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Trier
Die neue Bahnlinie muss noch warten

Moderne Doppelstocktriebzüge vom Typ Kiss der Firma Stadler sollen auch auf der reaktivierten Weststrecke in Trier fahren.
Moderne Doppelstocktriebzüge vom Typ Kiss der Firma Stadler sollen auch auf der reaktivierten Weststrecke in Trier fahren. FOTO: Stadler Kiss / Stadtler Kiss
Trier/Konz/Saarburg. Zwischen Saarburg und Trier-Ehrang sollten ab Ende 2020 die Züge einer neuen Bahnlinie fahren. Doch daraus wird vorerst nichts. Schuld ist der Streit um 21 Zentimeter. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Die mehr als 45 Millionen Euro teure Reaktivierung der Bahnstrecke im Trierer Westen für den Personennahverkehr ist ein ambitioniertes Projekt. Zwei neue Regionalbahnlinien mit modernsten Zügen sollten dort ab Dezember 2020 jeweils im Stundentakt fünf neue Haltepunkte bedienen. Profitieren werden davon auch Bahnkunden aus dem Konzer und dem Saarburger Land. Doch daraus wird vorerst nichts. Mindestens ein Jahr länger als geplant wird der Ausbau der Strecke dauern. „Der Zweckverband SPNV-Nord bedauert die inzwischen absehbaren Verzögerungen, die infolge der leidigen Diskussion über die ,richtige’ Bahnsteighöhe unvermeidlich erscheinen“, verpackt Verbandsdirektor Thomas Geyer seinen Ärger in diplomatische Worte.

STREIT UM EINHEITSHÖHE Müssen alle Bahnsteige in Deutschland eine Höhe von 76 Zentimetern haben, wie es das Bundesverkehrsministerium als neue Vorgabe formuliert hat? Oder kann es bei der Vereinbarung aus dem Jahr 2011 bleiben, dass auf bestimmten Nebenstrecken 55 Zentimeter zulässig sind? Bevor diese Frage nicht geklärt ist, kann das Planfeststellungsverfahren für den Ausbau der Weststrecke nicht abgeschlossen werden. Dieses ist allerdings Voraussetzung für den Baubeginn der fünf geplanten neuen Haltepunkte in Trier.  Mindestens zwölf Monate, so eine Einschätzung der Deutschen Bahn AG, wird sich das gesamte Planungs- und Bauverfahren verzögern (der TV berichtete). Nach Aussage von SPNV-Chef Thomas Geyer ist nach heftigem Protest auch durch diverse Bundesländer inzwischen ein Ausnahmekatalog in Bearbeitung, um Abweichungen von der allgemeinen Vorgabe auf einzelnen Strecken doch ermöglichen zu können.

Auf der Weststrecke ist die geringere Höhe vor allem deshalb sinnvoll, weil sie Teil der neuen Regionalbahnlinie 83 (Wittlich-Luxemburg) ist, auf der moderne Doppelstocktriebzüge unterwegs sein werden, die von der staatlichen Eisenbahngesellschaft CFL  bereitgestellt werden. Die Züge sind auf das Luxemburger Schienennetz  abgestimmt, wo nahezu alle Bahnsteige mit einer Höhe von 55 Zentimetern gebaut werden.

Die Bahnlinie 83 soll nun wie geplant ab Dezember 2019 fahren. Sie wird aber zunächst mindestens zwei Jahre den Umweg über die Oststrecke und den Trierer Hauptbahnhof nehmen. Vorerst um mindestens ein weiteres Jahr verschoben ist der Start der Linie 84. SPNV-Chef Geyer: „Diese Linie, die zwischen Saarburg, Konz und Trier-Hafenstraße verkehren soll, wird erst dann ihren Betrieb aufnehmen, wenn die Weststrecke tatsächlich nutzbar ist.“

ÄRGER UND BEDAUERN Frühstens Ende 2021 wird das nach dem aktuellen Stand des Verfahrens sein. Darüber ist der Konzer Bürgermeister Joachim Weber wenig begeistert: „Diese lange Verzögerung ist für mich völlig unverständlich. Wir benötigen dringend den ÖPNV auf der Schiene und fühlen uns agehängt. Aber die nochmalige Verzögerung der Linie 83 ist typisch für die Bahn und ihr Projektmanagement.“ Weber freut sich dennoch auf das zusätzliche Angebot. „Die Taktung im Stundenrhythmus wird für die Menschen hier eine enorme Verbesserung sein.“

Das sieht auch der Saarburger Bürgermeister Jürgen Dixius so: „Von der Bahnlinie 84 versprechen wir uns eine bessere Anbindung von Saarburg nach Luxemburg sowie von Saarburg zum Hochschul-Standort Trier-Schneidershof“, antwortet der Verwaltungschef auf die TV-Anfrage. „Je attraktiver das Bahn-Angebot, desto größer die Chance, die Städte vom Autoverkehr zu entlasten. Die Verzögerung ist bedauerlich.“ Im Zusammenhang mit dem Thema Bahnsteige sei es wichtig, sie barrierefrei zu gestalten.

Zumindest bis zum Kreuz Konz wird das für die Linie 84 gelten. Dort ist für 1,2 Millionen Euro ein zusätzlicher Bahnsteig geplant, der ebenfalls von der Deutschen Bahn gebaut wird. Von den Diskussionen um die Bahnsteighöhen ist der allerdings nicht betroffen. Weil dort nur Fahrzeuge mit einer Einstiegshöhe von 80 Zentimetern des Elektro-Netzes-Saar halten werden, war dort von Beginn an die vom Bund verlangte Einheitshöhe vorgesehen. An den fünf neuen Haltepunkten auf Trierer Stadtgebiet wird aber möglicherweise dann eine 25 Zentimeter hohe Trittstufe zu überwinden sein.

HÄNGEPARTIE WESTSTRECKE Den Verantwortlichen bei der Stadt Trier brennt allerdings mehr der ungewisse Beginn der Bauarbeiten auf den Nägeln. „Wir sind bereit und werden die städtischen Maßnahmen bis zur Inbetriebnahme der Strecke umsetzen“, sagt Baudezernent Andreas Ludwig mit Blick. Glücklich sei er über die Verzögerungen nicht, denn mit der fünf Millionen Euro teuren Gestaltung des Umfelds  der neuen Haltepunkte Hafenstraße, Kaiser-Wilhelm-Brücke, Euren und Zewen könne erst begonnen werden, wenn die Bahnsteige gebaut seien. „Davor werden die Flächen von der Bahn für die Einrichtung der Baustellen benötigt.“ Lediglich an der Römerbrücke soll bereits in diesem Jahr die Umgestaltung des westlichen Brückenkopfes starten. Denn das ist gleichzeitig Teil des Förderprogramms Stadtumbau West, das wegen zeitlich begrenzter Förderzusagen keine Verzögerung erlaubt.

Bild mit Symbolkraft. Auf der Saarstrecke werden noch länger keine zusätzlichen  Züge zwischen Saarburg und Trier-Ehrang unterwegs sein.
Bild mit Symbolkraft. Auf der Saarstrecke werden noch länger keine zusätzlichen Züge zwischen Saarburg und Trier-Ehrang unterwegs sein. FOTO: Marion Maier