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Krankenkassen: Wir geben keine Daten weiter

Krankenkassen: Wir geben keine Daten weiter

Wie sicher sind die Daten der Krankenversicherten? Offenbar haben einige Krankenkassen verbotenerweise Adressen ihrer Mitglieder an private Versicherungen verkauft, die dann Zusatzversicherungen angeboten haben.

Müssen gesetzlich Krankenversicherte Angst haben, dass ihre Daten an private Versicherungen verkauft werden? Eine norddeutsche Krankenkasse hat die Adressen ihrer Mitglieder verkauft und zwar an eine Versicherung, die für die Mitglieder der Kasse Zusatzversicherungen wie etwa für Zahnersatz anbietet. Datenschützer befürchten, dass das kein Einzelfall ist. Der TV fragte bei verschiedenen Krankenkassen nach. Einhellige Antwort: „Wir geben keine Daten weiter.“

Allerdings arbeiten alle gesetzlichen Krankenkassen eng mit privaten Versicherern zusammen. Da den Kassen zunächst nicht erlaubt war, den Versicherten Zusatzleistungen wie etwa die Übernahme der Kosten von Naturheilverfahren anzubieten, kooperieren fast alle mit privaten Versicherungen, die aber unabhängig sein müssen von der Krankenkasse. Mitglieder können dort unter anderem eine Zusatzversicherung abschließen, mit der sie das Anrecht auf eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus erhalten.

Die Barmer Ersatzkasse arbeitet mit der Huk-Coburg-Versicherung zusammen. „Versicherte, die noch keine Zusatzversicherung abgeschlossen haben, werden ausschließlich von uns kontaktiert. Es werden allerdings keine Daten an die Huk-Coburg übermittelt“, sagt Gabi Paus von der Barmer Rheinland-Pfalz. Auch bei der Techniker Krankenkasse (TK) heißt es, dass ohne Einwilligung der Mitglieder keine Daten an den Versicherer Envivas weitergegeben werden. Ebenso wird bei der IKK Südwest direkt ausgeschlossen, dass Adressen an den privaten Versicherer Signal Iduna gelangen.

Krankenkassen dürfen lediglich als Vermittler für Zusatzversicherungen auftreten. Zwar dürfen die Kassen ihren Mitgliedern Anträge für eine solche Zusatzversicherung in die Hand drücken oder sie über das Angebot des Kooperationspartners informieren. Es ist aber verboten, dass die gesetzlichen Krankenkassen etwa Kopien der ausgefüllten Anträge oder darin aufgeführte Daten speichern. Walter Bockemühl, Chef der AOK Rheinland-Pfalz, schließt aus, dass Krankenkassen systematisch Daten an private Versicherer weitergeben. „Damit würden sie sich doch selbst Konkurrenz machen.“ Mittlerweile dürfen Kassen sogenannte Wahltarife anbieten, die den Leistungen der Zusatzversicherungen ähnlich sind.