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Straßenumfrage in Konz: "Haut ab, ihr Gutmenschen"

Das BAMF ist mit gut 430.000 angestauten Verfahren ins Jahr 2017 gestartet. Foto: Daniel Karmann
Das BAMF ist mit gut 430.000 angestauten Verfahren ins Jahr 2017 gestartet. Foto: Daniel Karmann
Konz. Die Arbeitsgruppe Flucht und Asyl wollte wissen, wie die Menschen in Konz zu den Flüchtlingen stehen. Dazu haben Ehrenamtler eine Straßenumfrage gemacht. Alexander Schumitz

Konz Mitarbeiter und Ehrenamtliche der Caritas haben sich vier Stunden in die Konzer Innenstadt gestellt. Ihr Ziel: Menschen auf der Straße ansprechen und mit ihnen über das Thema Flüchtlinge sprechen. "Wir wollten uns ein Bild machen, wie Flucht aus der Heimat und Migration nach Deutschland in Konz diskutiert werden", sagt Thomas Zuche, zuständig für die Betreuung der Ehrenamtler in der Caritas-Arbeitsgruppe Flucht und Asyl über den Beweggrund für diese Umfrage.

Geführt wurden an einem Nachmittag rund 30 Gespräche. Neben viel Zuspruch habe es auch deutliche Kritik an der Asylpolitik der Bundesrepublik gegeben. Ein Passant forderte etwa: "Haut ab, ihr Gutmenschen!" Eine weitere Diskussion mit diesem Herrn sei nicht möglich gewesen, sagt Zuche zu dem Vorfall, den er aber auch als Ausnahme sieht.

Mit den gesprächigeren Passanten habe man sich - so Zuche - beispielsweise über Themen wie Heimat, Angst, Flucht, Vielfalt und Toleranz ausgetauscht. Dabei habe sich gezeigt, dass die Aufnahme von Flüchtlingen von denen positiv wahrgenommen wurde, die im direkten Kontakt mit diesen Menschen stehen. Viele Konzer begegnen Flüchtlingen im Lauftreff, in der Schule, in der Nachbarschaft oder in ihrem beruflichen Umfeld.
Je mehr das Bild der Migranten durch Medien geprägt sei, desto größer seien Vorbehalte und Ängste. Zuche berichtet von einem Gespräch mit einer älteren Frau, die den Zweiten Weltkrieg noch als Kind erlebt habe. Sie hätte schildern können, wie schwierig für sie ihre Lage nach der Flucht in den Westen war. Sie meinte: "Wer sich integriert, der soll bleiben dürfen."

Manchen mache es aber laut Zuche Angst, dass so viele Menschen "unbekannter Herkunft" auf den Straßen zu sehen seien. Ein Mann habe auch die Meinung vertreten, dass das Geld, das für die Aufnahme von Flüchtlingen ausgegeben werde, besser für Einheimische investiert werden sollte.

Etliche Menschen, die von der Caritas angesprochen wurden, wollten sich zu dem Thema nicht äußern. "Wir vermuten, dass auch diese Menschen eher negativ gegenüber Flüchtlingen eingestellt sind", sagt Zuche.
Trotzdem bewertet er die Umfrage positiv: "Sie hat gezeigt, dass die Bevölkerung bei dem Thema Flüchtlinge gespalten ist." Für den Caritas-Mann ist klar, dass es eine Fortsetzung dieses Straßendialogs geben wird.