verleihung, Ausstellung, Preisgeld - der Kreis lässt sich die Auszeichnung etwas kosten: In den vergangenen Jahren waren es jeweils 15 000 Euro, teilweise von Sponsoren finanziert. Müller verweist darauf, dass mittlerweile auch ein Katalog in Deutsch und Französisch zur Ausstellung produziert wird. Dies sei ein zusätzlicher Anreiz, auch Nicht-Preisträger könnten so etwas mit nach Hause nehmen.
Also alles richtig gemacht? Auch Bärbel Schulte vom Trierer Museum Simeonstift ist sehr überrascht über die geringe Resonanz, noch dazu in der ansonsten stark vertretenen Sparte Fotografie/Grafik. Zwar hat sie in den vergangenen Jahren auch für den Ramboux-Preis, den Kunstförderpreis der Stadt Trier, nur zwischen 15 und 18 Bewerbungen erhalten. Allerdings konzentriert sich diese Auszeichnung auf die Region Trier. "Hier hat uns immer eine richtige Kunstakademie gefehlt", sagt Schulte. In der Großregion gebe es die allerdings in Saarbrücken, Metz und Luxemburg.
Schulte mutmaßt, es könnte an der Altersgrenze liegen. Künstler bräuchten Zeit, um eine eigene Handschrift zu entwickeln - und die geburtenstarken Jahrgänge seien mittlerweile zu alt. Auch die veränderten Kommunikationsgewohnheiten könnten ihrer Meinung nach eine Ursache sein.
Das vermutet auch die Jury. Die Konsequenz: Der Kreis hat die Preisverleihung für dieses Jahr abgesagt und will die Auszeichnung Anfang 2015 noch einmal ausschreiben. Dann sollen neben der Tagespresse und den Fachorganen auch die neuen Medien stärker genutzt und die Kunsthochschulen der Großregion mittels Plakaten angesprochen werden.Meinung

Eine zweite Chance verdient
Das verwundert schon arg. Da wird dem Künstlernachwuchs eine mit 5000 Euro durchaus interessant dotierte Auszeichnung präsentiert und kaum jemand interessiert sich dafür. Ist der Kreis ein unattraktiver Preisstifter für unangepasste Künstler? Sind neue Künstler nur noch über neue Medien zu erreichen? Klar ist: Über die maue Beteiligung lässt sich nur spekulieren. Sinniger wäre es, wenn die Jury potenzielle Preisträger befragen und sich beispielsweise an Kunsthochschulen umhören würde. Kunst erfreut. Kunst hinterfragt. Kunst erweitert Bewusstsein. Kunst hat viele Funktionen. Sicherlich hat der Kunstpreis mit seiner fast 30-jährigen Geschichte auch schon deshalb eine zweite Chance verdient. Eine nochmalige Ausschreibung unter besonderer Berücksichtigung der neuen Medien ist daher sinnvoll. Doch wenn das nicht fruchtet, ist Handeln angesagt. Ein Preis, den keiner will, gehört abgeschafft. Immerhin 15 000 Euro investiert der Kreis in die Auszeichnung, Kataloge und Ausstellung inklusive. Auch wenn die Summe künftig allein über Sponsoren- und Stiftungsgeld finanziert werden soll, so kann sie in Zeiten klammer kommunaler Kassen doch für vieles, was sinnvoll ist, eingesetzt werden. m.maier@volksfreund.de