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Stadtentwicklung
Warum Karthaus ohne Islam-Vereine feiert

Wie bei der ersten Ausgabe des Stadtteilfests in Karthaus tritt wieder ein Gospelchor auf.
Wie bei der ersten Ausgabe des Stadtteilfests in Karthaus tritt wieder ein Gospelchor auf. FOTO: EKKT Trier / Maike Roeber
Konz. Von dem Programm Soziale Stadt profitieren Bauprojekte genauso wie das Stadtteilfest. 20 Gruppen beteiligen sich, die beiden muslimischen fehlen allerdings am Sonntag, 2. September. Die eine hat Personal-, die andere Raumprobleme. Von Christian Kremer
Christian Kremer

Ich kümmere mich beim Trierischen Volksfreund seit 2010 um die Konzer Ausgabe. Vorher habe ich ein Volontariat in der Redaktion absolviert und in Trier Germanistik, Politik- und Medienwissenschaft studiert. Mir ist es besonders wichtig, im Dialog mit den Lesern zu sein. Wer Anregungen hat kann sich jederzeit an mich wenden.

1000 Besucher sind 2017 zum ersten Stadtteilfest in Karthaus gekommen. 13 Gruppen haben sich beteiligt. Alle Beteiligten feierten es als Erfolg. Diesmal am Sonntag, 2. September, sollen es laut Quartiersmanager Dominik Schnith noch mehr Besucher als 2017 und 20 Gruppierungen sein: Darunter sind die evangelische und katholische Kirche, aber auch etliche andere Institutionen und Vereine von der Kolpingsfamilie über die Karthäuser Kindergärten bis zum Musikverein Concordia Konz. Die Karthäuser zeigten bei dem Fest, wie bunt und vielfältig ihr Stadtteil sei und was er alles zu bieten habe, heißt es in der offiziellen Ankündigung des Quartiersmanagements.

So weit, so gut. Doch beim zweiten Blick in die Einladung fällt direkt auf, dass sich keiner der beiden in Karthaus tätigen islamischen Vereine aktiv beteiligt. Quartiersmanager Schnith, der sich unter anderem im Interkulturellen Netzwerk Konz für ein friedvolles und aktives Zusammenleben vieler Kulturen einsetzt, ist die Enttäuschung darüber anzumerken: „Das ist schade, dass sich die muslimischen Vereine nicht beteiligen“, sagt er. „Da verpassen sie eine Chance, sich im Stadtteil zu präsentieren und zu integrieren.“ Gerade bei der türkischen Gemeinde bedauere er, dass sie sich nicht aktiv einbringe, weil viele der Gemeindemitglieder Karthäuser seien.

Tevhit Yilmaz, Sprecher der türkischen Gemeinde, die zur Türkisch-islamischen Union (Ditib) gehört, sagt auf TV-Anfrage: „Viele der Verantwortlichen sind im Urlaub. Deswegen organisieren wir nichts für den Tag.“ Unter den Abwesenden seien unter anderem der Imam und der erste Vorsitzende des Vereins. Yilmaz versichert aber, dass die Gemeinde ihre Mitglieder aufrufe, an dem Fest als Besucher teilzunehmen. 

Auf Anfrage beim Islamischen Verein Konz sagt Ayyub Mathieu, dass er nicht aktiv teilnehme, weil der Verein nicht wisse, wo er ab dem 1. Oktober unterkomme. Deshalb gebe es dieses Jahr auch keinen Tag der Offenen Moschee. Bis Ende September müsse der  Verein die Räume in der Brunostraße 93 verlassen, weil der Vermieter Eigenbedarf angemeldet habe, heißt es auf der vereinseigenen Facebookseite. Im gleichen Facebook-Post bittet der Verein um Hilfe bei der Suche nach neuen Gebetsräumen in Konz, die 100 bis 200 Quadratmeter groß sein sollen. Noch habe man kein neues Heim gefunden, sagt Matthieu.

Obwohl beide Vereine fehlen, bringen sich Muslime auch auf der Bühne ein. Laut dem evangelischen Pfarrer Christoph Urban hat eine Muslima angekündigt, sich an dem interreligiösen Abschlussgebet zu beteiligen, das für 18 Uhr geplant ist.

Dass es überhaupt ein Stadtteilfest gibt, verdanken die Karthäuser dem Bund-Länder-Förderprogramm Soziale Stadt. Im Rahmen dieses Programms organisiert Quartiersmanager Schnith das Fest zusammen mit der Evangelischen Kirche und anderen. Damit ist das Stadtteilfest die größte Veranstaltung im Rahmen des Programms. Ansonsten wurden eher größere Bauprojekte wie das neue Mosel-Ufer oder die Umgestaltung der Karthäuser Hauptstraße aus dem Fördertopf mitfinanziert. Allein für die öffentlich finanzierten Projekte sollen im Programmzeitraum von 2011 bis 2021 rund 4,9 Millionen Euro Fördergeld für Karthaus bereitstehen. Die Stadt und andere Institutionen wie das DRK (Seniorenheim), die Caritas (Sozialstation) oder die Evangelische Kirche (Gemeindezentrum) investieren ein Vielfaches der Fördersumme, die Bund und Land bereitstellen. Um auch kleinere Ideen zu fördern hat der Stadtrat einen Fonds eingerichtet, für den noch Interessenten gesucht werden (siehe Info).