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Kulinarisches
Weitere Triumphe des Saarweins

Die stolzen Macher vom Weingut Reverchon: Besitzer Hans Maret (links) und Betriebsleiter und Kellermeister Ralph Herke präsentieren in Filzen ihre frischen Trophäen.
Die stolzen Macher vom Weingut Reverchon: Besitzer Hans Maret (links) und Betriebsleiter und Kellermeister Ralph Herke präsentieren in Filzen ihre frischen Trophäen. FOTO: Dirk Tenbrock
Konz-Filzen. Das Konz-Filzener Weingut Reverchon erhält in London überraschend zwei wichtige Preise. Von Dirk Tenbrock

Wenn Hans Maret von der Verleihungszeremonie der IWSC-Trophy spricht, strahlen seine Augen. Seit 2007 ist der aus Trier stammende Geschäftsmann und Weinkenner Besitzer des Saar-Weinguts Reverchon in Konz-Filzen. Nun hat er beim renommierten International Wine and Spirits-Wettbewerb mit seiner 2015er Filzener Herrenberg Riesling Spätlese fruchtig den Preis für den besten Riesling des Jahres erhalten. Bei der Zeremonie in der historischen Londoner Guild Hall unweit des Towers wurde das Filzener Weingut auch noch zum Weinmacher des Jahres 2018 in Deutschland gekürt.

Eine Riesenüberraschung für Maret, der die Lorbeeren prompt an seinen Betriebsleiter und Kellermeister Ralph Herke weitergibt: „Er ist der Mann, der die Weine macht“, betont er im Gespräch mit dem TV. Herke war 2013 vom Rheingau-Weingut Schloß Vollrads an die Saar gewechselt und legt sein Augenmerk eigentlich auf trockene, mineralisch-schlanke Weine.

In mehreren „blinden“ Verkostungen – die Jury aus internationalen Sommeliers und anderen hochkarätigen Fachleuten probierte, ohne zu wissen, welcher Wein sich im Glas befindet – hatte sich Reverchons Wein gegen eine elitäre Auswahl bester Riesling-Produzenten aus der ganzen Welt durchgesetzt.

Die Britin Jancis Robinson, „Financial Times“-Kolumnistin und neben Hugh Johnson und Robert Parker zweifelsohne die einflussreichste Weinkritikerin der Welt, unterstützte die Riesling-Trophy und gab dem Preis ihren Namen.

Insgesamt fünf Weine hatte der Filzener Kellermeister ausgesucht, vom Basis-Gutsriesling bis zur fruchtsüßen Rarität. Auch diese Kollektion überzeugte die Jury dermaßen, dass Reverchon eben auch noch „German winemaker of the year“ wurde. Knapp 100 Weingüter hatten am Wettbewerb teilgenommen.

Der jüngste Reverchon-Erfolg prickelte ganz besonders: Beim Sekt­award der Zeitschrift Vinum  wurde der 2010er Riesling Crémant brut als Rieslingsekt des Jahres ausgezeichnet und belegte zudem den ersten Platz in der Gesamtwertung. Damit ist er „bester deutscher Sekt aller Kategorien“.

„Es war und ist ein mühsamer Weg“, sagt Seiteneinsteiger Maret, der sein Geld als Berater, Banker und Vermögensverwalter gemacht hat und nun in seinem neuen Metier auf Modernisierung und Expansion bei erstklassiger Qualität setzt. Gebäude und Technik wurden aufwendig renoviert, durch Zukäufe und Tausch („private Flurbereinigung“) vergrößerte sich die Rebfläche von acht auf 30 Hektar. So hat Reverchon jetzt Kernlagen im Ockfener Bockstein, wo kantige, würzige Rieslinge gedeihen –  eine gute Ergänzung zu den schlanken Weinen des Herrenbergs, aus dem der Siegerwein stammt. Den Boom der Saarweine sehen die beiden Weinmacher mit großer Freude, sie sind ja auch beispielhaft Teil davon.
Zwar als „Neueinsteiger“ von einer beachtlichen Größe nicht im Verband der Prädikatsweingüter (VDP) vertreten, aber dafür aktiv im Bernkasteler Ring, setzen die Reverchon-Macher auch auf Nachhaltigkeit in ihrem Betrieb. So werden beispielsweise keine Chemikalien wie Glyphosat mehr im Weinberg eingesetzt. „Wir stehen absolut dahinter, die Umwelt zu schonen und unseren Beitrag dazu zu leisten!“ erklärt Herke.

Übrigens: Den Siegerwein kann man in der Vinothek in Filzen (noch) bekommen. Die Flasche kostet 25 Euro.