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Prostitution
Pellinger bekämpfen Prostitution

Dieser Abfall liegt im Straßengraben zwischen der B 268 und dem Panoramaweg. Die Pellinger vermuten, dass der Müll von den Sexarbeiterinnen stammt.
Dieser Abfall liegt im Straßengraben zwischen der B 268 und dem Panoramaweg. Die Pellinger vermuten, dass der Müll von den Sexarbeiterinnen stammt. FOTO: TV / Christian Kremer
Pellingen/Konz. Käufliche Liebe gibt es an der B 268 bei Pellingen schon länger. Nun will die Gemeinde dagegen vorgehen. Denn vielen missfällt, wohin sich die Sexarbeiterinnen nach der Arbeit zurückziehen.
Christian Kremer

Ich kümmere mich beim Trierischen Volksfreund seit 2010 um die Konzer Ausgabe. Vorher habe ich ein Volontariat in der Redaktion absolviert und in Trier Germanistik, Politik- und Medienwissenschaft studiert. Mir ist es besonders wichtig, im Dialog mit den Lesern zu sein. Wer Anregungen hat, kann sich jederzeit an mich wenden. Erreichbar bin ich per E-Mail an c.kremer@volksfreund.de

Wer regelmäßig auf der Pellinger, der B 268, unterwegs ist in Richtung Trier oder Hochwald, hat sie wohl schon gesehen. Auf den Parkplätzen hinter Pellingen in Richtung Trier bieten seit einiger Zeit regelmäßig mehrere Prostituierte ihre Dienste an. Damit tun sie nichts, was verboten wäre. Denn Prostitution ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Nur in Sperrbezirken ist sie verboten. Und in Pellingen gibt es keinen.

Das Angebot von Liebesdiensten stößt in der Nachbarschaft trotzdem auf wenig Gegenliebe. Laut dem Pellinger Ortsbürgermeister Horst Hoffmann haben sich schon viele Menschen darüber beschwert und die Gemeinde darum gebeten, etwas dagegen zu tun. Deshalb spricht auch der Ortsgemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag, 21. Juni, 19 Uhr, im Gasthaus Pellinger Höhe über das Thema und Strategien dagegen.

Bürger beklagen sich Die Bürger stören sich laut Hoffmann einerseits daran, dass die Frauen zum Teil sehr nah an der Bundesstraße stehen. Die Autofahrer hätten Angst, sie im Vorbeifahren mit dem Außenspiegel zu verletzen. Besonders verärgert seien die Menschen aber wegen des Rückzugsorts der Prostituierten. Nach getaner Arbeit fahren sie laut dem Ortschef weiter Richtung Pellingen und über einen Wirtschaftsweg unterhalb des Neubaugebiets Höthkopf bis zum Kandelburbrunnen am Karlskopf-Panoramaweg. „Dort parken und übernachten sie“, erzählt Hoffmann. Das Problem ist nicht nur, dass dieser Platz an der Traumschleife des Moselsteigs liegt. Die Strecke an dem Brunnen vorbei sei auch ein beliebter Spazierweg, auf dem abends viele Pellinger mit oder ohne Hund unterwegs seien.

Ihm sei auch zugetragen worden, dass sich die Sexarbeiterinnen an dem Brunnen waschen, sagt Hoffmann. Hinzu kommt der Müll: Plastikflaschen und Dosen, Kaffeebecher, ein altes Paar Schuhe und Gummihandschuhe liegen um die Sitzgruppe herum. Der Hang zwischen der Bundesstraße und dem Wirtschaftsweg sieht sogar wie eine wilde Müllkippe aus – auch beim Besuch des TV vor Ort. Hoffmann geht davon aus, dass der Abfall von den Prostituierten stammt.

