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Verwandlung
Neue Vinothek zieht in alte Bahnhofswartehalle in Wiltingen (Video)

Die Architekten Vanessa Neukirch und Gerd Kintzinger (links) besprechen sich mit den Investoren Christian Benardczyk und Sonia Giraldo vor der künftigen Vinothek.
Die Architekten Vanessa Neukirch und Gerd Kintzinger (links) besprechen sich mit den Investoren Christian Benardczyk und Sonia Giraldo vor der künftigen Vinothek. FOTO: Benedikt Laubert / TV
Wiltingen . Ein Ehepaar saniert das Bahnhofsgebäude in Wiltingen. Es will dort Ferienwohnungen schaffen und einen Laden eröffnen. Ein lokaler Promi, der in der Wartehalle verewigt wurde, freut sich darauf. Von Christian Kremer
Christian Kremer

Ich kümmere mich beim Trierischen Volksfreund seit 2010 um die Konzer Ausgabe. Vorher habe ich ein Volontariat in der Redaktion absolviert und in Trier Germanistik, Politik- und Medienwissenschaft studiert. Mir ist es besonders wichtig, im Dialog mit den Lesern zu sein. Wer Anregungen hat kann sich jederzeit an mich wenden.

„Kleiner frecher Wolfgang Prinz“ steht in schwarzen Buchstaben an einer Wand der ehemaligen Wartehalle im alten Wiltinger Bahnhofsgebäude. Es ist ein Gruß an Wolli Prinz, den Sänger der in der Region Trier bekannten Band Unplugged Gang. Und es ist ein Indiz für die lange Geschichte des Bahnhofsgebäudes, die nun ein neues Kapitel bekommt. Christian Bednarczyk (39) und seine Frau Sonia Giraldo (39) haben das Gebäude, Baujahr 1860, gekauft und möchten es sanieren. Seit einigen Wochen ist das Bahnhofsgebäude komplett eingerüstet. Läuft alles nach Plan, erstrahlt es im Frühjahr 2019 in neuem Glanz.

Das Ziel: Die Bauherren sind 2013 nach Wiltingen gezogen und haben sich seitdem für das Gebäude interessiert. „Dann kam das Gespräch mit Freunden darauf, was in Wiltingen noch fehlt“, erzählt Bednarczyk, ein gebürtiger Franke, der in Luxemburg als Berater tätig ist. „Die Idee ist, zwei Ferienwohnungen reinzubringen und unten ein Café/Vinothek zu eröffnen.“ Er kann sich auch eine Außengastronomie vorstellen. Dafür investiert er laut eigener Aussage einen sechsstelligen Betrag.

Das Besondere: Bis es so weit ist, haben die Architekten Gerd Kintzinger und Vanessa Neukirch noch einiges zu tun. Sie kümmern sich für das Investorenpaar federführend um den Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes. Es wurde im 19. Jahrhundert im Stil der Neurenaissance gebaut und greift wie klassizistische Gebäude antike Formen auf. Kintzinger ist begeistert von dem Sanierungsprojekt: „Die richtige Nutzung ist das wichtigste für ein Denkmal, und das scheint hier der Fall zu sein“, sagt er. Die Bauherren, die eng mit dem Denkmalamt zusammenarbeiten und bei denkmalrelevanten Arbeiten auch Zuschüsse bekommen, seien sehr engagiert. Deshalb entwickle sich das Projekt in die richtige Richtung.

Ein Gruß an Wolli Prinz, den Sänger der in der Region Trier bekannten Band Unplugged Gang, zeugt von der langen Geschichte des Bahnhofsgebäudes in Wiltingen.
Ein Gruß an Wolli Prinz, den Sänger der in der Region Trier bekannten Band Unplugged Gang, zeugt von der langen Geschichte des Bahnhofsgebäudes in Wiltingen. FOTO: Benedikt Laubert / TV

Der Konzer Architekt kann das gut einschätzen, denn er hat einige Erfahrung mit Denkmalsanierungen, zum Beispiel bei den prestigeträchtigen Trierer Projekten im Frankenturm oder der Villa Reverchon. „Das macht viel mehr Spaß als normale Einfamilienhäuser“, sagt Kintzinger.

Die Arbeiten: Denkmalsanierungen bringen jedoch auch große Herausforderungen mit sich. Zwar hat die Bahn laut den Architekten damals stabil gebaut, es gibt aber immer Überraschungen. In Wiltingen haben die Arbeiter schon ein Larvennest in einem wichtigen Stützbalken gefunden, das komplette Dach ist marode, und in der Folge gibt es viele schimmelige Stellen in den Decken. „Zurzeit sind akut notwendige Sanierungen an Dach, Holzbalkendecken und Fassade im Gang, um das Gebäude vor weiteren Substanzschäden zu schützen“, beschreibt Kintziger das Vorgehen. „Die weiteren Umbau- und Ausbauarbeiten werden wohl im Frühsommer 2018 beginnen. “

Im Innern sieht man: Es ist noch viel zu tun.
Im Innern sieht man: Es ist noch viel zu tun. FOTO: Benedikt Laubert / TV

Vom Bahnhof zum Küchenstudio: Dass so viel zu tun ist, liegt an der bewegten Vergangenheit des Hauses. Es gehört 1860 zu den ersten Bahnhofsgebäuden an der damals neuen Saarstrecke zwischen Trier und Saarbrücken. Bis in die 1980er Jahre dreht sich in dem Baudenkmal auch alles um die Bahn. Pia Plunien (46), die heute in direkter Nachbarschaft wohnt, ist die Tochter des letzten Wiltinger Bahnhofswärters Franz Köppinger. Sie selbst hat mit ihren Eltern im Obergeschoss des Gebäudes gewohnt. Es sei zum Teil hart gewesen, das Gebäude mit den alten Ölöfen zu heizen, erzählt Plunien. Im Erdgeschoss links, wo die Theke und die Küche der neuen Vinothek hinkommen sollen, ist damals der Fahrkartenschalter. Im rechten Gebäudeteil, wo der Gastraum mit Tischen untergebracht wird, befindet sich bis in die 1980er Jahre die Wartehalle. Der Schalter schließt Mitte der 1970er, die Wartehalle bleibt bis 1981 erhalten. Dann übernimmt Wolfgang Tapp das Erdgeschoss. Der Wiltinger betreibt dort bis 1993 ein Küchenstudio. Die Köppingers wohnen bis 1999 im Obergeschoss.

Nachdem die Familie auszieht, passiert nicht mehr viel mit dem Haus. Der neue Eigentümer nutzt es nur noch als Lagerhalle. Lange sucht er einen Käufer – bis er Christian Bednarczyk und Sonia Giraldo gefunden hat. Pia Plunien sagt dazu: „Es hat weh getan, zu sehen, wie das Haus verfällt. Ich finde es toll, dass es nun erhalten wird.“

Der kleine freche Wolfgang: Und die neuen Eigentümer wollen nicht nur die historische Bausubstanz erhalten. Sie können sich auch vorstellen, Teile der Malereien auf den Wänden in der Wartehalle zu bewahren. Vielleicht erinnert dann in der Vinothek der Spruch an der Wand weiter an den kleinen frechen Wolfgang – und vielleicht tritt dieser sogar mal in der neuen Vinothek auf. Abgeneigt klingt Wolli Prinz im Gespräch mit dem TV jedenfalls nicht.