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Meinun
Ein Possenspiel mit Beigeschmack

Die Trierer Weststrecke ist immer wieder für einen Aufreger gut. In diesem Fall geht es allerdings nicht um lärmende Güterzüge, die dort die Menschen nicht zur Ruhe kommen lassen.  Es ist ein unsinniger Fall von Reglementitis aus der Hauptstadt Berlin, der für Ärger sorgt. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Den Planern im Bundesverkehrsministerium scheint in der Großstadt der Blick auf die Gegebenheiten in der Provinz verloren gegangen zu sein. Eine für Schnellzüge und ICE sinnvolle, weil barrierefreie einheitliche Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern hat nur dort Sinn, wo ausschließlich diese Züge mit dieser Einstiegshöhe fahren. Auf Nebenstrecken und in Grenznähe, wo Züge anderen Maßstabs über die Schienen rollen, sorgen solche Vorgaben hingegen für unnötige Barrieren.

Die Verzögerung beim Ausbau der Weststrecke ist ein Possenspiel mit fadem Beigeschmack. Bitter könnte er werden, wenn tatsächlich wegen des Beharrens auf der Einheitshöhe alles neu  geplant werden müsste. Dann würde es noch viel länger dauern, bis die beiden neuen Regionalbahnlinien in Betrieb gehen könnten. Für die Stadtteile westlich der Mosel wäre das ebenso ein Dilemma wie für die Orte an der Saarstrecke.