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Stadtentwicklung
Künftig Speisekarten statt Fahrkarten im Konzer Bahnhof

Das Team und sein Werk (von links): Steinmetz Konrad Schmitt, Bauleiter Patrick Zimmer, Bauelementspezialist Kurt Hassler, Architektin Daniela Schäfer-Anell, Dachdecker Josef Frank und Ifa-Geschäftsführer Wolfgang Schäfer.
Das Team und sein Werk (von links): Steinmetz Konrad Schmitt, Bauleiter Patrick Zimmer, Bauelementspezialist Kurt Hassler, Architektin Daniela Schäfer-Anell, Dachdecker Josef Frank und Ifa-Geschäftsführer Wolfgang Schäfer. FOTO: TV / Friedhelm Knopp
Konz. Der fast 120 Jahre alte Konzer Hauptbahnhof soll 2019 zu neuem Leben erwachen – allerdings nicht mehr als Teil der Verkehrsinfrastruktur, sondern als Gastronomiebetrieb.

Der Konzer Bahnhof wurde 1860 im italienischen Renaissancestil an der neuen Saarstrecke Trier-Saarbrücken errichtet. Bauherr war die Preußische Staatsbahn. In den 1920er Jahren übernahm die neue Deutsche Reichsbahn den Bau. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte als Hausherr die Bundesbahn, und der Abstieg des alten Prachtbaus begann.

In den 1990er Jahren zog die Deutsche Bahn AG ein. Nun ging es mit dem einstigen Prachtbau endgültig bergab. Als die Bahn 2014 den Betrieb auf ihre neue Station etwas weiter östlich umstellte, blieb eine von Wasserschäden zersetzte, aber denkmalgeschützte Ruine an der Bahnhofstraße zurück.

In der Ifa Gesellschaft für Immobilien mbH aus Schillingen fand sich aber ein Investor, der Erfahrung mit der Sanierung von maroden Baudenkmälern besitzt. Rund zwei Millionen Euro investiert die Gesellschaft in das Projekt, wobei sie mit 100 000 Euro Landesmitteln aus der Denkmalpflege unterstützt wird. Ende Mai begannen die Arbeiten, und Ifa-Geschäftsführer Wolfgang Schäfer plant, den fertig renovierten Bau mit Gastronomiebetrieb im Mai 2019 eröffnen zu können.

Zu seinen Hauptmitstreitern zählen als Architektin seine Tochter Daniela Schäfer-Anell, Bauleiter Patrick Zimmer, Dachdecker Josef Frank (Losheim), Bauelemente-Hersteller Kurt Hassler (Weiskirchen) und Steinmetz Konrad Schmitt (Kordel). Der TV traf sich mit dem Team auf der Baustelle, um vom Stand der Arbeiten zu erfahren. Das betagte Objekt an der Bahnhofstraße, dass man bei Baubeginn vorfand, war ein „schwerer Fall“ und für den Investor auch ein Ärgernis. Ifa-Geschäftsführer Schäfer nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wie die Bahn das Baudenkmal hinterlassen hat, ist eine Riesensauerei. Dabei hätte sich das ohne großen Aufwand vermeiden lassen.“ Schäfer meint die gewaltigen Wasserschäden, die sich von der Bahnsteigfront ins Innere in Mauern und Decken gefressen hatten. Ursache sei eine defekte Regenrinne, über die das Wasser über Jahre in die Bausubstanz habe eindringen können. Inzwischen sind die Fassaden wieder denkmalgerecht saniert worden. Dazu musste der Steinmetzbetrieb zahlreiche, total zersetzte Sandsteinquader durch originalgetreu behauene Steine austauschen. Im Inneren läuft derweil die Arbeit an den zerstörten Decken.

Besonders mitgenommen war der östliche Flachbau mit Scheinterrasse. Das total durchweichte Flachdach musste komplett erneuert werden. Und die einst als Stilelement dienenden Sandsteinbrüstungen der Scheinterrasse seien, so Schäfer, einfach mit Mörtel zugekleistert worden. Künftig könne der sanierte Anbau als Dachterrasse mit Zugang für die Gastronomie genutzt werden.

Komplett erneuert wurde das Dach des Hauptgebäudes. Dazu Dachdecker Josef Frank: „Für die denkmalgerechte Zinnabdeckung war viel Handarbeit notwendig. Zur Bearbeitung des Materials haben wir in Losheim auch historische Maschinen aktiviert.“ Auch die verrotteten Fenster sind neu – für ihren Austausch wurden in Absprache mit der Denkmalpflege vom Bauelementhersteller besonderer Aufwand betrieben. Kurt Hassler: „Die nicht mehr vorhandenen Originalfenster aus dem 19. Jahrhundert waren prägende Elemente der Fassadenoptik.

Wir haben die neuen Fensterstrukturen daher möglichst originalgetreu nach dem Vorbild des 19. Jahrhunderts hergestellt. Sie entsprechen trotzdem den heutigen Anforderungen von Wärme- und Schalldämmung.“ Dies sei mehr gewesen, als die Denkmalpflege verlangt habe. Im Obergeschoss in den ehemaligen Dienstwohnungen, die zu Tagungs- und Festräumen umgestaltet werden, sind noch die original Türen und Zargen aus dem 19. Jahrhundert erhalten.

Sie sollen sorgfältig saniert wieder an ihren Platz zurückkehren. Neu eingebaut werden der Personenaufzug bis zum Dachgeschoss und ein Speiseaufzug. Das dann ebenfalls ausgebaute Dachgeschoss erhält erstmals eine Funktion als Bankettsaal mit Klimaanlage für große Gesellschaften.

Ifa-Geschäftsführer Schäfer: „Wir danken allen beteiligten Betrieben, der Denkmalpflege, der Stadt Konz und ihren politischen Gremien für die gute Zusammenarbeit.“ Und Dachdecker Josef Frank meint: „Ohne diesen mutigen Investor wäre vom denkmalgeschützten Konzer Bahnhof in ein paar Jahren nichts mehr übrig gewesen.“