Dabei hat die Ortsgemeinde eigentlich große Pläne für den Bereich. Sie will am Brunnen einen gemütlichen Rastplatz für Wanderer schaffen.Die Arbeiten dazu laufen. Im April hieß es im TV-Bericht über die Pläne für den Platz: „Trinkbar ist das Wasser jedoch nicht, eignet sich aber bei heißer Witterung bestens zur Abkühlung verschwitzter Gesichter und heiß gelaufener Füße im neuen Tretbecken.“

Vorgehen Die Füße der Prostituierten waren damit aber nicht gemeint. Deshalb überlegt die Ortsgemeinde, wie sie gegen das Verhalten der Frauen vorgehen kann. Hoffmann ist sich sicher: „Ohne Sanktionen passiert nichts.“ Er habe deshalb in einem ersten Schritt mit dem Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Konz und mit der Polizeiinspektion Saarburg über die Situation gesprochen, um den Kontrolldruck zu erhöhen. Langfristig stellt er die Schaffung eines Sperrbezirks zur Diskussion (siehe Info), damit die Verbandsgemeinde eine rechtliche Handhabe rund um Konz hat. Sein Argument: „Das kann genauso gut an der Obermosel passieren wie in Pellingen.“

Ordnungsamt Bei der Konzer Verwaltung äußert sich Pressesprecher Michael Naunheim zu dem Fall. Er spricht aber nur von einer Sexarbeiterin, nicht von mehreren: „Offenbar hatte sich eine Prostituierte auf dem Parkplatz an der B 268 zwischen Trier und Pellingen eingerichtet. Sie wurde inzwischen vom Ordnungsamt überprüft und des Platzes verwiesen, da sie keine amtliche Erlaubnis für ihr Gewerbe hat.“

Die Frau ist laut Naunheim am 14. Juni auch darüber aufgeklärt worden, dass sie im Wiederholungsfall ein Ordnungsgeld von bis zu 1000 Euro zahlen muss. Dieser Betrag sei fällig, wenn Prostituierte wiederholt gegen Anordnungen der Behörden verstoßen und zum Beispiel trotz vorheriger Verwarnung ihrer Anmeldepflicht nicht richtig nachkommen. Die Frau sei darauf hingewiesen worden, dass „dieses Gewerbe vergnügungssteuerpflichtig ist“. Naunheim: „Wenn die Besteuerungsgrundlagen nicht ermittelt oder berechnet werden können, dürfen wir diese auch schätzen.“ So  kämen fünf Euro pro Tag und  bei 25 Arbeitstagen 125 Euro pro Monat zusammen.

Polizei Die Polizei – sowohl die Inspektion in Saarburg als auch  das Dezernat für Gewalt gegen Frauen und Kinder-/Sexualdelikte bei der Kripo in Trier – weiß über die Situation Bescheid.  Sowohl die Kripo als auch die Beamten aus Saarburg haben die Frauen laut Angaben der Polizeipressestelle kontrolliert. Polizeisprecher Karl-Peter Jochem erläutert auf TV-Anfrage: „Strafrechtlich relevante Feststellungen wurden nicht gemacht.   Es gab lediglich Platzverweise, die mit der Beeinträchtigung des Straßenverkehrs auf der B 268 begründet sind.“ Grundsätzlich dürften die Damen an dieser Stelle ihrer Arbeit nachgehen, da es sich nicht um einen Sperrbezirk handelt.

Auf dem Parkplatz der B268 bei Pellingen fallen immer wieder Prostituierte auf.
Auf dem Parkplatz der B268 bei Pellingen fallen immer wieder Prostituierte auf. FOTO: Christian Thome
An diesem Rastplatz des Karlskopf-Panoramawegs übernachten die Prostituierten häufig nach getaner Arbeit.
An diesem Rastplatz des Karlskopf-Panoramawegs übernachten die Prostituierten häufig nach getaner Arbeit. FOTO: TV / Christian Kremer
An diesem Rastplatz des Karlskopf-Panoramawegs hinterlassen die Prostituierten laut der Ortsgemeinde Pellingen ihren Müll.
An diesem Rastplatz des Karlskopf-Panoramawegs hinterlassen die Prostituierten laut der Ortsgemeinde Pellingen ihren Müll. FOTO: TV / Christian Kremer
Auf diesem Parkplatz bieten die Prostituierten ihre Dienste an. Am Donnerstag wurden sie des Platzes verwiesen.
Auf diesem Parkplatz bieten die Prostituierten ihre Dienste an. Am Donnerstag wurden sie des Platzes verwiesen. FOTO: Christian Thome