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Rätsel am Ufer der Mosel

Das Wappen von Wasserliesch: Links die Mosel, rechts eine Rohrkolbenpflanze. TV-Foto: Kim-Björn Becker
Das Wappen von Wasserliesch: Links die Mosel, rechts eine Rohrkolbenpflanze. TV-Foto: Kim-Björn Becker
Das Wappen der Gemeinde Wasserliesch gibt Rätsel auf: Neben der Mosel zeigt es eine Wasserpflanze, die nur auf Umwegen mit dem Ort in Verbindung steht. Und warum wurde das mutmaßliche Ortswappen von Reinig nach seiner Entdeckung 1912 wieder in die Mosel geworfen?

Wasserliesch. (kbb) Noch aus keltischer Zeit sind Urkunden überliefert, die den Ort "Liesch" erwähnen. Zur Zeit des römischen Imperiums als latinisiertes "Lutiacum" bezeichnet, wurde der Ort im 15. Jahrhundert in seine bis heute gültigen Namensteile umbenannt: Wasserliesch und Liersberg. Wappen-Pflanze ist keine Liesche

Diese Namensgeschichte ist auch für das Wasserliescher Ortswappen von Bedeutung, das in seiner jetzigen Form erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstand: Das zweigeteilte Schild zeigt auf der linken Seite den heraldisierten Flusslauf der Mosel auf grünem Gründ, rechts befindet sich eine grüne Wasserpflanze auf silbernem Grund. Diese ist der Hinweis auf die "Liesche", eine dem Ortsnamen zweifelsfrei ähnlich klingende Pflanze. "Allerdings handelt es sich bei der abgebildeten Pflanze nicht um die Liesche", weiß Heimatforscher Ferdinand Hein. "Abgebildet ist eine Rohrkolbenpflanze, die hier früher wuchs und heute nur noch vereinzelt anzutreffen ist - die Liesche wächst in dieser Gegend aber überhaupt nicht." Wappen entstand wohl erst nach dem Zweiten Weltkrieg

Die stilisierte Abbildung der Mosel weist zweifellos auf die Lage des Ortes unmittelbar am Moselufer hin. Warum aber gerade die Liesche nur wegen der Ähnlichkeit des Namens ausgewählt und dann doch eine ganz andere Pflanze ins Wappen aufgenommen wurde, ist bis heute ein Rätsel. Denn das Wappen entstand aller Wahrscheinlichkeit nach erst nach dem Zweiten Weltkrieg, wie es bei vielen Ortswappen der Verbandsgemeinde der Fall war.Doch auch der Wasserliescher Ortsteil Reinig hatte ursprünglich ein eigenes Wappen: Der Schild der Grafen zu Crychingen und Pittingen, eines lothringschen Adelsgeschlechts mit bedeutendem Einfluss im 12. und 13. Jahrhundert. Altes Reiniger Wappen rekonstruiert

Das alte Reiniger Wappen wurde 1912 bei Ausgrabungen auf dem Schluss-Stein eines Torbogens entdeckt, aber aus unbekannten Gründen nicht aufbewahrt. Einzig die damalige Beschreibung erlaubte eine Rekonstruktion des Wappens durch das Staatsarchiv Koblenz: Demnach ist das Reiniger Wappen in vier Teile geteilt, in deren Feldern sich jeweils diagonal zwei Ankerkreuze und vier rote Linien auf silbernem Grund finden.Vor fünf Jahren entwarf die Gemeinde Wasserliesch überdies ein neues Logo: Es zeigt den Löschener Berg, den Flusslauf der Mosel und die Pfarrkirche St. Aper. Das Motto lautet: "Wasserliesch - am Fluss der Geschichte".