Krankenkassen: 2010 wird es teurer

Berlin/Trier. · Auf die gesetzlich Krankenversicherten kommen möglicherweise zusätzliche Belastungen zu. Weil den Kassen aufgrund der steigenden Zahl von Arbeitslosen, die keine Beiträge zahlen, Einnahmen fehlen, müssen sie 2010 wohl Zusatzbeiträge erheben.

(wie/dpa) Die gute Nachricht: Ab 1. Juli sinken die Beiträge der Krankenkassen von derzeit 15,5 auf 14,9 Prozent des Bruttoverdienstes. Wer monatlich 2000 Euro brutto verdient, spart sechs Euro im Monat. Die Bundesregierung hatte den Beitragssatz im Rahmen des Konjunkturpaketes gesenkt.

Die schlechte Nachricht: Die Ersparnis könnte bereits im nächsten Jahr, spätestens jedoch 2011, wieder aufgefressen werden. Viele Krankenkassen gehen davon aus, dass sie von ihren Versicherten Zusatzbeiträge erheben müssen. Das ist den Kassen erlaubt, wenn die Zuweisungen an sie aus dem Gesundheitsfonds nicht mehr ausreichen. In den Gesundheitsfonds fließen zentral alle Beiträge der Versicherten, und von dort werden sie an die Krankenversicherungen entsprechend ihrer Mitgliederzahl verteilt. Aufgrund der Wirtschaftskrise und der steigenden Arbeitslosigkeit werden die Kasseneinnahmen sinken. Denn wer arbeitslos ist, zahlt keine Kassenbeiträge.

Axel Mittelbach, Sprecher des Ersatzkassenverbandes Rheinland-Pfalz, geht davon aus, dass spätestens 2011 die Kassen Zusatzbeiträge erheben müssen. Und das nicht nur, weil Einnahmen fehlen, sondern gleichzeitig auch die Ausgaben der Kassen gestiegen sind: durch höhere Arzthonorare, mehr Geld für die Krankenhäuser und steigende Arzneimittelausgaben. Die Zusatzbeiträge dürfen maximal ein Prozent des Bruttoeinkommens eines Versicherten ausmachen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen geht davon aus, dass einzelne Kassen bis zu 36,75 Euro pro Monat von ihren Versicherten zusätzlich verlangen werden. Bereits in diesem Jahr fehlen den Kassen wegen der Wirtschaftskrise insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Dieses Defizit wird den Kassen vom Staat ausgeglichen, allerdings als Kredit. Sie müssen das Geld zurückbezahlen. Dadurch, so Mittelbach, verschärfe sich die finanzielle Situation der Kassen. Bislang konnten die meisten der knapp 200 Kassen Zusatzbeiträge vermeiden.

EXTRA: Wann Versicherte ihre Kasse wechseln können, lesen Sie hier.

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