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100 Hertz - Die Fernsehkolumne: Elementar, mein lieber Watson!

100 Hertz - Die Fernsehkolumne: Elementar, mein lieber Watson!

Mantel, Jagdkappe und Pfeife im Mund: So oder so ähnlich stellen sich wohl viele den berühmtesten Detektiv der Welt vor, und so oder so ähnlich werden auch einige Fernsehzuschauer ihn sich im ersten Teil der neuen "Sherlock"-Filmserie am Sonntag vorgestellt haben. Nun, sie erlebten eine Überraschung.

Denn der Sherlock Holmes, der den Zuschauern präsentiert wurde, hat nur wenig mit den populären Darstellungen zu tun. Dieser Holmes ist nicht nur neu, nicht nur jung. Der Charakter und seine Geschichten wurden in die heutige Zeit transferiert - so gelungen, dass sich hier ein wahres Glanzstück offenbart.

Dr. John Watson (Martin Freeman) ist in dieser Version ein ehemaliger Militärarzt, der aus dem gegenwärtigen Afghanistankrieg ein Trauma davongetragen hat. Holmes (Benedict Cumberbatch) lernt er kennen, weil der einen Mitbewohner sucht und ihn sofort als solchen akzeptiert. Die Darsteller arbeiten wundervoll zusammen und geben den altbekannten Rollen einen neuen Anstrich.

Aber damit nicht genug. Die Produzenten Steven Moffat und Mark Gatiss, die in England für ihre Arbeit an der Kultserie "Doctor Who" bekannt sind, lassen ihre Titelhelden im Heute selbstverständlich auch die modernen Medien nutzen. Computer und Smartphones werden in die Handlung integriert - auch für die Zuschauer.

Wann immer also jemand eine SMS in der Serie erhält, wird sie in das Fernsehbild eingeblendet. Dasselbe gilt, wenn jemand per Smartphone eine Internetsuche startet. Selbst vor den Gedanken macht diese Methode nicht halt: Wenn Holmes einen Tatort untersucht, sind auf dem Bildschirm seine Gedankenfetzen zu sehen.

Die Idee ist grandios, und schön anzusehen ist sie auch. Vor allem aber verschafft sie den Zuschauern den Vorteil, mitten im Geschehen zu sein - ohne dass dabei zu viel verraten wird.

Zwei weitere Filme werden an den nächsten Sonntagen um 21.45 Uhr in der ARD gezeigt, dann ist erst mal wieder Schluss. Doch kein Grund zur Sorge: Neue Folgen sind in der Mache.
Anita Lozina