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Stiftung
Langer Eugen oder Tulpenfeld?

Jubiläum: zum zehnten Mal ein Konzer Abiturienten-Jahrgang auf Tour. Diesmal führte der gesponserte Ausflug in die frühere Bundeshauptstadt Bonn.
Jubiläum: zum zehnten Mal ein Konzer Abiturienten-Jahrgang auf Tour. Diesmal führte der gesponserte Ausflug in die frühere Bundeshauptstadt Bonn. FOTO: Konzert Doktorstiftung / Konzer Doktorstiftung
Konz. Abschlussfahrt führt die Konzer Abiturienten in die alte Bundeshauptstadt Bonn.

Noch vor einer Generation hätte bei den Worten Langer Eugen oder Tulpenfeld jeder gewusst, worum es sich handelt. Das nach dem Parlamentspräsidenten Eugen Gerstenmaier benannte Abgeordnetenhochhaus oder das Gebäude der Bonner Bundespressekonferenz waren jedem politisch Interessierten aus den Medien bekannt. Die Abi­turienten des Gymnasiums Konz lernten diese Gebäude nun auf ihrer Abschlussfahrt nach Bonn an Ort und Stelle kennen.

Die in diesem Jahr schon zum zehnten Mal organisierte  Tagesfahrt, die von der Konzer-Doktor-Bürgerstiftung und Volvo Construction Equipment Germany GmbH finanziert wurde, führte zunächst an der ehemaligen Ludendorff-Brücke in Remagen vorbei, wo der amerikanischen Armee 1945 der erste Rheinübergang gelang. Von hier aus ging es weiter nach Rhöndorf, dem Wohnsitz des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer und dann nach Bonn.

In der früheren Bundeshauptstadt waren die Schüler überrascht zu hören, dass auch heute noch über die Hälfte der Bundesministerien ihren Sitz in Bonn hat. Der Rundgang durch das ehemalige Regierungsviertel stand unter dem Motto „Vom Provisorium zur Hauptstadt“. War das erste Kanzleramt noch im Palais Schaumburg, einer Villa aus der Kaiserzeit, untergebracht, so musste bald ein größeres Gebäude her. Hierbei sollte jedoch nicht der Eindruck erweckt werden, dass Bonn dauerhaft Regierungssitz bleiben sollte und damit die deutsche Teilung anerkannt wurde. In den 1970er Jahren rechnete man jedoch nicht mehr so schnell mit der Wiedervereinigung, und so ist dem „neuen Kanzleramt“ heute noch deutlich anzusehen, dass es sich nicht mehr um ein Provisorium handelte.

Der Weg der Abiturienten führte auf dem „Weg der Demokratie“ am Bundeshaus vorbei zum Rhein, wo ein eisiger Wind pfiff. Es ging weiter zum Palais Schaumburg und zum Museum König, in dem 1949 der Parlamentarische Rat das Grundgesetz beschloss. Die Schüler waren über die Überschaubarkeit des Regierungsviertels überrascht, denn die Orte, an denen unsere heutige Demokratie entstand, liegen sehr eng beieinander. In nur neunzig Minuten war das alte „Zentrum der Macht“ durchwandert und die Schüler waren froh, als es ins Haus der Geschichte der BRD ging, wo sie sich aufwärmen konnten.

Hier zeigte die kürzlich überarbeitete Ausstellung die Entwicklung unseres Staates aus den Rui­nenlandschaften der 40er Jahre über die Zeit des Wirtschaftswunders und der darauf folgenden Ölkrise bis zur Wiedervereinigung und zum Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten.

Die Gruppenbegleiter verstanden es gut, die aus dem Unterricht bekannte Entwicklung der Bundesrepublik anhand von Originalobjekten lebendig werden zu lassen. So konnten sie Geschichte begreifen und „besitzen“, indem sie sich auf den Abgeordnetensitzen des alten Bundestages niederließen. „So nah an die Ursprünge unserer Demokratie kommt man nicht jeden Tag“, wie es ein Schüler formulierte.

Gegen halb sechs ging es auf den Rückweg nach Konz. Im Bus konnte man den Tag noch einmal Revue passieren lassen, an dem 70 Jahre deutscher Geschichte erlebt wurden.