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Konz „
Erinnerungen an das Unfassbare bewahren

Ungewöhnliches Erlebnis: Sascha Berweiler (oben links) und Peter Janzen (Zweiter von rechts) gestatteten eine Klettertour auf dem Nachbau eines Panzers.
Ungewöhnliches Erlebnis: Sascha Berweiler (oben links) und Peter Janzen (Zweiter von rechts) gestatteten eine Klettertour auf dem Nachbau eines Panzers. FOTO: Herbert Thormeyer
Konz „. Ehemaliger Westwallbunker zeigt an drei Tagen authentisch, wie es dort in Zeiten des Krieges aussah. Neben Krankenschwestern und Uniformen zieht besonders ein Nachbau viele Blicke auf sich. Von Herbert Thormeyer

Villa Gartenlaube“, so wird ein Westwallbunker aus dem Jahr 1937 in einem Hinterhof der Konzer Granastraße scherzhaft genannt. An drei Tagen der offenen Tür bekamen rund 500 Besucher gezeigt, wie nah der Krieg vor Jahren war.

Star der Ausstellung von Militärfahrzeugen war ein amerikanischer Kampfpanzer, nachgebaut vom Original von Peter Janzen aus dem saarländischen Losheim. „Militärfahrzeuge sind mein Hobby. Da kenne ich jede Schraube dran“, sagt er. Er restauriert auch Militärfahrzeuge aus frühen Bundeswehrtagen. Janzen trägt eine amerikanische Uniform als JI der 82. Airborne Division.

Daneben steht Günther Voss aus Düren in Wehrmachtsuniform, ebenfalls eine Replik. Beide weisen weit von sich, auch nur im Entferntesten kriegsverherrlichende Verhaltensweisen an den Tag zu legen. „Wir wollen nicht mit rechten Gruppen in einen Topf geworfen werden. Uns geht es ganz allein um die Geschichte und die Bewahrung an das Unfassbare“, sagt Voss. Bei Sascha Berweiler, dem Besitzer des Bunkers, haben sich die beiden erst getroffen. Dessen Vater, Hans Berweiler, und sein Sohn sind fasziniert vom historischen Zusammenhang, wenn sie den Bunker, Zeitdokument oder wie diesmal ein Feldlazarett mit Originalausstattung, zeigen.

Von den Betten über die Bettpfannen, Sägen für Amputationen, Spritzen, Kanülen, alles ist da, um Schwerverletzte direkt behandeln zu können. Gezeigt wird es von Eva Phillipps aus Serrig und Yvonne Müller aus Klüsserath in ihre Rollen als Krankenschwestern. „Da hat man bestimmt starke Nerven haben müssen, wenn die vor Schmerzen schreienden Soldaten in ein solches Lazarett gebracht wurden“, versucht Yvonne sich vorzustellen. „Für mich wäre am schlimmsten gewesen, die hoffnungslosen Fälle von denen zu trennen, die man retten kann“, schaudert es Eva.

Thomas Wildberger aus Kirren im Hunsrück wird dieser Tage 50 Jahre alt. Er kann sich noch gut erinnern: „Als Kind weiß ich noch gut, wie Panzer im Manöver durchs Dorf gefahren sind. Das war eine Mischung aus Angst und Faszination.“ Gerade weil er einer Generation angehört, die keine Kriegskinder waren, ist es für ihn wichtig, die Erinnerung an das Grauen zu bewahren. „Heute ist der eigentliche Krieg der Kapitalismus“, fügt er noch hinzu.

Weitere Informationen, Fotos, Videos und Terminvereinbarungen unter
www.westwallmuseum-konz.de.