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Weltkriegserbe in einem Konzer Hinterhof

Konz. Ein Teil des Westwalls steht in einem Konzer Hinterhof. Sascha Berweiler saniert das Weltkriegserbe zurzeit und baut es zum Museum um. So will er auf die Schrecken des Krieges aufmerksam machen. Für dieses Hobby hat er viel Zeit und Geld investiert. Christian Kremer

Wer derzeit durch die Konzer Granastraße läuft, stößt an manchen Tagen auf einen Aufsteller - hinter der Auslage eines Obst- und Gemüseladens in dem Haus mit der Nummer 25. "Hier entsteht das Westwallmuseum Konz - ‚Villa Gartenlaube\'", steht auf dem Hinweisschild. Davor hängt ein verrosteter, durchlöcherter Stahlhelm auf einer Metallstange. Ein roter Pfeil deutet in Richtung des Hinterhofs. Folgen die Spaziergänger dem Wegweiser, treffen sie in dem Hinterhof auf Sascha Berweiler. "Sobald das Schild draußen steht, kann jeder gucken kommen", sagt er.

Der 40-jährige Konzer hat vor drei Jahren an der Stelle einen Westwallbunker wiederentdeckt. Er hat das Objekt gereinigt, jetzt will er es restaurieren und zum Museum ausbauen. Neben rostigem Stacheldraht, Helmen, Besteck und Munitionsüberresten war auch ein Haufen Unrat in dem Bunker. Berweiler erzählt, wie er 420 Kilogramm Müll, 1,1 Tonnen belastetes Holz, 2,3 Tonnen Eisen sowie Altmetall und 10,2 Tonnen Bauschutt entfernt hat. Anfang Juli hat er den Bunker von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft. Er hat laut eigenen Angaben 400 Arbeitsstunden hineingesteckt und privat etwa 12 000 Euro investiert.

"Ich sehe das als Mahnmal", sagt er. Mit dem Bunkermuseum wolle er den Menschen zeigen, wie schrecklich Krieg sei. Für den Buchbinder und DJ ist das eine Freizeitbeschäftigung. Hintergrund seien seine eigenen Erfahrungen als Bundeswehrsoldat im Balkankrieg. Berweiler war 1995 in Kroatien stationiert. Dort hat er die Kriegsgräuel selbst gesehen.
Mit dem Museum wolle er die Leute wachrütteln - zum Beispiel, indem er den Leuten zeigt, wie eng es in dem Kriegsbunker, Baujahr 1937, zugegangen ist.
Auch wenn in rotblauer Schrift "Villa Gartenlaube", der Originalname des Bunkers, an der Wand der Gasschleuse geschrieben steht, ist das Objekt alles andere als eine Villa. Neben der 3,51 Quadratmeter großen Gasschleuse am Eingang sind noch der Mannschaftsraum (7,86 Quadratmeter) und der Munitionsraum (4,08 Quadratmeter) erhalten. Der Gefechtsraum wurde laut Berweiler vermutlich in den 1960er Jahren von dem Dach des Bunkers weggesprengt.
Bis zu 20 Menschen haben während des Zweiten Weltkriegs in dem Mannschaftsraum bei Fliegeralarm Schutz gesucht. Dabei ist der Raum schon beklemmend, wenn nur drei Menschen darin stehen.
Früher waren dort fünf Soldaten stationiert, die von der Villa Gartenlaube aus die Bahnstrecke und die Saarmündung bewachten.
Etwas Besonderes ist noch an der Rückwand des Bunkers zu finden: Die Soldaten haben dort ein Wandbild aufgemalt. Es zeigt die Hügel von Wasserliesch und Igel sowie die Saarmündung. Unten sind die Koordinaten eingezeichnet. Mithilfe des Wandgemäldes konnten die Soldaten per Funk klären, in wessen Schussfeld an der Bunkerlinie sich Feinde befanden.
Zurzeit kämpft Berweiler noch mit Wassereinbrüchen. Bis der Bunker komplett restauriert ist, vergeht vermutlich noch einige Zeit. Sorgen macht Berweiler sich wegen eines Kiesnests, durch das Wasser in den Bunker eindringen kann.
Deshalb sucht er noch Unterstützung: "Wir brauchen jemanden, der uns hilft, die Wand abzudichten - zum Beispiel eine Baufirma."
Obwohl die Stadt Konz ihm inzwischen Zugang zu ihrem Archiv gewährt hat, sucht Berweiler immer noch historische Bilder, aber auch Ausstellungsstücke.
Wer bei der Restaurierung des Bunkers helfen kann, Ausstellungsgegenstände und Fotos beisteuern will oder zusätzliche Infos braucht, kann sich bei ihm melden per E-Mail an sascha.berweiler@online.de oder telefonisch unter 0178/8817014.Extra

Bei dem Bunker im Konzer Hinterhof handelt es sich um einen Pionierbunker. Das Bauwerk wurde 1937 im Rahmen des Pionierprogramms errichtet, das die Nationalsozialisten von 1936 bis 1938 aufgelegt haben, um eine Bunkerlinie an der Westgrenze des damaligen Deutschen Reichs zu bauen. Mit seiner Wandstärke von einem Meter und der Deckenstärke von 80 Zentimetern ist der Konzer Bunker eine Sonderkonstruktion. Laut den Recherchen von Sascha Berweiler, der das Westwallmuseum in Konz aufbauen will, gibt es nur zwei Bunker dieser Bauart am gesamten Westwall. Obwohl sich die Verteidigungslinie mit mehr als 18 000 Einzelbauwerken über 630 Kilometer vom Niederrhein bis zur Schweizer Grenze erstreckte, stehen beide Sonderkonstruktionen in Konz. Von dort aus haben sie die Eisenbahn und die Brücken über Saar und Mosel im Blick gehabt. cmk