Kirche: Kriminologe attackiert Trierer Bischof

Kirche : Kriminologe attackiert Trierer Bischof

Der kirchliche Missbrauchsbeauftragte Ackermann soll einem ehemaligen Institutsleiter gedroht haben.

Der Kriminologe und ehemalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer (75) dürfte dem Trierer Bischof Stephan Ackermann (56) das Osterfest verhagelt haben. In einem aktuellen Interview mit der Wochenzeitung Zeit wirft Pfeiffer der katholischen Kirche vor, seinem Kriminologischen Forschungsinstitut Geld angeboten und ihn selbst bedroht zu haben, um ihn und seine Kollegen zum Schweigen zu bringen. Hintergrund ist eine ursprünglich bei dem niedersächsischen Institut in Auftrag gegebene Forschungsarbeit über Missbrauch in der katholischen Kirche, die vor Abschluss im Januar 2013 von der Kirche gekündigt wurde. Als Grund wurde das „zerrüttete Vertrauensverhältnis“ genannt.

Gegen den schon damals vom Institutsdirektor Pfeiffer erhobenen Vorwurf, die Kirche sei durch ihre Zensur- und Kontrollwünsche für das Scheitern der Zusammenarbeit verantwortlich, verwahrten sich die Bischöfe entschieden. Die wissenschaftliche Veröffentlichung sei „ebenso positiv wie freiheitlich geregelt“ worden wie die Veröffentlichung in Massenmedien, heißt es in einer seinerzeitigen Stellungnahme der deutschen Bischöfe.

In dem Zeit-Interview legt der ehemalige Institutsleiter jetzt noch einmal nach – und zwar deutlich. Demnach soll der kirchliche Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann bei einem Krisengespräch Pfeiffer damals unverhohlen gedroht haben. „Er redete mich mit Professor Pfeiffer an und erklärte mir, wenn ich mich weigere, den Vertrag zu unterschreiben, und der Zensurvorwurf nach draußen dringe, dann sei ich ein Feind der katholischen Kirche – und das wünsche er niemanden“, sagte Christian Pfeiffer der Zeit. Ackermann habe danach noch gesagt, dass man den guten Ruf Pfeiffers öffentlich massiv attackieren würde, wenn keine Schweigevereinbarung zustande käme. „Das war eine richtige Bedrohung, der Versuch einer Nötigung“, wird der Kriminologe in dem Interview zitiert.

Der Trierer Bischof wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung am Mittwoch nicht zu den Vorwürfen äußern. Alle Fragen zu dem gescheiterten Forschungsprojekt seien damals beantwortet worden, sagte Bischofssprecherin Judith Rupp unter Verweis auf ein vor sechs Jahren erschienenes mehrseitiges Papier zum Thema.

Nachdem die Zusammenarbeit mit dem Institut gekündigt war, wurde ein Konsortium aus mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen mit der Missbrauchsstudie beauftragt. Bei der Veröffentlichung der Ergebnisse im vergangenen Herbst schlugen die Wellen der Empörung hoch. Christian Pfeiffer bescheinigt den Bischöfen immerhin, dass ihr Aufklärungswille inzwischen größer geworden sei: „Sie haben den neuen Kollegen immerhin keinen Zensurvertrag vorgelegt.“

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