| 15:15 Uhr

Integration
Wenn aus dem Fremden der Nachbar wird

Dominik Schnith,Thomas Zuche, Iazzt Ehweich und Tevhit Yilmaz (von links) beteiligen sich seit Jahren an den Interkulturellen Wochen
Dominik Schnith,Thomas Zuche, Iazzt Ehweich und Tevhit Yilmaz (von links) beteiligen sich seit Jahren an den Interkulturellen Wochen FOTO: Elisabeth Jäckel
Konz. Die Interkulturellen Wochen in Konz bringen bereits seit zehn Jahren Menschen zusammen. Manche Begegnungen bleiben dabei auch lange danach noch im Gedächtnis.

Gemeinsam kochen, beten, lesen und diskutieren: Die Interkulturellen Wochen in Konz sollen Menschen verschiedener Kulturen zusammenbringen und zu einem friedlichen Miteinander beitragen. Bereits zum zehnten Mal organisiert das Interkulturelle Netzwerk Konz die Veranstaltungsreihe.

Im Jahr 2009 brachte Thomas Zuche, Sprecher des Netzwerkes, die Aktion nach Konz. „Hier geht man friedlich miteinander um“, sagt er. „Aber vielleicht ist das Miteinanderleben zu einem nebeneinander geworden“. Deshalb wollen die Interkulturellen Wochen, die in diesem Jahr unter dem Motto „Vielfalt erleben“ stehen, nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Gemeinsamkeiten zwischend den Kulturen aufzeigen.

Genau das tut auch Izzat Ehweich. Sie ist interkulturelle Fachkraft in der Kita Arche Noah in Konz, die sich ebenfalls an den Internationalen Wochen beteiligt. Auch außerhalb davon organisiert sie interkulturelle Nachmittage, bei denen sich bis zu 70 Elternteile aus verschiedenen Kulturen treffen. Für die Kinder sei es weniger ein Problem, wenn jemand anders aussieht oder anders spricht, sagt sie. Bei diesen Nachmittagen können dann auch die Eltern sehen, dass sich alle mit den gleichen alltäglichen Problemen beschäftigen.

Thomas Zuche bestätigt: „Alle Menschen haben Gemeinsamkeiten, diese wollen wir stärken.“ Insgesamt brachten die 72 Veranstaltungen der Interkulturellen Wochen schon rund 5000 Besucher zusammen. In diesem Jahr sind neun weitere Veranstaltungen geplant (siehe Info), die unter anderem von der Stadtbibliothek, dem Caritasverband oder dem Sozialraumzentrum Konz organisiert werden.

Die Türkisch-Islamische Gemeinde Konz beteiligt sich ebenfalls an den Interkulturellen Wochen. Nachdem die Gemeinde sich aufgrund von Personalproblemen nicht am Stadtteilfest in Karthaus beteiligen konnte (der TV berichtete), ist es der Gemeinde nun umso wichtiger, bei den Interkulturellen Wochen dabei zu sein. Für Türken und Muslime in Konz sei es wichtig, sich nicht zu verstecken, sondern die Gemeinde auch nach außen hin zu zeigen, so Tevhit Yilmaz, Sprecher der Türkisch-Islamischen Gemeinde. In Zukunft wollen sie noch enger mit der Stadt zusammenarbeiten, auch um ein Zeichen gegen ein negatives Islambild zu setzen. Eine Gelegenheit dazu ist der Tag der offenen Moschee am Mittwoch, 3. Oktober, der den traditionellen Schlusspunkt der Interkulturellen Wochen bildet. Dieses Jahr öffnet jedoch nur eine der beiden Moscheen ihre Türen. Laut Thomas Zuche liegt das daran, dass der Islamische Verein Konz nicht wisse, wo er ab dem 1. Oktober räumlich unterkomme.

„Seit den Anfängen der Interkulturellen Wochen hat sich einiges verändert“, sagt Zuche. Erst Anfang dieser Woche sind im Umfeld des Konzer Schulzentrums Aufkleber mit dem Text: „Islamisierung? Nicht mit uns!“ und dem Hinweis auf die Internetseite der Identitären Bewegung (IB) aufgetaucht. Die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sieht Zuche kritisch, aber die Interkulturellen Wochen seien eine Möglichkeit, dem entgegenzuarbeiten.

Am meisten berührt habe ihn eine Veranstaltung im Jahr 2012. Damals hat die Stadt ehemalige Gastarbeiter eingeladen, unter dem Motto „Auf Zeit. Für Immer“ ihre Geschichte zu erzählen. Zuche selbst haben die einzelnen Geschichten tief bewegt und die ehemaligen Gastarbeiter seien von der Veranstaltung begeistert gewesen. „Zum ersten Mal haben diese Menschen konkrete Anerkennung und Würdigung ihrer Leistung erfahren“, erinnert sich Zuche, „so viele leuchtende Augen habe ich selten gesehen“.

Die Interkulturellen Wochen sollen heute und in Zukunft zeigen, wie bunt Konz wirklich sei, sagt Zuche. Durch die Aktion erreiche man sowohl Menschen, die ihre Vorurteile abbauen würden, als auch die, die sich in ihrer interkulturellen Sicht bestätigt sehen. „Der Türke oder der Muslim muss ein Gesicht bekommen“, sagt Dominik Schnith, Ko-Sprecher des Interkulturellen Netzwerks Konz. „Dann wird er zum Nachbarn und zum Freund.“ Tevhit Yilmaz ergänzt: „Am Ende möchten wir alle friedlich miteinander leben.“