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Mit dem Bürgerbus zum Einkaufen - Ehrenamtliche machen Service in Tawern möglich

Sie schwört auf die Helfer: Christine Prinz und Fahrer Robert Gorges mit dem Bürgerbus. TV-Foto: Friedhelm Knopp
Sie schwört auf die Helfer: Christine Prinz und Fahrer Robert Gorges mit dem Bürgerbus. TV-Foto: Friedhelm Knopp FOTO: Friedhelm Knopp (f.k.) ("TV-Upload Knopp"
Tawern. Einen besonderen Service bietet die Ortsgemeinde Tawern ihren Bewohnern: Wer kein eigenes Fahrzeug besitzt oder nicht mehr selber fahren kann oder will, dem steht für dringende Besorgungen ein kostenloser Bürgerbus zur Verfügung. Der TV hat den Bus auf einer Fahrt begleitet. Friedhelm Knopp

Tawern. "Das wird wohl ein ruhiger Tag" sagt Robert Gorges (68), als an diesem Mittwochmorgen der erste und bisher einzige Auftrag des Tages ansteht. Der Rentner steuert den Tawerner Bürgerbus, der im Volksmund wegen seiner riesigen Sponsorenaufschrift längst "Volksbankbus" genannt wird, wie seine zwölf Fahrerkollegen ehrenamtlich und im monatlich festgelegten Wechsel.

Gorges ist seit Beginn des Projekts im April 2015 dabei. Der Wagen gehört dem Förderverein des SV Tawern und dient am Wochenende für Mannschaftsfahrten. Gorges, selbst Mitglied im SV-Vorstand: "Als ich hörte, dass die Sache in Zusammenarbeit mit dem SV Tawern angeleiert wird. habe ich mich sofort gemeldet. Wo ich helfen kann, da helfe ich." Die ebenfalls ehrenamtliche Disponentin Victoria Heinz koordiniert den Einsatz der Fahrer und des Telefonkontakts: "Dass wir so viele freiwillige Fahrer haben, ist erfreulich und von Vorteil, denn so wird die Belastung gut auf alle Fahrer verteilt."

Auf der Anfahrt zum Haus des Fahrgastes berichtet Gorges von seinen bisherigen Erfahrungen als ehrenamtlicher Buschauffeur:
Dienstags und donnerstags ist die Nachfrage am stärksten. An den Dienstagen geht es meistens auf Einkaufsfahren nach Konz, an den Donnerstagen steht eher Saarburg auf dem Plan.
Und wie sieht es mit der Nachfrage aus dem Nachbarort Onsdorf aus, der wie Tawern keine durchgehende Busanbindung besitzt? Seit März ist Onsdorf in das Angebot einbezogen (der TV berichtete). Gorges: "Ich hatte noch keine Anfrage von dort, und auch die Kollegen wohl nicht." Inzwischen sei man skeptisch, ob sich das mit Onsdorf überhaupt lohnt. In dem kleinen Ort funktioniere offenbar die Nachbarschaftshilfe besonders gut: "Die helfen sich wohl lieber selber".

Dann ist das Haus von Christine Prinz (77) erreicht. Die pensionierte Lehrerin hilft im Rahmen eines Schulprojekts mit einigen Wochenstunden an der Grundschule St. Nikolaus in Konz aus. Auch jeden Mittwochmorgen lässt sie sich mit dem Bürgerbus zur Schule bringen, und um 14 Uhr geht es mit ihm zurück nach Tawern. Um ihr den Einstieg zu erleichtern, holt Gorges einen kleinen Zwei-Stufen-Tritt aus dem Gepäckraum und platziert ihn an der Seitentür. Das erinnert an die Schaffner amerikanischer Fernreisezüge, die ihren Fahrgästen auf gleiche Weise beim Aufstieg vom Bahnsteig zum Waggon helfen.

Zwar besitzt Christine Prinz ein eigenes Auto, doch das hilft ihr nicht viel. "Wegen gesundheilicher Probleme benutze ich sicherheitshalber für längere Fahrten nur noch den Bus. Ohne dieses Angebot hätte ich keine Möglichkeit, an die Schule nach Konz zu kommen", sagt Prinz. Dann folgt ein großes Lob für Fahrer und Organisatoren. Prinz: "Der Fahrdienst klappt wie am Schnürchen, und die Fahrer im Rentenalter sind alle sehr nett und hilfsbereit." Und natürlich trage sie nach jeder Tour etwas zur freiwillige Spendenkasse bei. Gorges: "Fast alle Fahrgäste spenden etwas in die Sammelbüchse im Wagen." Das sei nicht für den Fahrer, sondern trage zum Unterhalt des Busses bei.

Auf der Rückfahrt von Konz sagt Gorges: "Vermutlich ist der Bedarf größer als die tatsächliche Nachfrage, aber gerade viele Ältere trauen sich wohl nicht. Die haben vermutlich nur Angst, lästig zu werden."
Ortsbürgermeister Thomas Müller: "Der Zuschuss der Ortsgemeinde an den Sportverein als Eigentümer des Busses beträgt maximal 2400 Euro im Jahr und verringert sich durch Spenden der Nutzer entsprechend." Diverse Sponsoren tragen dazu bei, dass sich die Unterhaltskosten im Rahmen halten.Extra

Der Bürgerbus kann unter Telefon 0151/70031946 täglich zwischen 9 und 15 Uhr für eine kostenlose Fahrt in den Verbandsgemeinden Konz und Saarburg gebucht werden. Er steht Montag bis Freitag, ab 9 Uhr für den alltäglichen Bedarf (Arztbesuch, Einkauf, Banktermine, Besuche in Seniorenheimen und so weiter) zur Verfügung. Die Anfrage sollte spätestens einen Tag vor Fahrtantritt beim Organisationsteam eingehen. Auf Anforderung kommt der Bus auch ans Haus. Das Angebot richtet sich besonders an Senioren. Der kostenlose Bus ist kein Taxi-Ersatz: Es gibt keine Fahrten zu Volksfesten, zu Flughäfen, Bahnhöfen oder als "Shuttle" zu Partys oder Kindergeburtstagen. f.k.