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Kultur
Waschen, backen und wirtschaften

Birthe Weijkamp zeigt am Internationalen Museumstag der sechsjährigen Hannah Burger, wie in der Nachkriegszeit gewaschen wurde.
Birthe Weijkamp zeigt am Internationalen Museumstag der sechsjährigen Hannah Burger, wie in der Nachkriegszeit gewaschen wurde. FOTO: Matthias Willems
Konz. Die Gruppe Lebendige Geschichte 1939-49 zeigt im Freilichtmuseum Roscheider Hof, wie beschwerlich der Alltag der Bevölkerung nach dem Krieg war. Bei vielen Besuchern werden Erinnerungen wach. Von Matthias Willems

Ein paar Meter vor dem ehemaligen Konzer Güterschuppen ist ein Zelt aufgebaut. Die US-Flagge weht im Wind. Davor steht ein olivgrüner Jeep mit der Aufschrift „The Stars and Stripes“ und einem weißen Stern auf der Motorhaube. Das Fahrzeug gehört Gero Koller, der mit seiner Gruppe „Lebendige Geschichte 1939-49“ zum zweiten Mal der Einladung des Museums gefolgt ist und am Internationalen Museumstag mit seinen Kollegen unter dem Motto „Ersatzkaffee und Carepakete“ einen Einblick in das oft beschwerliche Leben der Nachkriegszeit gibt.

Er selbst spielt einen Kriegskorrespondenten der US Armee, wie an seiner Uniform erkennbar ist. Trotz der Präsenz des Militärs steht in Roscheid aber vor allem der Alltag der Zivilbevölkerung im Vordergrund. „Wir zeigen, mit wie wenig man damals auskommen musste“, erklärt Koller, der wie die anderen Darsteller Originalkleidung aus der Zeit trägt. „Wir beziehen uns mit in die Geschichte ein. Die Leute sind sehr interessiert“. Die Besucher haben auch die Gelegenheit, nach Notrezepten gebackenen Kuchen zu probieren oder Muckefuck (Ersatzkaffee) zu trinken. Neben der Gruppe Lebendige Geschichte 1939-49 schauen auch CVM (Collectionneurs de Véhicules Militaires) Steinsel aus Luxemburg vorbei, die beim zeitgleich stattfindenden Bunkerfest der Villa Gartenlaube in der Konzer Innenstadt zu Gast sind. Der Verein, der sich auf das Sammeln historischer Militärfahrzeuge spezialisiert hat, stellt vor dem Publikum die Gefangennahme deutscher Soldaten durch US-Streitkräfte dar. Birthe Weijkamp zeigt dem interessierten Publikum unterdessen, wie früher mit einfachen Hilfsmitteln von Hand gewaschen wurde.

Bis in die 50er Jahre war Waschen Schwerstarbeit, und in Dörfern schlossen sich die Frauen zusammen, damit es leichter ging. Der mühsame Waschvorgang mit Kochen, Einstampfen und Ausspülen mit Waschblau fasziniert vor allem die jüngeren Besucher, die selbst Hand anlegen dürfen. Bei den älteren Besuchern wecken die Szenen Erinnerungen an die eigene Kindheit. „Vieles kenne ich noch von früher. Meine Mutter hat diese Sachen auch beim Waschen benutzt“, sagt Anna Petry aus Konz. „Es ist interessant zu sehen, wie es nach dem Krieg war“, findet auch Herbert Greif aus Nittel.