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Energie
Kostet Benzin bald schon zwei Euro?

FOTO: dpa / Christophe Gateau
Trier. Niedrigwasser auf dem Rhein und eine neue Steuer könnten für steigende Preise sorgen. Bereits jetzt ist Sprit so teuer wie lange nicht. Von Bernd Wientjes

Tankstellenbetreiber schließen nicht aus, dass schon bald zwei Euro kostet. Das Überspringen der Schallmauer von zwei Euro für einen Liter hochwertigen Kraftstoff sei denkbar, sagt Herbert W. Rabl, Sprecher des Tankstelleninteressenverbandes. Als Grund nennt er unter anderem das weiter anhaltende Niedrigwasser des Rheins. Dadurch können die Tankschiffe, die Kraftstoff aus dem Überseehafen im niederländischen Rotterdam in die Tanklager entlang des Rheins transportieren, zum Teil nur noch ein Fünftel der sonst üblichen Menge befördern (der TV berichtete). Um die Tankstellen mit Sprit zu versorgen, muss dieser per Bahn und LKW transportiert werden. Das verursache höhere Kosten, sagt der Sprecher von Aral, Detlef Brandenburg. „Wenn die Kosten steigen, bleibt nichts anderes übrig, als dies auf die Preise umzulegen.“

Bereits jetzt bezahlen Kunden in der Region Höchstpreise für Sprit. In Trier kostete der Liter Super am Freitag bis 1,649 Euro, in Wittlich sogar 1,669 Euro. In Bremen waren es zum Teil nur 1,429 Euro. Das hängt damit zusammen, dass dort die Transportwege kürzer sind. Wenn der Rheinpegel also nicht steigt (Freitag lag er in Koblenz bei 37 Zentimetern), dann seien „weitere Kostenabwälzungen“ an die Kunden wahrscheinlich, sagt Rabl. Doch vorerst ist kein Regen, der das Wasser steigen lassen könnte, in Sicht. Zwar gebe es am Wochenende an Mosel und Saar etwas Niederschlag, der Rhein bekomme davon aber wenig ab, sagt TV-Wetterexperte Dominik Jung. „Es gibt keine Entwarnung. Ab Mittwoch geht die Dürre weiter.“

Und damit wohl auch die „angespannte Versorgungslage“, von der Aral-Sprecher Brandenburg spricht. Auch wenn, wie am Freitag in Trier, einzelne Tankstellen zeitweise bestimmte Spritsorten nicht vorrätig hätten, bedeute das nicht, dass es zu wenig Kraftstoff gebe. „Davon ist genug da. Er muss nur von weiter her transportiert werden“, erklärt der Unternehmenssprecher. Da die Kapazitäten der Tanklaster und -züge ausgelastet seien, könnten auch nicht größere Mengen transportiert werden. Zu der Befürchtung der Tankstellenbetreiber, dass die Preise weiter steigen werden, wollte er sich nicht äußern. Allerdings würden die Kosten der Mineralölkonzerne nicht geringer, wenn der Rhein als Transportweg weiter ausfalle.

Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) wiederholte seine Forderung an den Bund, den Rhein als „leistungsfähigen Transportweg“ auszubauen. „Was passiert, wenn die Wasserstraßen nicht mehr leistungsfähig sind, bekommen die Bürger derzeit an der Zapfsäule zu spüren. Wir müssen die Wasserstraßen stärken, um die Verbraucher sowie unsere mittelständischen Unternehmen nicht mit enormen Preissteigerungen aufgrund hoher Transport- oder Energiekosten zu belasten“, sagte der Minister gegenüber unserer Zeitung.

Die Spritpreise könnten nicht nur wegen der Transportprobleme weiter steigen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will anscheinend eine CO2-Steuer auf schädliche Abgase einführen. Die neue Abgabe auf Sprit soll dafür sorgen, dass mehr Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen.

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