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Trier
Kriminelle versuchen, Vereine in der Region abzuzocken

FOTO: dpa / Friso Gentsch
Trier. Falsche E-Mails und gefälschte Überweisungen: Vorsitzende sehen sich mit Betrugsmaschen konfrontiert. Die Polizei ermittelt. Die Spuren führen wahrscheinlich ins Ausland. Von Bernd Wientjes

Mit miesen Maschen versuchen Kriminelle derzeit, Vereine in der Region abzuzocken. Sie schicken unter der Mailadresse des Vorsitzenden eine Nachricht an den Kassierer und bitten diesen, dringend Geld auf ein Konto zu überweisen. So ist es unter anderem den beiden Trierer Sportvereinen Trimmelter SV und FSV Tarforst ergangen. Einmal, berichtet der FSV-Vorsitzende Werner Gorges, sei es um 135 Euro und das andere Mal um 190 Euro gegangen. „Daten und Inhalt waren sehr schlüssig“, sagt Gorges.

Weil der Verein die klare Regelung habe, dass Überweisungen nicht aufgrund von Mailaufforderungen erfolgen dürfen, sei der Kassierer stutzig geworden und habe bei ihm nachgefragt, sagt der Vereinsvorsitzende. Ähnlich war es auch beim Trimmelter SV, berichtet dessen Vorsitzender Marco Marzi. In seinem Namen und mit seiner Mailadresse habe der Kassenwart des Vereins eine Mail erhalten, in der er persönlich mit seinem Vornamen angeredet worden sei. In fehlerhaftem Deutsch („Ich möchte dass du ein Überweisung machen“) wurde er gefragt, ob der Absender ihm eine Bankverbindung für eine Geldüberweisung zukommen lassen kann.

Mails mit exakt demselben Inhalt und denselben Fehlern werden seit Monaten an verschiedene Vereinsfunktionäre in ganz Deutschland geschickt. In einigen Fällen sind angebliche Rechnungen als Datei angehängt, die aber, nach Einschätzung der Polizei, Schadsoftware enthalten, mit welcher der betroffene Computer ausgespäht werden soll. Seit Januar sind bei der Trierer Polizei zwei Anzeigen wegen solcher Mails eingegangen. Die Polizei vermutet, dass die wahren Absender irgendwo im Ausland sitzen.

Opfer einer solchen Betrugsmasche wurde auch der Vorsitzende des Trierer Polizeisportvereins, Bernd Michels. Im Namen des ehemaligen Kripobeamten wurde vergangene Woche eine Mail an die Vereinskassiererin geschickt, in der er sie wegen angeblicher „finanziellen Sorgen“ um die Überweisung von 4100 Euro bittet. Auch in diesem Fall wurde der Betrugsversuch rechtzeitig entdeckt. Trotzdem hat Michels Anzeige erstattet.

Marzi berichtet noch von einer weiteren Masche, mit der derzeit versucht wird, Vereine in der Region abzuzocken. Ein anonymer Absender habe Überweisungsträger mit der Kontonummer des Trierer Stadtsportverbandes, dessen Vorsitzender Marzi ebenfalls ist, ausgefüllt und mit seiner Unterschrift signiert. Die Unterschrift haben die Kriminellen vermutlich von Einladungen zu Mitgliederversammlungen des Verbandes, die auf dessen Internetseite zu finden sind. Die auf den Überweisungen genannten Empfängerkonten seien im Ausland gewesen, sagt Marzi. Auch in diesen Fällen wurde der Betrugsversuch rechtzeitig entdeckt. Dokumente mit Unterschriften von Vorsitzenden und Kontoverbindungen finden sich auf vielen Internetseiten von Vereinen in der Region.