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Petition
Temmelserin setzt sich für gehörlose Kinder ein

Temmels. Zurzeit läuft eine Petition zu Gebärdensprache im Schulunterricht. Eine Frau aus der Region hält sie für sehr wichtig. Von Christian Kremer
Christian Kremer

Ich kümmere mich beim Trierischen Volksfreund seit 2010 um die Konzer Ausgabe. Vorher habe ich ein Volontariat in der Redaktion absolviert und in Trier Germanistik, Politik- und Medienwissenschaft studiert. Mir ist es besonders wichtig, im Dialog mit den Lesern zu sein. Wer Anregungen hat kann sich jederzeit an mich wenden.

Anja Schmit-Strack aus Temmels an der Obermosel ist gehörlos. Sie hat zwei Kinder, die ebenfalls gehörlos sind. Für ihren Sohn Fynn hat sie nach langem Ringen mit Behörden erreicht, dass er seit diesem Schuljahr am Unterricht in der Grundschule St. Marien in Nittel teilnehmen kann. In der Klasse ist dann immer ein Gebärdensprachendolmetscher dabei. Auch ihr Sohn Yann bekommt Unterstützung. Im Kindergarten sei immer eine Kommunikationsassistenz dabei, sagt Strack. Sie ist froh darüber, dass die Inklusion in diesem Fall funktioniert.

Die Temmelserin hat sich nun an den Trierischen Volksfreund gewandt, um auf die Probleme bei der Inklusion von Gehörlosen hinzuweisen. Um die Situation zu verbessern, läuft bis Samstag, 17. November, noch eine Petition. Sie kann im Internet unter www.openpetition.de unterzeichnet werden (siehe Info).  Darin geht es um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Obwohl die Bundesrepublik Deutschland die Konvention schon 2008 unterzeichnet hat, gibt es aus Sicht von Schmit-Strack noch großen Nachholbedarf – gerade bei Artikel 24. In Absatz 2 heißt es: „Die Vertragsstaaten ermöglichen Menschen mit Behinderungen, lebenspraktische Fertigkeiten und soziale Kompetenzen zu erwerben, um ihre volle und gleichberechtigte Teilhabe an der Bildung und als Mitglieder der Gemeinschaft zu erleichtern.“ Unter anderem sollten die Mitgliedstaaten dazu das Erlernen der Brailleschrift für blinde Menschen oder  Gebärdensprache für Gehörlose erleichtern. Dazu sollen die Staaten, so steht es im nächsten Absatz der Konvention, geeignete Maßnahmen zur Einstellung von Lehrkräften beitragen, die in Gebärdensprache oder Brailleschrift ausgebildet sind. Kinder werden in dem Artikel besonders hervorgehoben.

Schmit-Strack sagt: „Bei gehörlosen Kindern, die außer dem fehlenden Gehör gleichermaßen intelligent sind wie ihre Kindergarten- und Schulkollegen, sind die Chancen, das Ziel einer guten Schulbildung durch die Inklusion mittels Unterstützung durch qualifizierte Gebärdensprachdolmetscher zu erreichen, sehr hoch.“

Dass der Preis für die öffentliche Hand sehr hoch sei, dürfe nicht als Argument gelten, die entsprechende Unterstützung zu verweigern. Schmit-Strack fordert deshalb eine politische Diskussion darüber, ob Kreise oder Städte, das Land oder der Bund für die entstehenden Kosten aufkommen sollen.