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Bombeneinsatz
Was der Konzer Bombeneinsatz kostet

Kampfmittelräumdienst nach getaner Arbeit: Marco Ofenstein, Jürgen Lenz, Frank Bender und Jürgen Wagner (von links) nach der Entschärfung der Fliegerbombe in Konz.
Kampfmittelräumdienst nach getaner Arbeit: Marco Ofenstein, Jürgen Lenz, Frank Bender und Jürgen Wagner (von links) nach der Entschärfung der Fliegerbombe in Konz. FOTO: Friedemann Vetter
Konz. Der rheinland-pfälzische Kampfmittelräumdienst hat vor drei Wochen eine 500 Kilogramm schwere Weltkriegswaffe mitten in Konz entschärft. Wie teuer das ist und wer zahlen muss, ist nicht gerade einfach zu ermitteln.
Christian Kremer

Ich kümmere mich beim Trierischen Volksfreund seit 2010 um die Konzer Ausgabe. Vorher habe ich ein Volontariat in der Redaktion absolviert und in Trier Germanistik, Politik- und Medienwissenschaft studiert. Mir ist es besonders wichtig, im Dialog mit den Lesern zu sein. Wer Anregungen hat kann sich jederzeit an mich wenden.

Wegen einer Weltkriegsbombe, die Bauarbeiter an einer Bahnbaustelle mitten in Konz gefunden haben, herrschte am 29. Oktober Ausnahmezustand in der Saar-Mosel-Stadt. Der Kampfmittelräumdienst (KMRD) hat sie zwar innerhalb einer Stunde entschärft, aber 6600 Menschen mussten zuvor das Gebiet rings um die Fundstelle verlassen. Mehr als 600 Helfer waren vor Ort – ein Teil davon war mehr als zwölf Stunden lang gefordert. Es hieß, dass es der größte Einsatz dieser Art im Landkreis Trier-Saarburg war. Das wirft im Nachgang mehrere Fragen auf, zum Beispiel die nach den Kosten und wer sie übernimmt.

Wie teuer ist der Einsatz? Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, schätzt die Kosten des Einsatzes auf 10 000 bis 15 000 Euro. Die anderen Beteiligten nennen auf TV-Anfrage bisher keine konkreten Zahlen. Michael Naunheim, Pressesprecher der Verwaltung in Konz, die den Einsatz geleitet hat, sagt: „Der finanzielle Aufwand für die Bombenentschärfung ist noch nicht ermittelt und muss erst zusammengetragen werden.“

Der Kreis und die Verbandsgemeinde Konz haben den Einsatz jedenfalls vorsorglich auf einen Sonntag gelegt, um die Kosten möglichst gering zu halten.  „Eine solche Maßnahme an einem Werktag durchzuführen, wäre eine viel größere Herausforderung für alle Beteiligten und Betroffenen“, sagt Naunheim. „Auch die große Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer, ohne deren Engagement ein solcher Einsatz nicht möglich ist, ist an einem Wochenende natürlich einfacher zu ermöglichen.“ Kreissprecher Müller weist zudem darauf hin, dass die ehrenamtlichen Helfer sonntags keinen Verdienstausfall haben, der bezahlt werden müsste. Dadurch werde der Einsatz ebenfalls günstiger.

Wer muss zahlen? Günstiger heißt aber nicht umsonst. Wie der Betrag letztlich aufgeteilt wird, steht noch nicht fest. Die Kosten für den KMRD, die Entschärfung und die Entsorgung der Bombe übernimmt nicht die Verbandsgemeinde Konz. „Da es sich bei der Bombe in Konz um eine amerikanische Fliegerbombe handelte, zahlt die Entschärfung und die Beseitigung des Blindgängers das Land Rheinland-Pfalz“, sagt der Konzer Verwaltungssprecher Naunheim.

Wie teuer das wiederum im Detail ist, kann Eveline Dziendziol, Pressesprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), bei der der KMRD angesiedelt ist, nicht sagen: „Es gibt keine separate Kostenaufstellung, nur einen Posten im Landeshaushalt für den Kampfmittelräumdienst.“ Dort sind im aktuellen Einzelplan 03 des Innenministeriums für die Jahre 2017/18 jeweils 1,448 Millionen Euro eingeplant. Einleitend heißt es dort, dass das Land die Kosten für die Entsorgung grundsätzlich trage. Nur wenn es sich um „reichseigene Munition“ handele, zum Beispiel Wehrmachtsgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg, erstatte der Bund die Kosten anteilig.

Was muss noch bezahlt werden? Naunheim weist auf mehrere weitere Kostenfaktoren hin – zum Beispiel für die Vorbereitung der Entschärfung: Absperrungen, Transporte hilfsbedürftiger Menschen, Sicherheitsdienste, Notunterkünfte, Verpflegung der Einsatzkräfte, aber auch Personalkosten oder der Druck von Handzetteln sowie Materialkosten wie Diesel für Einsatzfahrzeuge müssen bezahlt werden. „Für die Übernahme dieser Kosten gibt es unseres Wissens derzeit keine bundeseinheitliche Lösung“, sagt Naunheim. Weder Gesetze noch die Rechtsprechung beantworten die Frage. Der Pressesprecher verweist jedoch auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Hannover (Aktenzeichen 10 A 423/11). Laut diesem Urteil von 2012 zahlt der Bund für eine Bombenentschärfung im Rahmen des Ausbaus der Mittelweser, obwohl die Fliegerbombe 2009 auf dem Gebiet der niedersächsischen Gemeinde Hoya gefunden worden war. Wie in Konz wurde das Gebiet in einem Ein-Kilometer-Radius um die Bombe evakuiert. 2600 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Der Einsatz kostete 16 000 Euro. Dabei handele es sich jedoch um einen Einzelfall, sagt Naunheim.

Was ist mit der Bahn? Das bedeutet für Konz, dass die Deutsche Bahn möglicherweise, aber nicht auf jeden Fall in der Pflicht ist. Die Fliegerbombe wurde schließlich auf der Baustelle des Konzerns gefunden. Auf TV-Anfrage sagt ein Unternehmenssprecher: „Die Kosten der Bombenentschärfung sind in jedem Fall zu erfassen und erhöhen zunächst die Projektkosten. Inwieweit unsere Bauversicherung diese spezifischen Kosten übernimmt, wird geprüft werden.“ Der Konzern zieht also eine Übernahme der Kosten für den Rekordeinsatz zumindest in Betracht.

Was gibt’s sonst noch? Der Konzer Bürgermeister Joachim Weber bedankt sich unabhängig von der Kostendiskussion bei allen Einsatzkräften für ihre Hilfe und bei allen Bürgern für ihr Verständnis. Dazu hat er einen offenen Brief auf der Internetseite der Verwaltung (www.konz.de) veröffentlicht. Darin heißt es: „Nochmals vielen Dank für Ihre großartige Hilfe und Unterstützung.“