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1. Fringe-Festival Trier Straßentheater Die Stadt wird zur Bühne

Theater : Die Straße wird zur Bühne

Was blökt denn da auf dem Viehmarkt? Wer hört auf die Trillerpfeifen in der Fußgängerzone? Oder staunt über Seiltänzer, Stelzentheater und Artistik? Beim 1. internationalen Fringe-Festival in Trier wird die Stadt zu einer Bühne für Spektakel, wie es sie noch nie gab.

Im schottischen Edinburgh kann man im August locker dreimal täglich ins Theater gehen, zwischendurch noch einer Comedy-Vorführung lauschen und beim Imbiss draußen dann eine kleine Show mit Seiltanz und Artistik erleben. Täglich geht das, fast vier Wochen lang. Menschen kommen aus der ganzen Welt, um dieses einmalige Flair und die vielen Angebote von darstellendem Spiel und Comedy zu erleben. „Fringe“ gilt als weltweit größtes Kulturfestival – ein Event, das ein paar Theaterleute 1947 als inoffizielles Programm am Rande des offiziellen Edinburgh Festivals ins Leben riefen, weil sie das Publikum auf ihre Stücke aufmerksam machen wollten. Daher der Name Fringe, Fransen, der den Randcharakter der Veranstaltung unterstreicht. Mittlerweile lockt Fringe viel mehr Besucher an als sein ursprünglicher Konkurrent und verkauft jährlich mehr als eine Million Karten. 2015 bot es in 25 Tagen 50.459 Aufführungen von 3.314 Shows. Nun wird Edinburgh Vorbild fürs 1. Fringe-Festival in Trier.

Und das dank der Reise des neuen Trierer Kulturdezernenten Markus Nöhl. Er sei eher zufällig in Schottland auf das Fringe-Festival gestoßen, erzählt er, und war sofort begeistert. Dass freie Theatergruppen dort ein Festival jenseits der etablierten Bühnen organisieren, hatte es Nöhl sofort angetan. Denn die Öffnung der Kulturinstitutionen für Menschen, auf deren Wegen kein Theater und kein Museum liegt, ist ihm ein wichtiges Anliegen. „Wir wollen Kunst und Kultur auf Straßen und Plätze bringen“, sagt er zur Fringe-Initiative, damit Passanten im Alltag ihnen begegnen könnten. „Fringe verbindet die Straße mit der Bühne“. Den Trierer Theater-Intendanten Manfred Langner und auch die Landesregierung steckte Nöhl gleich an mit seiner Begeisterung, so dass das Land für die erste Fringe-Auflage am 25. und 26. Juni 25.000 Euro beisteuert. Und auch die Stadt und das Theater stellen jeweils einen solchen Betrag für die Festival-Premiere bereit.

 Manfred Langner (von links), Antonia Kohler und Markus Nöhl präsentieren die Pläne für das Fringe-Festival in Trier.
Manfred Langner (von links), Antonia Kohler und Markus Nöhl präsentieren die Pläne für das Fringe-Festival in Trier. Foto: divers/divers, Anne Heucher

Das Programm soll bunt und fröhlich sein und auch Theaterformen ein Forum bieten, die im Haus am Augustinerhof naturgemäß keinen Platz haben: Straßentheater, Seiltanz, Jonglage, Artistik. Da werden auf dem Viehmarkt surreal Schafe blöken oder meterhohe Figuren auf Stelzen Passanten überraschen. (Fast) alles passiert draußen, wobei die Initiatoren versichern, selbst für schlechtes Wetter gewappnet zu sein.

 Bei „Hands some feet“ kommen Seiltanz und Jonglage zusammen. Foto: Theater Trier
Bei „Hands some feet“ kommen Seiltanz und Jonglage zusammen. Foto: Theater Trier Foto: divers/divers, Anne Heucher

Zum Glück der Edinburgh-Reise kam Langners Kontakt zu einem der besonderen Kenner der Szene: Frank Hoffmann, international erfolgreicher Regisseur und Intendant des Théâtre National du Luxembourg. Der hatte als Chef der Ruhrfestspiele in Recklinghausen ein Fringe-Festival ins Leben gerufen, das allerdings nicht mehr existiert. Nun haben Hoffmann und seine Stellvertreterin Antonia Kohler viele Ideen ins Trierer Fringe eingebracht und das Festival als grenzüberschreitende Kooperation auf den Weg gebracht – mit KünstlerInnen aus Kanada, Australien, Finnland, Belgien, Luxemburg, Frankreich und Deutschland. Aus Trier ist das Circolo-Stelzentheater dabei.

 Füttern erlaubt! Beim humoristischen Familienstück „Die Schafe“ auf dem Trierer Viehmarkt sind Besucher zum Mitmachen eingeladen.
Füttern erlaubt! Beim humoristischen Familienstück „Die Schafe“ auf dem Trierer Viehmarkt sind Besucher zum Mitmachen eingeladen. Foto: divers/divers, Anne Heucher

Damit könnte Trier das einzige Fringe-Festival in Deutschland bekommen. Denn im Gegensatz zu Großbritannien, den USA und einigen weiteren Ländern hat das Event mit freien Theater- und Comedygruppen hierzulande keine Nachahmer gefunden, trotz vereinzelter Initiativen im Ruhrgebiet.

Einen Anlass für Fringe in Trier gibt es auch: Am letzten Juni-Wochenende beginnt die jahrelang vorbereitete Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“, die bis zum 27. November rund 100.000 Besucher anlocken soll. Da wird überall große Spannung in der Luft liegen. Wer also zwischen zwei Ausstellungsbesuchen pausiert oder ein buntes, fröhliches Kontrastprogramm wünscht, wird in der Innenstadt zwischen Porta und Theater reichlich beschenkt. Kostenlos reihen sich die (alle familientauglichen) Darbietungen aneinander (siehe Extra). Und wer dann auf den Geschmack gekommen ist und sich ein Stück mit internationalem Charakter im Theater selbst anschauen möchte, kann dies zu deutlich vergünstigten Ticketpreisen.

Weitere Informationen: www.theater-trier.de