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Schule
Wie gefährlich ist der Weg zur Schule in Konz?

Nicht alle Schüler im Bus sind gleich in Rheinland-Pfalz: Die einen bekommen die Karte von den Eltern, die anderen von der Kommune.
Nicht alle Schüler im Bus sind gleich in Rheinland-Pfalz: Die einen bekommen die Karte von den Eltern, die anderen von der Kommune. FOTO: ZB / Peter Gercke
Konz-Könen. Eltern aus Könen und Wasserliesch beklagen, dass ihre Kinder nicht mehr kostenlos mit dem Bus fahren dürfen. Die Strecke wird geprüft.
Christian Kremer

Ich kümmere mich beim Trierischen Volksfreund seit 2010 um die Konzer Ausgabe. Vorher habe ich ein Volontariat in der Redaktion absolviert und in Trier Germanistik, Politik- und Medienwissenschaft studiert. Mir ist es besonders wichtig, im Dialog mit den Lesern zu sein. Wer Anregungen hat, kann sich jederzeit an mich wenden. Erreichbar bin ich per E-Mail an c.kremer@volksfreund.de

18 Schüler, die jeden Tag aus Könen oder Wasserliesch zum Konzer Schulzentrum müssen, bekommen ihre Fahrkarte für den Bus nicht mehr erstattet. Der Grund: Der für den Schüler-Transfer zuständige Kreis Trier-Saarburg hält den Fußweg von Könen/Wasserliesch nach Konz seit dem Schuljahr 2018/19 nicht mehr für gefährlich.

Ausgangssituation Laut Stephan Schmitz-Wenzel, zuständiger Geschäftsbereichsleiter bei der Kreisverwaltung, liegt diese Veränderung an Bedenken des Landesrechnungshofs, denen der Kreis nun folge. Der Rechnungshof habe schon in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass die Übernahme der Fahrtkosten für die Schüler aus Könen, die weniger als vier Kilometer vom Konzer Schulzentrum entfernt wohnen, nicht sein müsse, sagt Schmitz-Wenzel. Deshalb habe die Kreisverwaltung ihre Entscheidungspraxis überarbeitet. „Eine vergleichbare Situation gab es vor über zehn Jahren in Longuich“, sagt Schmitz-Wenzel. „Auch hier mussten wir nach einer Prüfung durch den Rechnungshof die besondere Gefährlichkeit des Schulwegs neu beurteilen.“ Die Konsequenz war, dass seit diesem Zeitpunkt die Kosten der Fahrkarten für die Orte Longuich und Kirsch nicht mehr übernommen werden. Ein konkreter Grund für die Neubewertung der Situation in Konz-Könen war die Inbetriebnahme der B-51-Ortsumgehung und die dadurch veränderte Verkehrssituation in dem Konzer Stadtteil. Statt 15 000 Fahrzeugen fahren derzeit noch etwa 5000 durch Könen. Der Kreis bezuschusst deshalb die Karten von 18 Schülern aus Könen und Wasserliesch nicht mehr. Schmitz-Wenzel betont: „Es wird niemand davon abgehalten, trotzdem eine Karte zu kaufen.“ Ein Schüler-Mobil-Ticket koste 41,70 Euro pro Monat, also knapp 500 Euro pro Jahr.


Gefährlichkeit
Bei den Eltern der Schüler kommt die Entscheidung des Kreises jedoch nicht gut an. Sie haben Widerspruch eingelegt und wollen erreichen, dass der Schulweg von Könen nach Konz wieder als gefährlich eingestuft wird. Dann müsste der Kreis auch die Schülertickets der Kinder aus Könen und Wasserliesch wieder bezahlen, auch wenn die Strecke bis zum Schulzentrum kürzer als vier Kilometer ist.

Bernhard und Helga Becker sind die Eltern eines der betroffenen Kinder. Die Könener betonen, dass es ihnen bei dem Widerspruch nicht um einen Einzelfall, sondern um alle betroffenen Kinder gehe. Die Eltern zweifeln an der Einstufung der Strecke als sicherer Schulweg. Vor allem der Zuweg von Könen zur Saarbrücke Richtung Konz sei problematisch. Dort müssen die Kinder entweder über einen markierten Seitenstreifen an der ehemaligen B 51 entlanggehen, der als Standstreifen für Autos dient, oder über einen unbeleuchteten Weg, der an der Saar entlangführt. Beide Varianten sind aus Sicht der Eltern nicht sicher. Sie verweisen zudem auf einen Unfall, den die Polizei auf Anfrage bestätigt: Eines der betroffenen Kinder, das mit dem Fahrrad von der Schule kam, ist Mitte August auf dem Heimweg vom Schulzentrum bei einem Unfall am Rewe-Kreisel leicht verletzt worden. Aus Sicht des Kreises ist ein einzelner Unfall aber nicht ausschlaggebend für die Bewertung der Gefährlichkeit – zumal der Kreisel nicht auf der Strecke zwischen Könen und Konz, sondern innerhalb der Innenstadt liege und auch von Schülern aus Konz gequert werden müsse.

Länge Der Kreis misst die Entfernungen laut dem zuständigen Dezernenten Schmitz-Wenzel auf Grundlage der Geobasisdaten des Landes Rheinland-Pfalz metergenau. Die Eltern bezweifeln ebendiese Genauigkeit. Mit gängigen Entfernungsmessungen über Google- oder Falk-Kartenprogrammen im Internet kommt Familie Becker über die Vier-Kilometer-Grenze. Zudem gibt es bei den Bemessungen des Kreises Schwankungen. „In unserer ersten Ablehnung der Fahrtkosten wurde uns mitgeteilt, dass unser Schulweg nur 3,92 Kilometer lang ist, also unter der Vier-Kilometer-Grenze liegt“, schreibt Familie Becker in einem Brief an den CDU-Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion Bernd Henter. In einem weiteren Schreiben sei der Weg mit 3,91 Kilometern und später 3,883 Kilometern bemessen worden. Direkte Nachbarn hingegen seien mit 4,02 Kilometern über der Vier-Kilometer Grenze gewesen. Aus Familie Beckers Sicht ist das unverständlich.

Kreisrechtsausschuss Über die Gefährlichkeit des Wegs entscheidet nun der Kreisrechtsausschuss. Für Mittwoch, 26. September, ist eine Begehung geplant. Um die Bedingungen vor Ort so authentisch wie möglich zu gestalten, beginnt der Termin um 7 Uhr. Dann müssten die Schüler losgehen, um zu Fuß pünktlich zum Unterricht zu kommen. Denn sie brauchen 50 Minuten von Könen bis zum Schulzentrum. Ob die Schüler wirklich zu Fuß gehen werden, bezweifeln die Eltern zurzeit.

In einem Brief an den Konzer CDU-Landtagsabgeordneten Bernhard Henter heißt es: „Viele Eltern fahren ihre Kinder nun täglich zur Schule.“ Ihre Schlussfolgerung aus dem Schreiben: Der daraus resultierende zusätzliche Verkehr vor der Schule dürfte nicht im Sinn der Kreisverwaltung sein. Das diene weder der Umwelt noch der Sicherheit der Kinder.