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Unvergessene Schicksale

Wawern. Buch, Konzert und Ausstellung: Aus diesem Dreiklang besteht ein besonderes kulturelles Angebot, das an diesem Wochenende präsentiert wird. Veranstalter ist der Verein "Gedenken und Gestalten. Gedenkarbeit und Leben ohne Diskriminierung in der Großregion SaarLorLux-Rheinland-Pfalz und Wallonien". Jürgen Boie

Wawern. Außergewöhnliche Musik voller Lebensfreude und Traurigkeit ertönt an diesem Samstag um 19 Uhr in der Wawerner Synagoge. Neben dem Bezug zum 9. November 1938, der sogenannten Reichskristallnacht, steht das Klezmer- und Jazz-Konzert des Trios Helmut Eisel & JEM in Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines neuen Buchs der Germanistin und Soziologin Pascale Eberhard aus Wawern. Das Werk dokumentiert die Situation von mehr als 500 jüdischen Bürgern aus Luxemburg und Trier nach ihrer Deportation in das Ghetto Litzmannstadt (polnisch Lodz) im Jahr 1941.
Parallel zur Buchveröffentlichung und zum Konzert ist die Ausstellung "Jetzt wissen wir erst, wie schön die Heimat war" im Kreismuseum Bitburg-Prüm in Bitburg zu sehen. Unter anderem wird in der Ausstellung (und im Buch) die Lebensgeschichte der Wawerner Familie Hirschkorn skizziert. "In Wawern ist das Hirschkorn-Haus durchaus bekannt, aber die wenigsten kennen das Schicksal der Familie", sagt Forscherin Pascale Eberhard.
Die Zusammenführung von Buchveröffentlichung, Konzert und Ausstellung dient auch dem Gedenken an die Reichskristallnacht vom 9. November 1938, in der in ganz Deutschland jüdischer Besitz zerstört und Synagogen angezündet wurden. Auf das Schicksal des jüdischen Bürgers und Augenzeugen Heinz Joseph aus Laufersweiler im Hunsrück, der das Ghetto und die sich anschließenden Deportationen in Konzentrationslager überlebt hat, wurde sogar die Shoah-Foundation des amerikanischen Regisseurs Steven Spielberg aufmerksam. Im Bitburg-Prümer Kreismuseum ist Josephs Geschichte in einem Video zu sehen. Deutlich wird, dass sich die Familie Joseph sehr wohl über die Gefahr für ihr Leben bewusst war und sich bereits um eine Ausreise in die USA bemühte. Doch bevor die notwendigen Papiere zusammengestellt werden konnten, ereignete sich die Pogromnacht des 9. November 1938, und Heinz Joseph konnte nur noch nach Luxemburg fliehen. Dass er dort nicht sicher war, erkannte der junge Mann erst, als die deutsche Wehrmacht in das Land einmarschierte. Doch dann war es zu spät für eine Flucht.
Von der Kraft und dem Überlebenswillen der jüdischen Bürger im Ghetto Litzmannstadt, das bis August 1944 bestand, wird im Konzert von Helmut Eisel & JEM vermutlich einiges nachfühlbar. Von den 518 Deportierten aus dem Jahr 1941 haben nur 15 Menschen überlebt.
Extra

Konzert: Helmut Eisel & JEM, Samstag, 10. November 2012, 19 Uhr, Synagoge Wawern, Karten im Vorverkauf 20 Euro (Buchhandlungen Kolibri, Konz; Bücher Volk, Saarburg; Ile de Ré, Trier), an der Abendkasse 22 Euro Buch: Der Überlebenskampf jüdischer Deportierter aus Luxemburg und der Region Trier im Ghetto Litzmannstadt, Herausgeberin Pascale Eberhard, Saarbrücken 2012, 26,50 Euro, erhältlich in allen Buchhandlungen Ausstellung: "Jetzt wissen wir erst, wie schön die Heimat war", Kreismuseum Bitburg-Trier, Trierer Str. 15, Bitburg, 8. November bis 3. Februar 2013, Öffnungszeiten samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung (Telefon 06561/683888), freier Eintritt. jbo