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1,63-Meter-Schottin mit Gitarre und viel Charme

1,63-Meter-Schottin mit Gitarre und viel Charme

Zuckende Blitze über dem Himmel, eine beleuchtete Burg - und ein Star auf der Bühne: Amy Macdonald hat bei ihrem Konzert in Beaufort 2200 Zuschauer in ihren Bann gezogen. Die 27-Jährige überzeugt nicht mit einer grellen Show, sondern als das nette Mädchen von nebenan.

Beaufort/Luxemburg. Schottenrock, Whisky oder Dudelsack: Von den Klischees aus ihrer schottischen Heimat erfüllt Amy Macdonald nur herzlich wenig. Als die Sängerin die Bühne in Beaufort betritt, trägt sie eine blau-glänzende Hose aus Leder, hat Wasserflaschen um den Mikrofonständer geschnallt und hängt sich ihre Akustikgitarre um den Hals. So steht sie nun im Scheinwerferlicht. Eine Frau von 1,63 Meter - und mit einer Stimme in der Kehle, die die 2200 Besucher im luxemburgischen Beaufort auf Anhieb fesselt.
Das gilt auch für den Charme der Künstlerin. Das Ambiente mit der romantischen Beleuchtung der Burg und den zuckenden Blitzen am Abendhimmel fasziniert Amy Macdonald. "Das ist ein wundervoller Ort", schwärmt Macdonald und scherzt angesichts der ausverkauften Vorstellung. "Wir haben einen Baum dafür gefällt, dass mehr Leute reindürfen."
Die Fans, die eine Karte ergattert haben, bereuen ihr Erscheinen nicht. Die Schottin steht nicht für eine grelle Bühnenshow, spektakuläre Kleider - sondern für ehrliche Musik mit ihrer Gitarre, tiefen Tönen und Texten zum Träumen. Sie wirkt wie das nette Mädchen von nebenan, nicht wie ein Star, obwohl sie mit neun Millionen verkauften Alben einer ist.
Das lieben die Fans an ihr. Sie lauschen den Geschichten, die Macdonald in ihren Country-Pop-Liedern zu erzählen hat. So wie die Kindheitserinnerungen an einen Besuch in New York, die sie in "4th of July" einbindet. In "Pride" verarbeitet der Fußballfan die Gefühle, die sie vor einem Länderspiel der schottischen Nationalelf in Glasgow erlebte. Sie sang die Nationalhymne vor über 52 000 Zuschauern.
Dazu wechselt Macdonald zwischen Spaßnummern und Kuschelrock. Bei "Slow It Down" rät die leidenschaftliche Ferrari-Fahrerin dazu, im Leben auch mal einen Gang zurückzuschalten. Das Echo der Besucher hallt über das ganze Gelände: "Down-down-down-down-down-down-down." Sekunden später ist es beim ruhigeren "No Roots" mucksmäuschenstill - und Pärchen liegen sich in den Armen. Knapp anderthalb Stunden spielt Amy Macdonald, dann ist die Party vorbei. Einen Hauch von ihrer Heimat hinterlässt sie aber doch, auch ohne Schottenrock, und Dudelsack.
Ihr Akzent, der ist unverkennbar, und das merkt sie schnell. "Vielleicht höre ich besser auf zu reden", sagt sie irgendwann lächelnd und greift wieder zu ihrer Gitarre. "Na dann", flüstert ein Fan im Publikum. "Aber bitte nicht aufhören zu singen." flor